Willkommen in Spanien

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Offizieller Name: Königreich Spanien
Hauptstadt: Madrid
Fläche: 505.992 km² (einschließlich Balearen 5014 km², Kanarische Inseln 7242 km² sowie Ceuta und Melilla)
Landesnatur: Inneres Hochland (Meseta) mit Randgebirgen, im NW und SO Randlandschaften, im NO Ebrobecken; im SW Andalusien; Balearen und Kanaren
Klima: Im N ozeanisch, sonst mediterran
Hauptflüsse: Tajo, Guadiana, Ebro, Duero, Guadalquivir
Höchster Punkt: Pico de Teide 3.718 m (Teneriffa), Mulhacén 3.478 m
Regierungsform: Parlamentarische Monarchie
Staatsoberhaupt König
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 17 autonome Regionen, 52 Provinzen (darunter die Enklaven Ceuta und Melilla)
Parlament: Abgeordnetenhaus mit 350 für 4 Jahre gewählten Abgeordneten und Senat mit 255 (208 direkt gewählt, 47 Delegierte aus den autonomen regionen) für 4 Jahre gewählten Mitgliedern
Nationalfeiertag: 12. Oktober
Einwohner: 39.634.000 (1999); 40.341.462 (geschätzt Juli 2005); Am 1. Januar 2007 hatte Spanien 45,12 Millionen Einwohner, davon waren 4,48 Millionen Ausländer
Bevölkerungsdichte: 78 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 78% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 15% (1999)
Analphabetenquote: 2% (1999)
Sprache: Spanisch, Katalanisch, Galicisch, Baskisch
Religion: Katholiken 96%

Das Land

Die Iberische Halbinsel ist die größte der drei südeuropäischen Halbinseln. Von der Fläche dieses eigenen "Kleinkontinents" nimmt Spanien fünf Sechstel ein, der Rest entfällt auf Portugal, den Zwergstaat Andorra und die britische Kronkolonie Gibraltar. Zum spanischen Staatsgebiet kommen allerdings noch eine Reihe von Inseln hinzu, so dass es insgesamt 505.992 km² umfasst. Das Festland wird oft mit einer Burg verglichen: Von den Küsten ragen steile Gebirge auf, die das Hochland im Innern wie Mauern schützend umschließen.
Die Abschottung durch die Berge trägt dazu bei, dass der zwischen dem 36. und dem 43. Breitengrad liegende Staat, obwohl er vom Mittelmeer und vom Atlantik umgeben ist, ein verhältnismäßig trockenes, im Sommer ziemlich heißes Klima aufweist. In den langen Wintern bleibt es dagegen im größten Teil Spaniens reichlich kühl und oft auch frostig.

Die mediterranen oder subtropischen Regionen an seinen palmenbestandenen Südküsten stehen im starken Kontrast zu den höhergelegenen Gegenden, wo in vielen Berggebieten sogar bis weit in das Frühjahr hinein Wintersport betrieben werden kann. Das gilt selbst für die im heißen Andalusien gelegene Sierra Nevada, die - wörtlich übersetzt - "Beschneite Säge", mit dem höchsten Berg des Festlands, dem 3.478 m hohen Mulhacén.
Etwa 2,5% des spanischen Territoriums machen seine Inseln aus, von denen die 1000 km südlich von der Iberischen Halbinsel gelegenen und 100 km von der afrikanischen Westküste entfernten Kanaren sowie die Balearen im Mittelmeer die wichtigsten sind. Zu Spanien gehören auch zwei kleine Städte an der nordafrikanischen Küste, Ceuta (Sebta; seit 1995 eine autonome Stadt; bekannt als Anlaufpunkt für illegale Immigration von Afrikanern in die Europäische Union; gehört nicht zum Zollgebiet der EU) und Melilla (Melilia; seit 1995 eine autonome Stadt; bekannt als Anlaufpunkt für illegale Immigration von Afrikanern in die Europäische Union; fiel besonders durch Todesfälle von Migranten im September 2005 auf; geschützt durch 3-6 m hohe Zäune, Bewegungsmelder, Kameras, Nachtsichtgeräte; gehört nicht zum Zollgebiet der EU). Die Enklaven werden von Marokko beansprucht, während Spanien seinerseits von Großbritannien die Rückgabe der Kronkolonie Gibraltar verlangt, die als eindrucksvolle Felsenhalbinsel am Südende Spaniens in die Straße von Gibraltar hineinragt und einst als eine der "Säulen des Herkules" bekannt war.

Die Großlandschaften
Die Nähe zu Afrika - der "Schwarze Kontinent" liegt über die Meerenge hinweg nämlich nur 14 km entfernt - hatte starken Einfluss auf die geschichtliche und kulturelle Entwicklung Spaniens, zumal das Land im Norden durch die im Mittel 2000 m hohen Pyrenäen vom übrigen Europa abgeschnitten ist. Die Pyrenäen, die im 3.404 m hohen Pico de Aneto in der Maladetagruppe gipfeln, setzen sich nach Westen, am Golf von Biscaya entlang, in den baskischen, kantabrischen und asturischen Bergen fort. Im Kantabrischen Gebirge entspringt als wichtigster Fluss der Ebro, der in Katalonien (Cataluna) ins Mittelmeer mündet. Weiter im Süden fließen der Duero, der Tajo - der längste Fluss der Iberischen Halbinsel - und der Guadiana durch Portugal dem Atlantischen Ozean zu. An Spaniens Südküste mündet der andalusische Guadalquivir in den Atlantik. Die großen Flussbecken gehören neben einigen Küstenstreifen zu den fruchtbarsten Gebieten des Landes. In einer Vielzahl von kleinen und großen Staubecken werden die Winterregen zur Bewässerung gespeichert. Eine Reihe von - freilich immer stärker gefährdeten - Feuchtgebieten birgt eine reiche Fauna und sichert auch einem Teil der europäischen Zugvögel ihre Rastplätze bei der herbstlichen Reise in den Süden.
Madrid liegt nahe dem geographischen Mittelpunkt des Landes. Spaniens Hauptstadt ist gleichzeitig das Zentrum der riesigen kastilischen Meseta, einer zwischen 650 und 1000 m Höhe liegenden trockenen und kargen Hochfläche, die fast die Hälfte Spaniens ausmacht. Sie wird von einigen kleineren Gebirgen durchzogen, der Sierra von Toledo etwa und den bis über 2500 m hohen, bei der Hauptstadt liegenden Gredos- und Guadarrama-Bergen. Die Meseta, auf der vielfach nur Steineichen und Strauchvegetation wachsen, wo aber - im Norden - auch Weizen- und Kichererbsenanbau betrieben wird und wo sich - im Süden - die riesigen Weinfelder der Mancha ausbreiten, ist weitgehend identisch mit dem wegen seiner vielen Festungen und Kastelle "Kastilien" genannten Kernland Spaniens. Hier hat auch die Hauptsprache, das Kastilische, seine Heimat.

Im Norden der Meseta liegt der wesentliche Teil des "feuchten Spanien": am weitesten westlich das an seinen Küsten von "Rias", schmalen Buchten, durchzogene Galicien (Galicia), an das sich die Bergbau- und Viehzuchtregionen Asturien (Asturias) und Kantabrien (Cantábrica) anschließen. Das ebenso grüne wie von Fabriken durchsetzte Baskenland bildet zusammen mit dem benachbarten Navarra und der für seinen Wein berühmten Region Rioja das Zentrum des Nordens. Weit nach Mittelspanien hinein ragt das zu einem guten Teil von den Pyrenäen und seinen Vorgebirgen bestimmte einstige Königreich Aragonien.
In Katalonien spürt man den Einfluss des benachbarten Frankreich am deutlichsten. Abgesehen von den Stränden an der buchtenreichen Costa Brava prägen ein intensiv agrar genutztes Hügelland und die Industriegebiete um Barcelona die Landschaft.

Andalusien
Das "typische" Spanien wird am ehesten in dem ans Mittelmeer und an den Atlantik angrenzenden Andalusien gesehen. Hier wirkt Spanien am wenigsten "europäisch" angesichts des meist subtropischen Klimas und der dunkelhaarigen Bewohner, die in ihrem Temperament wie in ihrer getönten Hautfarbe arabisch beeinflusst sind. In vielen Städten haben hier die einstigen Maurenfürsten und die späteren christlichen Herrscher ebenso aufwendige wie dekorative Bauwerke hinterlassen: Granada mit seiner Alhambra, Cordoba mit seiner zur Kirche umgewandelten Moschee und Sevilla mit seiner Kathedrale und dem Alcazar.
Zusammen mit Andalusien haben die am Mittelmeer gelegenen Städte Valencia und Murcia mit ihrer von Orangenbäumen und Reisfeldern geprägten Umgebung im Ausland das Bild von Spanien mehr geprägt als das kastilische Kernland oder die an Portugal anschließende Extremadura mit ihren riesigen, von Stein- und Korkeichen bestandenen Weiden.

Spanien

Geschichte

Bis 1492
Bis zum späten Mittelalter begrenzte der Atlantik die "Alte Welt". Die Pyrenäen bildeten eine schwer überwindbare Barriere zwischen Westeuropa und Spanien. Dessen lange Mittelmeerküste ließ sich dagegen von Nordafrika - und seit dem Beginn der Seefahrt auch von Osten -leicht erreichen.
Schon in der frühen Altsteinzeit, also vor mehr als 100.000 Jahren, wanderten aus Afrika kommende Jäger und Sammler nach Spanien ein. Die eindrucksvollen Felsmalereien in Höhlen Nordwestspaniens gehören zu den späten Zeugnissen ihrer Kultur. Nach der Jungsteinzeit, aus der zahlreiche große Steingräber erhalten sind, kamen neue Siedler über das Mittelmeer. Sie wurden von ergiebigen Erzvorkommen angezogen und bildeten bereits um 2000 v. Chr. eine hochentwickelte frühe Kultur und Zivilisation aus. Die seit ca. 900 v. Chr. von Norden einwandernden Kelten vermischten sich mit ihnen zu den sogenannten Keltiberern. Von der Eigenständigkeit ihrer Kultur zeugen ein iberisches Alphabet und Funde kunstvoll bearbeiteten Gold- und Silberschmucks.
Nachdem Phönizier (um 1100 v.Chr.) und Griechen (um 800 v. Chr.) Handelskolonien gegründet hatten, gerieten Teile der Halbinsel unter den Einfluss der mächtigen nordafrikanischen Handelsstadt Karthago. Im dritten Jahrhundert v. Chr. kam es zwischen Karthago und Rom zu einem Konflikt um die Vorherrschaft im westlichen Mittelmeer, der im Zweiten Punischen Krieg (218-201 v.Chr.) gipfelte; er endete mit der Niederlage der von Hannibal (247-183 v.Chr.) angeführten Karthager. Mit dem an Spaniens Südwestküste errichteten "Neuen Karthago", dem heutigen Cartagena, mussten sie auch ihren Anspruch auf Spanien aufgeben. So begann die Eroberung der Iberischen Halbinsel durch die Römer. Aufgrund des starken Widerstands der Keltiberer war sie jedoch erst nach fast zwei Jahrhunderten ganz in ihrer Hand.
Kein Teil des Römischen Reichs ist in der folgenden Zeit so stark romanisiert worden wie die spanischen Provinzen. Auf ihrem Boden wurden 33 römische Kolonialstädte gegründet. Viele andere Städte und Stadtgründungen glichen sich diesen Kolonien an. Latein wurde zur Landessprache. Schon 74 n. Chr. - nahezu 150 Jahre vor den anderen Teilen des Römischen Reichs -erhielten die Bewohner der spanischen Provinzen die römischen Bürgerrechte. Wer aus Spanien kam, konnte in Rom hoch aufsteigen. Einige der bedeutendsten römischen Schriftsteller, unter ihnen Quintilian und Seneca d.J., der auch römischer Konsul war und den späteren Kaiser Nero erzogen hat, stammten ebenso aus Spanien wie die Kaiser Hadrian und Trajan.
Wie in anderen Teilen des Römischen Reichs fielen um 400 kriegerische Germanenstämme -Sueben, Vandalen, Westgoten - auch in Spanien ein. Die bereits christianisierte, auf sieben Millionen geschätzte Bevölkerung leistete ihnen wenig Widerstand. In Kämpfen zwischen den germanischen Stämmen konnten die Westgoten die Herrschaft über weite Teile Spaniens an sich reißen. Die römisch-iberische Bevölkerung zwang die neuen Herrscher allerdings, sich kulturell anzupassen.

Die Mauren in Spanien
Spanien wäre deshalb zu einem Teil des römisch-christlichen Europas geworden, wenn nicht 711 eine der westgotischen Herrscherfamilien in einem Streit über die Königswürde die neuen islamischen Machthaber Nordafrikas zu Hilfe gerufen hätte. Sie drangen mit ihrem schlagkräftigen Berberheer rasch und weit vor. Die Iberische Halbinsel südlich des Duero wurde ein Teil des neuen islamischen Weltreichs. Im Norden entstanden unter christlicher Herrschaft kleine Königreiche: Asturien, Katalonien, Aragón, Navarra, León-Kastilien. Zur erstrebten "Reconquista", zur Wiedereroberung der ganzen Iberischen Halbinsel, waren sie zunächst zu schwach. Sie gelang erst im 12. und 13. Jahrhundert, als Nordspanien am wirtschaftlichen Aufschwung und dem Bevölkerungswachstum des hochmittelalterlichen Europa teilhatte. Bei Navas de Tolosa erlitten die Mauren 1212 eine vernichtende Niederlage im Kampf gegen die von Kreuzrittern unterstützten christlichen Königreiche. Nur das kleine Königreich Granada blieb noch bis 1492 islamisch.
In den frühen Jahrhunderten maurischer Herrschaft war die Islamisierung des Südens weit fortgeschritten. Die Mehrheit der dort lebenden Bevölkerung - die arabische Aristokratie, viele ihrer Sklaven, die das Heer stellenden Berber, konvertierte Christen - bekannten sich zum Islam. Wie die großen europäischen Wallfahrten nach Santiago de Compostela Nordspanien mit der kulturell-religiösen Entwicklung Westeuropas verbanden, so ermöglichten die regelmäßigen Pilgerzüge nach Mekka (Makkah) den Anschluss des islamischen Spanien an die Zentren der arabischen Kultur, mit der dort aufblühenden Literatur, Wissenschaft, Kunst und Architektur. In Städten wie Córdoba, Granada, Sevilla, Toledo entstanden bedeutende Bauten. Die handwerklichen Künste wurden ebenso gepflegt wie Literatur und Wissenschaft. Spanien konnte so auch zu einer Brücke zwischen dem arabischen Osten, der vieles vom antiken Erbe aufgenommen hatte, und dem christlichen Westeuropa werden. Allerdings hemmte der Islam die wirtschaftliche Entwicklung des Südens. Und wie die politische Zersplitterung des Nordens stand auch die Vielfalt der Völker, Religionen und Kulturen im wiedereroberten Spanien in einem schroffen Gegensatz zur Idee der Reconquista: zur Idee eines geeinten christlichen Reichs.

Von 1492 bis in die 1970er Jahre
Bei der Wiedereroberung des Südens der Iberischen Halbinsel waren die Grenzen der im Norden und Nordwesten gelegenen Königreiche Aragón, Kastilien und Portugal von Nord nach Süd verlängert worden. Die Halbinsel wurde so politisch dreigeteilt. Zu den drei großen Königreichen kam im Norden noch das kleine, von den Pyrenäen bis zum Oberlauf des Ebro reichende Navarra hinzu.
Große Gebiete des wiedereroberten Südens waren entvölkert. Die neuen christlichen Grundherren übernahmen von den Arabern die extensive Schafhaltung und verkauften die Wolle nach Flandern. Durch die Verfolgung der Moriscos, der Kleinbauern islamischen Glaubens, und der Juden, die in den Städten wirtschaftlich führend waren, wurde die Wirtschaft jedoch weiter geschwächt.
Trotz seiner politischen Zersplitterung, seiner wirtschaftlichen Schwäche und seiner geringen Bevölkerung konnte Spanien im 16. Jahrhundert alle europäischen Mächte überrunden. Dieser erstaunliche Aufstieg wurde möglich, weil sich im Land die Kräfte des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit vereinten: Im Kampf gegen den Islam war der spanische Katholizismus zu einer missionarischen Macht geworden. Der von Ignatius von Loyola (1491-1556) gegründete, überaus strenge Jesuitenorden, dessen Mitglieder wissenschaftlich geschult waren, bildete deren Speerspitze. Während sich in Mittel- und Westeuropa die Reformation ausbreitete, drohten in Spanien den Ungläubigen Inquisition und Vertreibung. Spanien konnte so zum Bollwerk des Papsttums und der Gegenreformation werden.
Den Weg zur politischen Einheit haben Isabella I. von Kastilien (1451-1504) und Ferdinand II. von Aragón (1452-1516) durch ihre Ehe bereitet. Die ihnen nachfolgenden Habsburger Karl I. (1500-1558) und Philipp II. (1527-1598) nutzten die Chance, die ihnen die zunächst nur lockere Verbindung der beiden Königreiche bot. Karl L, als Kaiser Karl V. auch römisch-deutscher Kaiser, konnte den Adel für sich gewinnen, indem er ihm Steuerfreiheit gewährte und ihm in seinen Königreichen hohe Staats- und Kirchenämter öffnete.
Der Aufstieg Spaniens zur stärksten Macht Europas wäre nicht gelungen, wenn nach der Entdeckung Amerikas (1492) durch Christoph Kolumbus die Eroberung Mexikos (1519-1521) und Perus (1531-1533) die spanische Krone nicht in den Besitz großer Mengen von Gold und Silber gebracht hätte. Erst die Schätze der Azteken, Mayas und Inkas und die Ausbeutung der dortigen Erzgruben ermöglichten den Ausbau der Flotte und des Heeres. Mit deren Hilfe konnte Philipp II. Spanien auf den Höhepunkt seiner Macht führen. Madrid, in dessen Nähe Philipp das berühmte Klosterschloss El Escorial errichtete, wurde zum Mittelpunkt seines Weltreichs und Sevilla zum Zentrum des Handels. Der Sieg über die Türken in der Seeschlacht von Lepanto (1571) sicherte die spanische Vorherrschaft im Mittelmeer. Auch Portugal geriet, wenn auch nur für kurze Zeit, unter habsburgische Herrschaft. Mit Cervantes (1547-1616), Calderón (1600-1681), Lope de Vega (1562-1635), El Greco (1541-1614) und Velázquez (1599-1660) erreichten die spanische Literatur und Malerei Weltgeltung.

Dem straff organisierten Herrschaftsgefüge des spanisch-habsburgischen Weltreichs fehlte indes das wirtschaftliche Fundament. Spanien blieb unterentwickelt. Nicht wenige Spanier verließen das ohnehin bevölkerungsschwache Mutterland in der Hoffnung auf einen in den Kolonien rasch zu erwerbenden Reichtum. Die herrschende Klasse regierte und konsumierte was Grundbesitz und Eroberung einbrachten, war wirtschaftlich aber nicht produktiv.
So stießen die Spanier nicht zufällig in den wirtschaftlich mächtigen Niederlanden und vor Englands Küste an die Grenzen ihrer Macht. 1579 sagten sich die niederländischen Nordprovinzen von Spanien los. 1588 unterlag die zur Invasion nach England ausgeschickte spanische Flotte, die Armada, den Engländern, die damit zur führenden Seemacht aufstiegen. Da der spanische König Karl II. (1661-1700) kinderlos starb und den nächst erbberechtigten deutschen Habsburgern von Frankreich die spanische Thronfolge streitig gemacht wurde, kam es zum Spanischen Erbfolgekrieg, der sich zu einem europäischen Krieg ausdehnte. Frankreich konnte die Thronfolge der Bourbonen in Spanien durchsetzen, Gibraltar blieb (seit 1704) in englischer Hand, der größte Teil der spanischen Nebenländer - die Niederlande und Gebiete in Italien - ging verloren.
In Spanien selbst hatte die absolutistische Herrschaft indes bis zur Eroberung des Landes durch napoleonische Truppen (1808) Bestand. Napoleons Sieg schwächte auch Spaniens Kolonialmacht. Anfang des 19. Jahrhunderts verlor es die meisten seiner überseeischen Besitzungen. Im spanisch-amerikanischen Krieg (1898) musste es zuletzt auch Kuba, Puerto Rico und die Philippinen an die USA abtreten.
Das Spanien der nachnapoleonischen Zeit wurde durch wachsende politische Gegensätze gespalten. Weder den Monarchen noch den bürgerlichen Politikern, noch den Generälen gelang es, die auseinanderstrebenden Kräfte wieder zusammenzuführen. Die Gegensätze zwischen Liberalen, ultra-konservativen Rechten, linken Republikanern, Sozialisten und Anarcho-Syn-dikalisten brachen immer wieder auf. Sie. verschärften sich in der von Krisen geschüttelten 2. Republik (1931-1936) bis zum Bürgerkrieg (1936-1939), den die bis in die 1970er Jahre unter General Francos Führung herrschende, nationalistische Rechte gewann.

Spanien

Gesellschaft im Wandel

Richard Ford, ein berühmter Spanienliebhaber im 19. Jahrhundert, sprach von dem Land als "unverändert und unveränderbar". Seit damals haben Reisende gern die Rückständigkeit dieses Landes hervorgehoben, und sogar heute noch gibt es einige, die es im Geist zum Mittelalter zählen. Sie scheinen die Tatsache zu übersehen, dass Spanien sich seit dem Tod von Francisco Franco Bahamonde (1892 - 1975) grundlegender geändert hat als irgendein anderes westliches Land.
Bis in die letzten Jahre der Franco-Diktatur hinein, als der wachsende Tourismus entlang der Mittelmeerküste die Jahrhunderte lange Isolation des Landes beendete, blieb Spanien, fest in der Kontrolle der Armee und der Kirche, ein Land, in dem andersartige Meinungen rigoros unterdrückt wurden. Nach Francos Tod erwarteten nur wenige Positives von seinem persönlich gewählten Nachfolger, König Juan Carlos I. (* 1938). Aber entgegen allen Voraussagen half dieser Mann - von vielen für eine reine Marionette gehalten -, sein Land fast über Nacht zu verändern.

Der vollständige Name von König Juan Carlos I. lautet Juan Carlos Alfonso Víctor María de Borbón y Borbón-Dos Sicilias.
»[...] Damit wird auch schon seine Zugehörigkeit zum Herrscherhaus der Bourbonen, spanisch Borbón, deutlich. Bei dieser Dynastie handelt es sich um eine nach dem Herrschaftssitz Bourbon-l´Archambault, im heutigen Departement Allier, benannte Seitenlinie der Kapetinger. Als Gründer gilt der Graf Ludwig I. von Clermont (1270-1342), ein Enkel Ludwigs IX. von Frankreich, der 1327 zum Herzog von Bourbon erhoben wurde. [...]«
Zitat: www.artikelweb.de, Chronik der Bourbonen

Ein demokratischer Monarch
Im Dezember 1976 wurde das spanische Volk auf Betreiben von Juan Carlos aufgefordert, für oder gegen politische Reformen zu stimmen: die überwältigende Mehrheit war dafür. Die Pressezensur wurde im April 1977 abgeschafft, und zwei Monate später hielt Spanien die ersten allgemeinen Wahlen seit über vierzig Jahren ab.
Unter Spaniens neugewählter Regierung bestätigte eine "demokratische Verfassung" die Rechte aller politischen Parteien, und Francos Name wurde von unzähligen spanischen Straßenschildern entfernt.
Ein ernsthafter Versuch, den Prozess der Demokratisierung aufzuhalten, war ein versuchter Staatsstreich am 23. Februar 1981. Er wurde durch Eingreifen des Königs vereitelt, der dadurch an Anerkennung und Beliebtheit gewann. Seit 1982 wird Spanien von einer demokratischen Regierung - zunächst unter Felipe Gonzáles (* 1942) - geführt.

Spaniens neue Herrscher mussten sich mit zwei Problemfeldern auseinandersetzen, die schon immer Ursache für die lang zurückreichende Geschichte sozialer Unruhen gewesen sind: Landbesitz und regionale Selbstverwaltung. Seit römischen Zeiten sind große Teile spanischer Landstriche in riesige Landsitze aufgeteilt worden, die abwesenden Grundeigentümern gehörten und von schlecht bezahlten Saisonarbeitern bestellt wurden. Spaniens jetzige Regierung hat viele dieser Landsitze übernommen und den Arbeitern größere Sicherheit gegeben, indem sie sie auch während der Monate bezahlt, in denen sie nicht beschäftigt sind. Die Regierung hat zudem Francos Politik der Machtkonzentrierung in der Hauptstadt Madrid sowie das Verbot von Regionalsprachen, wie jene in Katalonien und im Baskenland, aufgehoben. Heute wird Katalanisch und Baskisch in den Schulen unterrichtet; die größeren Regionen haben ihre eigenen Fernsehkanäle, und alle spanischen Regionen haben ihre eigenen Regionalregierungen.

Eine neue Gesellschaft
In den 1960er Jahren und Anfang der 1970er Jahre, als Amerika und das übrige Europa einen gesellschaftlichen Umbruch erlebten, herrschten in Spanien noch ungebrochen die traditionellen sozialen Bindungen und Zwänge. Vor allem Frauen litten im alten Spanien darunter, ans Haus gebunden zu sein und oft nur in Begleitung einer Anstandsdame in männliche Gesellschaft gelassen zu werden. Heute scheint das Land im Gegensatz dazu viele der positiven und angenehmen Seiten der 1960er Jahre zu genießen, wobei sich einige bereits an einer allzu großen Freizügigkeit stören. Tolerantes Verhalten von offizieller Seite, so sagen sie, führe zu einem Anstieg der Bagatellstraftaten, vor allem in Madrid (zu Francos Zeiten war Straßenkriminalität praktisch nicht vorhanden). Andere weisen mit Recht darauf hin, dass Spanien ohne Zweifel lebendiger und optimistischer ist als während der Franco-Diktatur.
Spaniens neu erblühendes kulturelles Leben spiegelt diese Vitalität wider. Während der Franco-Diktatur waren die meisten führenden Künstler und Schriftsteller gezwungen, im Ausland zu arbeiten. Aber jetzt sind sie nach Spanien zurückgekehrt und haben eine Regierung vorgefunden, die die Kunst in einer bemerkenswert großzügigen und vorurteilsfreien Art fördert. Madrid hat mit dem Centro Reina Sofia eines der schönsten Kulturzentren Europas erhalten. Madrid und Barcelona sind als Pioniere in den Bereichen Mode, Design, Architektur und Malerei hervorgetreten. Das Engagement und die Freude, mit denen alle Kunstrichtungen auf die neugefundene Freiheit reagiert haben, war äußerst bemerkenswert. Spanien ist seither zum Zentrum wilden Experimentierens sowie hervorragend aufgeführter traditioneller Schauspiele geworden.

Die europäische Verbindung
Spaniens Verbindung mit dem übrigen Europa ist heute enger als je zuvor, und seit 1986 ist das Land Mitglied in der Europäischen Gemeinschaft bzw. in der EU. In gewissen Dingen ist vielleicht der Wunsch, sich den Gewohnheiten eines modernen Europas anzupassen, zu weit gegangen, wie beispielsweise in dem Versuch, die spätnächtlichen Ess- und Trinkgewohnheiten der Spanier zu beschränken und die dort bisher üblichen Bürozeiten zu regulieren. Für Spanienliebhaber stellt sich inzwischen die Frage, wie weit das Land sich in Europa integrieren kann, ohne seine wunderbare Eigenständigkeit zu verlieren

Spanien

Die Menschen

Spaniens Bevölkerung hat sich seit 1900 mehr als verdoppelt. Sie konzentriert sich vor allem auf die Großstädte und zunehmend auch auf die freundlicheren Küstenregionen. Allein im Großraum Madrid mit fast fünf Millionen Menschen und im Agglomerationsbereich von Barcelona mit rund 1,5 Millionen lebt etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung. Wer dagegen das spanische Binnenland durchfährt, hat oft das Gefühl, ein leeres Land zu durchqueren: Auf langen Strecken gibt es nur weit auseinanderliegende, winzige Dörfer und ab und zu ein kleines Städtchen. Nur 78 Einwohner kommen in Spanien auf den Quadratkilometer, in den ausgedehnten Hochflächen des Landeszentrums sind es - die Region Madrid ausgenommen - weniger als 30.

Internationale Wirtschafts- und Finanzkrise

Spanien hat innerhalb eines Jahres die Hälfte der Arbeitslosen Europa's geschaffen. Zwischen Februar 2008 und Februar 2009 hat die Europäische Union 3 Millionen Arbeitslose geschaffen, die Hälfte davon in Spanien. Zwischen März 2008 und März 2009 verloren 1,9 Millionen Menschen in Spanien ihre Arbeit. Spanien ist mit seinen 4 Millionen Arbeitslosen (17,3%) Spitzenreiter in der Europäischen Union. Daniel Gros, Direktor des Centre for European Policy Studies (CEPS), führt das starke Anwachsen der Arbeitslosigkeit auf den Zusammenbruch der spanischen Bauindustrie und mit ihr verbundene Wirtschaftsbereiche zurück.
Aus: España genera en sólo un año la mitad de los parados de Europa, El País, 26.04.2009

Siehe auch: eSpanien. Politik - Kultur - Sprache

Im November 2009 lag die Arbeitslosenquote in Spanien bei 19,4%. Überboten wurde diese Arbeitslosenquote in der EU nur noch von Lettland mit 22,3%. Siehe: de.statista.com, Saisonbereinigte Arbeitslosenquoten in den Staaten der Europäischen Union im November 2009

Kreditwürdigkeit herabgestuft
Ende Mai 2010 wurde die Kreditwürdigkeit für Spanien von der Ratingagentur Fitch herabgestuft (von AAA auf AA plus).
Droht Spanien ein ähnliches Schicksal wie ► Griechenland ?
2009 stieg die Neuverschuldung auf 11,2 Prozent. Die Gesamtverschuldung lag mit 53,2 Prozent aber weit unter dem EU-Durchschnitt.
Sollte die Durchsetzung angemahnter Reformen scheitern, drohe Spanien ein ähnliches Schicksal wie Griechenland. »[...] Die Auswirkungen für die Euro-Zone wären aber ungleich größer.
Zwar wird sich die Staatsverschuldung nach Berechnung von Fitch Ende 2011 erst bei 70 Prozent befinden, "auf dem gleichen Niveau wie der Durchschnitt der AAA-Länder". Doch schon Ende 2013 könne die Schuldenquote bei über 80 Prozent des BIP stehen, begründete die Ratingagentur ihre Herabstufung. [...]«
Aus: handelsblatt.com, 31.05.2010

Bilderberger
Im Mai 2009 fand das Bilderberger-Treffen in Griechenland statt. Bald darauf eskalierte die Krise in Griechenland. Tagungsort für das Bilderberger-Treffen 2010 ist Spanien (Sitges) (3. bis 9. Juni). Siehe hierzu: alles-schallundrauch.blogspot.com, Bericht über den Tagungsort der Bilderberger, 26. Mai 2010. Themen sind: Griechenland, die EURO-Krise, die Rolle des IWF bei der Krisenregulierung europäischer Staaten sowie das weitere Vorgehen gegen Iran. Siehe auch: americanfreepress.net, James P. Tucker.

Die offizielle Teinehmerliste des Bilderberger-Treffens 2010
Siehe auch: ► muz-online.de, Neue Weltordnung, Illuminati

Spanien benötigt Hilfe aus dem EU-Rettungsfonds
Am 11. Juni 2010 lesen wir dann in den Medien, dass Spanien voraussichtlich Hilfe aus dem erst im Mai beschlossenen 750 Mrd. schweren "EU-Rettungsfonds" (an dem sich Großbritannien natürlich nicht beteiligt) beanspruchen wird - nur wenige Tage nach dem Bilderberg-Treffen in Sitges.
www.tt.com, Pleitegeier kreist über Spanien: Euro-Zone stellt sich auf Zahlungen ein, 11. Juni
Siehe aber auch die Kommentare von Eric Laubach ("German Angst") aus der Financial Times vom 11. Juni, wonach mit einer Staatspleite Spaniens NICHT zu rechnen sei: www.ftd.de, Kommentare

Kontrolle der Medien
Tatsächlich berichteten nur ganz wenige Mainstreammedien über das Bilderberg-Treffen Anfang Juni 2010 in Sitges (Spanien), dies auch nur dahingehend, dass dieses Treffen stattfindet. Inhaltlich wurde jedoch nichts berichtet. Von den großen Nachrichtensendern war außer Charley Skelton ("Guardian") und jemand von "Russia Today" niemand anwesend. Warum wohl ? Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: Wie die Medien Bilderberg verschweigen

Vor allem in den 1960er Jahren, als Spanien einen anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung erlebte, setzte eine große innere Wanderungsbewegung aus den verarmten ländlichen Gebieten in die Industriezentren ein: Architektonisch abstoßende Neubauviertel zeugen in fast allen Großstädten von den oft allzu eilfertig unternommenen Maßnahmen zur Beschaffung von Wohnraum. An vielen Orten wurde durch die damit einhergehende Bauspekulation viel von der alten Substanz der Städte zerstört. Umso mehr Menschen versuchen sich heute im Gefolge der ökonomischen Aufwärtsentwicklung ein Eigenheim in den Außenbezirken der Städte zu sichern. Mit der Verstädterung - in nur 7% der rund 8000 selbständigen Gemeinden leben über drei Viertel der Bevölkerung - ging auch viel vom Eigencharakter der einzelnen Landesteile verloren.
Millionen von Spaniern verließen im 20. Jahrhundert auf der Suche nach reicheren Gefilden als "Gastarbeiter" das Land. Nicht wenige kamen in jüngster Zeit angesichts des Wirtschaftsaufschwungs wieder zurück in ihre angestammte Heimat.
Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt in Spanien höher als in den meisten anderen Ländern Europas: Sie beträgt 82 Jahre für Frauen und 75 für Männer. Dennoch sind die Spanier kein "altes" Volk: Starker Nachwuchs sorgte noch bis vor kurzem für eine Verjüngung der Bevölkerung. Dieses freilich hat sich seit etwa 1980 entscheidend verändert, denn die traditionelle Familie mit ihrer großen Kinderschar erscheint heute mit dem Streben nach Wohlstand und freier Persönlichkeitsentfaltung wie mit der Übervölkerung der Städte nicht mehr vereinbar: Spaniens Frauen bringen heute nur noch durchschnittlich 1,5 Kinder zur Welt.

Die regionalen Volksgruppen
In Spanien, das im Mittelalter aus mehreren Völkern zusammenwuchs, war der Regionalismus immer stark ausgeprägt, und viele der originalen Gebietsteile haben sich auch ihre spezifische Eigenart und ihre Traditionen bewahren können.
Deshalb sind jedoch noch lange nicht alle Galicier zurückgebliebene Kleinbauern oder auch gelehrte Poeten, ebensowenig wie alle Basken gute Köche oder fanatische Bombenleger sind, wie es nach den gängigen Einstufungen scheinen möchte. Auch sind nicht alle Katalanen Geizkragen oder auch nur tüchtige Geschäftsleute. Zwar sind viele Andalusierinnen "glutäugig", wie andere Spanierinnen auch - mit Ausnahme eines beachtlichen Anteils an blauäugigen Blondinen von der Nordküste. Und es sind nicht alle Andalusier Stierkämpfer und Flamenco-Tänzer oder verträumte Phantasten: Die "verträumten" Herumsteher auf den Marktplätzen der andalusischen Landstädte sind meist Tagelöhner, die auf eine Gelegenheit für einen bescheidenen Verdienst warten.

Die neuen Regierungen seit 1975 mussten nach dem rigorosen Zentralismus der Franco-Zeit den Eigenarten der "Völker" an der Peripherie des Landes mit der Gründung von autonom verwalteten Regionen Rechnung tragen. Vor allem die Gebietsteile mit ursprünglich eigenen Sprachen hatten eine solche Autonomie verlangt - oder gar ihre Unabhängigkeit. Und allein durch den Terror der baskischen Separatisten der ETA - die Abkürzung steht für "Baskenland und Freiheit"- kamen bisher rund 850 Menschen ums Leben. Nicht konfliktfrei, aber doch zunehmend erfolgreich, ist heute die Wiedereinführung der Regionalsprachen, deren Gebrauch während des Franco-Regimes verboten war.Vor allem das schon immer weitverbreitete Katalanische hat sich wieder durchgesetzt. Doch auch das schwierige Baskisch findet zunehmend Anhänger, während das dem Portugiesischen verwandte Galicische, das in vergangenen Jahrhunderten die Sprache der Poeten war, trotz aller Sprachpflege eher nur als Volksdialekt weiterexistiert.

Kommt auch das Arabische wieder auf, das während der Maurenherrschaft zum Kastilischen einen guten Teil seiner Vokabeln beitrug? Heute leben wieder Zehntausende von Arabern - vor allem aus Marokko - in Spanien, wenn auch meist als illegale Einwanderer. Immerhin stellen sie einen beachtlichen Anteil unter den Hunderttausenden von Fremden, die mit oder ohne gültige Erlaubnis im Land weilen und unter denen besonders die Souvenirhändler aus Schwarzafrika auffallen. Genaue Zahlen gibt es nicht. 1999 hatten sich rund 460.000 Ausländer mit offizieller Aufenthaltsgenehmigung niedergelassen.

Im Jahr 2003 waren es bereits 1.646.011 (siehe: Steiler Anstieg der Zuwanderung in Spanien), deren Zahl sich bis 2007 noch einmal verdreifacht hat (siehe: Jeder Neunte in Spanien ist Ausländer).

Allah wartet auf Europa

Wichtig sind dabei für Spanien die Tausende von Technikern und Managern, die für Firmen aus der EU oder auch aus Japan und den USA arbeiten. Auch einige tausend amerikanische Soldaten sind im Land stationiert. Hinzu kommt eine wachsende Zahl von mehr oder weniger wohlhabenden Rentnern und "Aussteigern", die in den Feriensiedlungen für den größeren Teil des Jahres einen Platz an der Sonne sucht.

Spanien

Die Fiesta

Der Tourist, der Spanien zum ersten Mal besucht, wird sicherlich über den unersättlichen Hunger des Landes nach Festen, den "Fiestas", erstaunt sein, die sich durch einen Grad von Ausgelassenheit auszeichnen, der in anderen europäischen Ländern nicht seinesgleichen findet. Sie sind seit langem Bestandteil des spanischen Lebens, und Richard Ford, ein Engländer, der das Land in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts bereiste, stand nicht allein mit der Frage, wie es den Spaniern gelingt, ihren Lebensunterhalt zu erwerben, da "jeder Tag ein Feiertag zu sein scheint".
Über das ganze Jahr hinweg findet irgendwo in Spanien ein größeres Fest statt. Die Eigenarten dieser Feste unterscheiden sich jedoch regional beträchtlich: Die Fiestas von Katalonien und Valencia zeichnen sich durch unzählige Feuerwerke und Freudenfeuer aus; in Andalusien, im Süden, wirbeln die Pünktchenkleider zum Klang der Kastagnetten und Gitarren. Andalusien ist wohl Spaniens festseligste und, in mancher Hinsicht, "typischste" Region.
Der jährliche Reigen spanischer Feste beginnt im Februar mit Karnevalsveranstaltungen in vielen Städten, vor allem in der andalusischen Hafenstadt Cádiz. Hier sind die Straßen voller bunt kostümierter Menschen, die historische Ereignisse auf humorvolle Weise nachspielen. Ihr Humor ist meistens von Respektlosigkeit gegenüber der Obrigkeit gekennzeichnet. Es kann daher nicht überraschen, dass Karnevalsveranstaltungen während der Zeit der Franco-Diktatur gänzlich verboten waren.

Die Karwoche
Fröhlichkeit und Ausgelassenheit der Karnevalsveranstaltungen weichen zu Ostern den eher ernst begangenen Feierlichkeiten der "Semana Santa" (Karwoche). In Spaniens Karprozessionen - den bekanntesten und eindrucksvollsten in Europa - kommen in der Feier vom Tod und der Auferstehung des Herrn und dem Leiden der Jungfrau Maria deutlich die frohen und düsteren Züge des spanischen Wesens zum Vorschein.
Diese Feiern sind allerdings regional recht unterschiedlich, doch zieht bei den meisten eine lange Reihe von "Büßern" mit: Männer und Knaben in Umhängen und spitzen Hüten, ähnlich denen des Ku-Klux-Klan in Amerika. Einige dieser Büßer nehmen aus aufrichtiger Bußfertigkeit teil, barfuß und mit schweren Kreuzen beladen (früher trugen sie sogar Ketten und geißelten sich); andere hingegen gehen einfach aus Spaß an der Verkleidung mit. Feinere Details der Karprozession, wie die genaue Art der Kleidung oder des Tragens eines der Heiligenbilder, mögen dem Touristen wenig bedeuten; die reine Freude am Schauspiel jedoch und die Verwandlung einer ganzen Stadt in ein riesiges, mit Tausenden von Darstellern bevölkertes Bühnenbild wird aber immer einen bleibenden Eindruck beim Betrachter hinterlassen.
In Sevilla, wo die Karwoche prächtiger als an jedem anderen Ort Europas begangen wird, ist Ostern erst mit dem Beginn der Feria vorüber. Sevillas Feria - die berühmteste Spaniens - geht auf einen mittelalterlichen Pferde- und Viehmarkt zurück. Heute ist sie eine einwöchige Festivität, die in farbenprächtigen Zelten stattfindet. Die Frauen Sevillas, die sich seit alters benachteiligt fühlen, da es ihnen nicht erlaubt ist, während der Karwoche Büßer darzustellen, putzen sich mit farbenfrohen Flamenco- oder Zigeunerkostümen heraus, zu denen lange Schleppen, kleine Punktmuster und Seidenschals gehören. In den Zelten reißen Gesang und Tanz nicht ab, wobei reichlich Sherry getrunken wird. Trotzdem wird man kaum Grobheiten erleben, da man in Sevilla der Meinung ist, dass Frohsinn und gutes Benehmen einander nicht ausschließen.

Der Stierkampf
Ein wichtiger Bestandteil der Feria in Sevilla ist der Stierkampf, eine Veranstaltung, in der die spanische Liebe zum Ritual überdeutlich hervortritt. Viele Ausländer, wie der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway, waren und sind von der Schönheit dieses Schauspiels, von dem Wagemut und der Gewandtheit seiner Akteure begeistert; eine gleichgroße und auch steigende Zahl von Spaniern verurteilt ihn als rohe Schlächterei und fordert seine Abschaffung. Die Hauptanziehungskraft des Stierkampfs beruht auf dem Gepränge und den Ritualen des Ereignisses, dem Treiben auf den Rängen, der Farbenpracht der Kostüme und dem Spiel der Kapelle während der Höhepunkte. Zuweilen jedoch gibt es Momente von reinem, unerklärlichem Zauber, wenn der Matador, dessen Aufgabe es ist, den Stier zu töten, eine außergewöhnlich elegante oder wagemutige Bewegung ausführt und dabei das Publikum begeistert.

»Warum nur sind Menschen bereit, Tiere sinnlos zu quälen? Es sind aber nicht nur Stiere, die in Spanien unvorstellbare Qualen erleiden müssen. So sagt z.B. eine Statistik aus, dass alle 18 Minuten ein Greyhound getötet wird.
Die typischen spanischen Windhunde, wie z.B. der Galgo Espanol oder Podenco, die jedes Jahr zu Tausenden für die Hasenjagd produziert werden, werden in der Regel nach 3-4 Jahren ausrangiert. Und das bedeutet, dass die Tiere getötet werden. Eine sehr alte Tradition ist das Aufhängen der Hunde. Die Hinterläufe berühren dabei den Boden, so dauert der Todeskampf manchmal mehrere Tage. Übersetzt ins Deutsche heißt die Tradition "Klavierspielen". [...]«
Aus: derwesten.de, Leben und Sterben der Windhunde, 16.10.2008

Siehe auch: sos-galgos.net, Die dunkle Seite Spaniens, 22.4.2009

El Camino del Rey - Der Königsweg

Dieser Weg - einer der gefährlichsten der Welt - befindet sich im bekannten Bergsteigergebiet von El Chorro, in Andalusien. Der von Arbeitern gebaute Weg verbindet den Chorro mit den Gaitanejo Fällen und diente als Transportweg.


Pilgerreise in die Vergangenheit
Von allen Festen Spaniens ist vermutlich die Pilgerfahrt nach El Rocío das bemerkenswerteste. Sie findet zu Pfingsten statt, nur kurze Zeit nach der Feria von Sevilla. El Rocío, ein einsam gelegener Weiler, etwa 96 km von Sevilla entfernt, liegt an einem Ort, an dem im Mittelalter ein wundertätiges Bild der Jungfrau Maria zum Vorschein gekommen sein soll. Noch früher scheint die Gegend bereits Zentrum eines Fruchtbarkeitskultes gewesen zu sein. Heute reisen Pilger in Flamencokostümen aus allen Teilen Spaniens nach El Rocío, wobei viele ihre Habseligkeiten in ochsenbespannten Wagen transportieren, die denen des amerikanischen Wilden Westens gleichen.
Die Festlichkeiten weisen Züge sowohl der Karwoche als auch der Feria auf und vereinen harmonisch religiöse und weltliche Elemente. Hier verlässt man die alltägliche moderne Welt, um in einer unvergleichlichen Dünen- und Marschlandschaft eine schlaflose Woche voll ununterbrochener Aktivität zu erleben. So ist es denn schwer, nach solch einer Erfahrung zur Realität zurückzufinden.
Zum Glück für die Freunde der Fiesta lässt Spanien wenig Zeit zu ernsthafter Reflektion. Jetzt kommen die Sommermonate und mit ihnen viele Festveranstaltungen im ganzen Land. Kein Wunder, dass die Spanier manchmal von dem Gefühl beschlichen werden, zu ihrem Vergnügen zu leiden.

Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 2, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.1306 f.

 Spanien - Literatur



www-Links



Andalusien, ein Reisebericht mit Fotos
Spanien: Drogen-Konsum auf den Kanaren weit über dem spanischen Durchschnitt (12/2008)
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