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Toleranz


[Literatur] [www-Links]


Der Gedanke der Toleranz stammt wesentlich aus der Bemühung, die Tatsache weltanschaulich-religiöser, politischer und kultureller Verschiedenheit zu bewältigen. Denn diese konfrontiert mit dem Konfliktpotential z.B. gegensätzlicher Wahrheitsüberzeugungen, ausgrenzender Vorurteile, politischer Gegensätze, ungleichmäßiger Machtverteilung (Minderheitenproblem) usw. Gegenüber allen totalitären "Problemlösungen" bedeutet Toleranz den Versuch der Koexistenz und Duldung. So ist sie eine Basisbedingung des demokratischen Zusammenlebens und des für das Gemeinwohl erforderlichen Zusammenhandelns. Demgemäß hat Toleranz ihre Grenze in der Nicht-Duldung totalitärer Intoleranz.

Üblicherweise unterscheidet man zwischen formaler Toleranz und inhaltlicher Toleranz. Erstere besteht vor allem in der Duldung des Widersprüchlichen und Andersartigen. Da Gegensätze nicht einfach aufgehoben werden können, schon gar nicht durch Druck, ist sie eine Forderung der Vernunft angesichts der Tatsache des Pluralismus. Sie erweist sich, kritisch betrachtet, allerdings doch als eine eher passive, auf bloße Konfliktvermeidung ausgerichtete Verhaltensregel. Sie belässt Verschiedenheiten und Gegensätze unbefragt, ja verbietet eigentlich jeden Versuch eines partnerschaftlich-kritischen Austausches. So bleiben aber Vorurteile unkorrigiert bestehen, werden Widersprüche nicht bearbeitet, ist ein gegenseitiges Kennen- und Verstehenlernen kaum möglich. So kann formale Toleranz mit ideologischer Überheblichkeit, Abgrenzungsmentalität und Chancenungleichheit (politisch, ökonomisch) verbunden sein.

Inhaltliche Toleranz besteht in der "freien Anerkennung" (O. Höffe) des Verschiedenen und Gegensätzlichen. Wenn sie darauf abhebt, dass niemand den vollen Besitz der Wahrheit für sich in Anspruch nimmt, dass vielmehr jeder von jedem auch lernen kann, so muss das nicht zum Relatitivismus führen. Vielmehr ist sie grundsätzlich darauf ausgerichtet, dass Menschen in verschiedenen kulturellen, religiösen, politischen Traditionen leben und dass sie ihre Überzeugungen auf dem Weg ihrer lebensgeschichtlichen Einbindung gewinnen. Es geht also fundamental um die aktive Anerkennung der je eigenen, vom Gewissen getragenen Überzeugungswahrheit und des personalen Rechtes auf andersartige Selbstbestimmung. Darüber hinaus bedeutet inhaltliche Toleranz die positive Kenntnisnahme des Verschiedenen, insofern es die eigene Überzeugung bereichern kann. Bei aller Standpunktfestigkeit und bei aller Ablehnung z.B. eines interreligiösen Synkretismus bleibt doch die Tatsache bestehen, dass sich verschiedene Überzeugungen und Lebensperspektiven gegenseitig stimulieren und ergänzen können. So sind auch gegenseitige Kritik, gemeinsame Abarbeitung repressiver Lebensbedingungen und partnerschaftliche Lebensgestaltung möglich. (...)

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Literatur

V. Eid in: Lexikon der Religionen, Herder, Freiburg, 1987, S. 661 f.

Weitere Literatur:
H. R. Guggisberg (Hg.), Religiöse Toleranz, Stuttgart 1984;
O. Höffe, Pluralismus/Toleranz: NHThG III 363-378;
H. Lutz (Hg.), Zur Geschichte der Toleranz und Religionsfreiheit, Darmstadt 1977;
H. R. Schlette, Zum Thema Toleranz, Hannover 1979;
W. Post, Toleranz: SM (D) IV 934-943.




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www-Links



Erklärung von Prinzipien der Toleranz
Repressive Toleranz

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