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Hauptstadt: Bagdad
Fläche: 438.317 km²
Landesnatur: Im N und NO Bergland, im W und SW welliges Tafelland, dazwischen das Tiefland Mesopotamien
Klima: Subtropisches, großenteils wüstenhaftes Klima
Höchster Punkt: Keli Haji Ibrahim 3.609 m
Hauptflüsse: Euphrat, Tigris, Kleiner Zab, Großer Zab
Einwohner: 22.450.000 (1999); 26.074.906 (geschätzt Juli 2005)
Bevölkerungsdichte: 51 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 77% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 41% (1999)
Analphabetenquote: 43% (1999)
Sprache: Arabisch, Kurdisch (als Amtssprache im kurdischen Selbstverwaltungsgebiet)
Religion: Moslems 97% (über 60% Schiiten, 32-37% Sunniten), Christen 2,7%
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Das Gebiet des heutigen Iraks umfasst eines der ältesten Siedlungsgebiete der Menschheit und war schon im Altertum eine Brücke zwischen Europa und Asien. Das eigentliche Geheimnis für die seit Jahrtausenden immer wieder hier entstehenden Hochkulturen sind die Flüsse Euphrat und Tigris, die wie Lebensadern das Land durchziehen und Irak auch den Namen Zweistromland gaben. Euphrat und Tigris bilden auch heute noch die Grundlage für die Entwicklung Iraks. Die von den beiden Strömen eingeschlossenen Gebiete umfassen das alte Mesopotamien, das in der Antike Kernland mehrerer Großreiche war. |  |
Erdölfunde zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben bedeutende Veränderungen eingeleitet und Irak zu einem bedeutenden Wirtschafts- und politischen Faktor der arabischen Welt gemacht. Dabei ist das Erdöl Segen und Fluch zugleich. Denn die Petrodollars wurden nicht nur zum Kauf von Maschinen und Rohstoffen, sondern auch zur Anschaffung eines großen Waffenarsenals genutzt. Im September 1980 marschierten irakische Truppen nach Iran ein. Acht Jahre Kämpfe im sogenannten ersten Golfkrieg führten zu einem Rückschlag in den Bemühungen, Wirtschaft und Gesellschaft zu modernisieren.
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Marschland. 1989.
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Marschland. 1989.
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Marschland. 1989.
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| Mesopotamien
Mesopotamien (griechisch "Land zwischen den Strömen"), die Großlandschaft zwischen den gewaltigen, träge dahinfließenden Flüssen Tigris und Euphrat, liegt im Nahen Osten. Diese, für Touristen zunächst nicht sonderlich interessante, aride, von der Sonne ausgedörrte Region war Schauplatz eines der möglicherweise bedeutendsten Ereignisse der Weltgeschichte: der Entstehung der ersten Städte. Im Frühjahr lässt die Schneeschmelze im Hochland von Iran Euphrat und Tigris über die Ufer treten. Das Marschland im südlichen Irak ist das Resultat der jahrhundertelangen, von den beiden historischen Flüssen verursachten Überschwemmungen. Vor mehr als 8000 Jahren wanderten hellhäutige, dunkelhaarige Menschen von den iranischen Ebenen ein und ließen sich im äußersten Süden nieder. Dort errichteten sie Schilfgrashütten, bauten Kanus und lebten vom Fischfang. Dies war das Volk der Sumerer.
Sie fanden ihre erste Heimat in der Deltaregion des Shatt Al Arab, einer bedeutenden Schiffahrtsstraße, die am Zusammenfluss von Euphrat und Tigris oberhalb von Basrah beginnt. Dieses Marschland hat eine Fläche von 15.500 km² und ist damals wie heute eine permanente Moorlandschaft, deren Vegetation hauptsächlich aus einem Schilfgras besteht, das "qasab" genannt wird und bis zu 7,6 m hoch werden kann. Die saisonalen Sumpfgebiete der Region, die im Herbst und Winter trockenfallen, sind mit Binsen bewachsen. Die Überschwemmungen des Frühjahrs erreichen Wüstengebiete, die mehr als 320 km entfernt sind. |
In den Sumpfgebieten errichteten die Sumerer zunächst Pfahlhäuser. Bald lernten sie jedoch Bewässerungsgräben und -kanäle zu bauen, mit denen sie Wasser in Gebiete in größerer Entfernung der Flussläufe leiten konnten. Die Errichtung komplexer Bewässerungssysteme setzte die Zusammenarbeit von Menschen in größeren Gemeinschaften voraus und die Arbeitsteilung bedeutete, dass ein gewisser Grad der Spezialisierung erreicht wurde. Reiche Ernten befreiten viele Sumerer von der Arbeit in der Landwirtschaft und ermöglichten die Entwicklung neuer Technologien. So entwickelten Astronomen einen zuverlässigen Kalender und die Töpferscheibe sowie - die wohl wichtigste Leistung - die Schrift wurden erfunden. |
Um 3000 v. Chr. gab es mehr als ein Dutzend blühender sumerischer Städte mit jeweils mehreren tausend Einwohnern. 500 Jahre später lebten 80% der nun etwa 500.000 Sumerer in Städten. Kriege zwischen den Stadtstaaten führten jedoch schließlich zum Untergang der sumerischen Hochkultur. Vor über 4000 Jahren, nach jahrhundertelangen Kämpfen zwischen den Städten, drangen semitische Nomaden, die Akkader, in Mesopotamien ein. Sie überrannten die alten sumerischen Stadtstaaten und errichteten ihre Hauptstadt Babylon. Das Land wurde 728 v. Chr. von den Assyrern und zwei Jahrhunderte später von den Persern erobert. Die Dynastie der Abbasiden verlegte im 8. Jahrhundert n. Chr. die moslemische Hauptstadt von Damaskus an den Tigris, nach Bagdad. Im 13. Jahrhundert fielen die Mongolen ein. Ihre unbesiegbaren Armeen zerschmetterten die Abbasiden und zerstörten Bagdad. |  |
Die jahrhundertealten Bewässerungssysteme verfielen und das große Binnendelta versumpfte. Regionen, die vormals durch intensive Bewirtschaftung und eine berühmte städtische Kultur gekennzeichnet waren, verödeten und wurden von arabischen Nomaden als Viehweiden genutzt. |
 | Die Sümpfe waren im Verlauf der Geschichte ein Ort gewesen, an dem viele Menschen auf der Flucht vor ihren Feinden Schutz suchten. Nun wurden sie zum Bollwerk der Zanj. Als Sklaven hatten die Angehörigen dieses Volks einst die Sümpfe um Basrah trockengelegt. Im 14. Jahrhundert retteten die Bani-Malik-Stämme den Sohn eines ihrer Wohltäter und gewährten ihm Obdach. Als er erwachsen war, kehrte er an den Euphrat zurück, besiegte seine Feinde und gründete das große Stammesbündnis, das sich unter den Osmanen zu einem selbständigen Staat entwickelte.
In unserer Zeit haben die Schriften des englischen Reisenden Wilfred Thesiger zur Berühmtheit des Marschlandes beigetragen. Als Freund eines lokalen Clanführers kam er bei seinem ersten Besuch mit einem Kriegskanu in die Sümpfe. Seine Eindrücke hat er in bewegenden Worten beschrieben: den Ruf der Gänse, die sich in einem feierlichen Zug bewegenden Kanus, die hinter dem Rauch brennenden Schilfs untergehende Sonne, die schmalen Wasserwege, die sich durch die Sümpfe schlängeln. |
Er erinnert sich an die Schilfgrashütten, die schwarzen, triefend nassen Büffel, das Spiegelbild des Sternenhimmels im dunklen Wasser, an die Kanus, die abends nach Hause kommen - "die Stille einer Welt, die keine Motoren kennt". Bis heute hat sich hier wenig verändert.

Landesnatur
Die von Euphrat und Tigris eingeschlossenen Gebiete Mesopotamiens bilden auch heute noch das Kernland Iraks. Aus dem Flugzeug sind die bewässerten Grünzonen rechts und links der beiden Flüsse und die großen Ballungsräume gut zu erkennen: Im Norden - etwa 100 km von der syrischen und türkischen Grenze entfernt - die Stadt Mosul mit über einer halben Million Einwohner, in der Mitte des Landes die Hauptstadt Bagdad mit ihrer Viermillionen-Bevölkerung (1999) und im Süden am Shatt Al Arab die über 600.000 Bewohner zählende alte Handels- und Hafenstadt Basrah.
Da die jährliche Regenmenge im Bereich der Flüsse nur in Ausnahmefällen für die Landwirtschaft ausreicht, werden diese Gebiete seit dem Altertum bewässert. Die Palmenhaine und Zitrusgärten östlich von Bagdad waren bereits in der frühislamischen Zeit berühmt. Auf dem Wege von Bagdad zur iranischen Grenze sind in der Stadt Kut al Amara (Al Kut) noch heute die alten Wasserräder am Tigris zu besichtigen. Auch dort werden auf beiden Seiten des Flusses, wie in alten Zeiten, Obst und Gemüse angebaut. Die Bewässerung reicht jetzt tiefer in die Trockengebiete hinein, nachdem alte Kanalsysteme durch moderne Betonkanäle ersetzt und erweitert worden sind. Weizenfelder und Großplantagen, auf denen vor allem Arbeiter aus Ägypten beschäftigt sind, können so berieselt werden.
Folgt man den Flussläufen südlich von Bagdad, werden immer mehr Gärten von den Wäldern mit Dattelpalmen abgelöst. Irak ist seit Jahrhunderten für die hohen Bäume bekannt, in deren Wipfel im Herbst die Früchte reifen. Rund 55% aller Datteln auf dem Weltmarkt stammten vor dem internationalen Wirtschaftsembargo aus Irak.
Oft ist der Übergang in die Wüste abrupt. Manchmal beginnt das riesige Trockengebiet, das im Süden bis nach Saudi-Arabien und Kuwait und im Westen bis nach Syrien und Jordanien reicht, direkt an den Ufern des Euphrat. Fährt man auf den alten Pisten oder den in den vergangenen Jahren gebauten Autobahnen durch diese Region, trifft man nur selten auf Dörfer oder kleine Städtchen.
Tagsüber ist die Hitze in diesem Teil Iraks erbarmungslos. Im Sommer weicht an einigen Stellen der Belag der Straßen auf unter dem Druck der Reifen von Tausenden von Lastwagen, mit denen Erdöl exportiert und alle Arten von Waren importiert werden. |
 | Aber auch diese Wüste lebt. Die geringen Niederschläge im Frühjahr lassen Blumen sprießen und vereinzelte Sträucher blühen. Abends sieht man immer wieder kleine Feuer am Horizont. Das sind nicht nur Fahrer, die neben ihren großen Lastwagen auf offenem Feuer Tee kochen, sondern vor allem die Beduinen. Viele von ihnen ziehen noch wie vor Hunderten von Jahren von Wasserstelle zu Wasserstelle durch die Wüste. Einige von ihnen sind sogar immer noch staatenlos, da die Weidegründe ihrer Schafherden in verschiedenen Ländern liegen. Kamele tragen nur noch selten die Zelte auf dem Weg zum nächsten Lagerplatz. Die Beduinen transportieren stattdessen ihr Hab und Gut inzwischen auf kleinen Lastwagen. Aber die Wanderwege der Bewohner der Wüste sind über die Jahrhunderte hinweg zumeist die gleichen geblieben. Diese Ureinwohner Arabiens durchziehen - je nach der Jahreszeit - ein Gebiet von Syrien bis Kuwait. |
So heiß und trocken es in den Wüsten im Westen und Süden Iraks ist, so kalt und nass kann es in den Bergregionen im Nordosten des Landes werden. In diesen Gebieten schneit oder regnet es im Winter häufig. Die Landschaft erinnert vielfach an die Alpen. Bis tief in das Frühjahr hinein tragen Gipfel der bis über 3600 m hohen Bergketten Schnee. Ganze Täler sind im Winter oft wochenlang mit Fahrzeugen nicht mehr zu erreichen. Hier befinden sich die Zentren von seit Jahrzehnten gegen die Regierung in Bagdad kämpfenden Kurden. Jahrhundertealte Sitten und Gebräuche der kurdischen Stammesgesellschaft haben noch heute Geltung. Wasserfälle, Wälder mit Walnussbäumen und kalte Quellen verleihen diesem Gebiet im nordöstlichen Irak einen besonderen Reiz. Auf Hochebenen und an Stauseen sind in den 1970er Jahren Feriendörfer entstanden. Und die abseits gelegenen Täler, die früher nur nach tagelangen Wanderungen mit Mulikarawanen erreichbar waren, können heute problemlos mit dem Auto angefahren werden.
Ein völlig anderes und wohl einmaliges Szenarium eröffnet sich im irakischen Süden. Nahe des Zusammenflusses von Euphrat und Tigris zum Shatt Al Arab erstrecken sich riesige Sumpfgebiete, die durch den Rückzug des persischen Golfs Richtung Süden entstanden sind. Wie in den Tagen vor der Zeitenwende fahren die Menschen dort mit Einbäumen von einer Siedlung zur anderen. Schilfhütten auf kleinen Erhebungen wirken wie vereinzelte Inseln in den Sümpfen, deren Wasserflächen und Schilfpflanzen sich bis zum Horizont erstrecken. Dort blühen im Frühjahr exotische Blumen und im Herbst machen Wandervögel Station.
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Die Bewohner jagen Fische wie ihre Vorfahren mit einem Fünfzack oder fangen sie mit Netzen. Noch in den 1970er Jahren steuerten viele Männer unbekleidet ihre schmalen Einbäume durch das endlose Kanalsystem, das die Schilfregion durchzieht.
Aber dieses Idyll am Rande der Wüste ist in Auflösung begriffen. Dämme wurden aufgeschüttet und Straßen durchziehen bereits Teile der Wasserwildnis. Zudem fressen sich die Trockengebiete immer weiter in den Sumpf vor, da nicht mehr so viel Wasser wie in der Vergangenheit aus Euphrat und Tigris nachströmt, seitdem hoch oben im Norden immer größere Mengen in Stauseen aufgefangen werden.

Geschichte und Kriege
Schon im 4. Jahrtausend v.Chr. wurde Mesopotamien von den Sumerern besiedelt, deren kulturhistorisch herausragende Leistung die Erfindung der Keilschrift war. Zwar haben in diesem Gebiet schon in der Altsteinzeit - also vor 100.000 Jahren - Menschen gelebt, aber die den Sumerern folgenden und für die Menschheitsgeschichte bedeutenden Hochkulturen der Babylonier und Assyrer hatten ihre Blüte in den zwei Jahrtausenden vor Christi Geburt.
Babylon, die Hauptstadt des Babylonischen Reiches mit den in der Antike zu den sieben Weltwundern gezählten "hängenden Gärten", lag hundert Kilometer südlich von Bagdad und war ein Zentrum der Wissenschaft, in dem Architektur, Bildhauerei, Mathematik und Geometrie aufblühten. Lag Babylon südlich von Bagdad, so war der nördliche Teil Mesopotamiens das Kerngebiet der Assyrer mit den meisterlich erbauten Städten Assur, Ninive und Nimrud.
In den Jahrhunderten vor und nach Christi Geburt drängten zuerst die Griechen und später die Römer die mesopotamischen Hochkulturen zurück. Alexander der Große (356-323 v.Chr.) starb sogar in Babylon. Nach wechselvoller Herrschaft - die Parther seit 141 v.Chr., die persischen Sassaniden seit 226 v.Chr. - gelang es den Arabern zwischen 635 und 642, das Reich zu erobern. |
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Bagdad wurde im 8. Jahrhundert zur Hauptstadt des jungen islamischen Weltreiches. Während der Herrschaft des Abbasidenkalifen Harun al-Rashid (763 oder 766-809) fand das Zweistromland zu einer neuen Hochblüte von Wissenschaft und Kultur. Die Herrschaft der Abbasiden fand ihr Ende mit der Eroberung und Zerstörung Bagdads durch die Mongolen im 13. Jahrhundert. 400 Jahre später wurde Mesopotamien von den Türken erobert.
Der Staat Irak hat eine kurze, aber ebenfalls wechselvolle Geschichte. Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches Ende des Ersten Weltkrieges entstand unter britischer Bevormundung 1921 ein irakisches Königreich, das 1932 selbständig wurde.
1958 stürzten nationalistische Offiziere König Faisal II. (1935-1958) und ergriffen die Macht. Sie verkündeten eine Bodenreform und erließen ein Gesetz zur Gleichstellung der Frau. Die Ausrufung der Republik brachte Irak jedoch keine innere Ruhe, sondern leitete eine Periode von Putschen und Aufständen ein. |
Einsatz von Uran-Munition
Fast ein Drittel aller Kinder werden mit genetischen Defekten geboren... Von 500.000 US-Soldaten, die im Golfkrieg 1991 kämpften, sind 30.000 bereits tot und 320.000 krank.
40 Tonnen Uranmunition können laut einer britischer Studie zum schleichenden Tod von 500.000 Menschen führen. Im letzten Golfkrieg fielen in einer Woche 2400 Tonnen abgereichertes Uran auf Bagdad...
Diese "Superwaffe" des Militärs durchschlägt nahezu alles, die Dichte von Uran ist fast dreimal so hoch wie die von Stahl. Überall, wo diese Waffen zum Einsatz kommen, wird die Gegend jedoch zur Todeszone, das Kriegsgebiet bleibt für alle Zeit verseucht. Die Gefährlichkeit von Uranmunition wird vom Militär negiert.
21 Staaten sollen Uranmunition besitzen und einsetzen. Ende 2008 sollte in der Vollversammlung der Vereinten Nationen (UN) über eine Ächtung des Einsatzes von Uranwaffen als Kriegsverbrechen entschieden werden. Sie scheiterte am Widerstand von sechs Staaten: Tschechien, Niederlande, Frankreich, Großbritannien, Israel, USA.
Siehe auch alles-schallundrauch.blogspot.com vom 24. Juli 2010:
Britischer Verteidigungsminister bestätigt Einsatz von Uranmunition im Irak
► Teil 1 ► Teil 2 ► Teil 3 ► Teil 4
► Teil 5 ► Teil 6 ► Teil 7 ► Teil 8 ► Text (Frieder Wagner)
Der Film "Todesstaub" (Deadly Dust) wurde auf der Berlinale 2007 als bester Dokumentarfilm für "Cinema for Peace" nominiert.
1968 übernahm die Baathpartei die Macht. Diese ursprünglich in Syrien gegründete Partei verfügte in Irak über eine starke Untergrundorganisation. Die Baathisten begannen mit der systematischen Modernisierung des Landes, verstaatlichten 1972 die Erdölindustrie und orientierten sich außenpolitisch am Ostblock. Ende der 1970er Jahre gab es einen gewaltigen Wirtschaftsboom, der nach Ausbruch des Kriegs gegen Iran ein jähes Ende fand.
Irans Revolutionsführer Ayatollah Chomeini (1902-1989) hatte nach dem Sturz des Schahs 1979 begonnen, gegen die Regierung in Bagdad zu agitieren. Nach mehreren Anschlägen proiranischer Attentäter in Bagdad und kleineren Gefechten an der Grenze marschierte die irakische Armee 1980 in Iran ein. Die historische Feindschaft zwischen Irak und Iran war wieder aufgebrochen. Statt des von der Führung in Bagdad erhofften schnellen militärischen Sieges erstreckten sich die Kämpfe über acht Jahre. Erst 1988 wurde ein Waffenstillstand geschlossen.
Im August 1990 besetzte Irak das reiche Emirat Kuwait, was jedoch zu einer Niederlage Iraks gegen eine internationale militärische Allianz unter Führung der USA führte ("Operation Wüstensturm").
Bagdad musste sich nun verpflichten, alle von der UNO beschlossenen Resolutionen (u.a. Rückzug aus Kuwait, Reparationen, Verzicht auf ABC-Waffen und Duldung von Inspektionen) zu erfüllen. Aufstände schiitischer und kurdischer Widerstandsgruppen konnte die irakische Armee gleichwohl niederschlagen. Um die Sicherheit der Kurden und Schiiten zu gewährleisten, errichteten die Alliierten im Norden und Süden des Landes Schutz- bzw. Flugverbotszonen. Die ökonomischen Probleme verstärkten sich durch anhaltende Sanktionen der UNO. Trotzdem gelang es Saddam Hussein, ab 1979 an der Spitze von Einheitspartei und Staat, jegliche Opposition zu unterdrücken und seine Machtstellung im Innern zu behaupten und die außenpolitische Isolation Iraks allmählich aufzubrechen. Immer wieder versuchte er auch, die vollständige Erfüllung der UNO-Resolutionen zu hintertreiben, insbesondere in der Frage der Inspektion von Waffenarsenalen und der zahlreichen Präsidentenpaläste. Wiederholt kam es deswegen zum Streit mit den USA.
Mit George W. Bush als Präsident der USA eskalierte die Situation aufs Neue. Obwohl sich die Mehrheit der im Weltsicherheitsrat vertretenen Nationen gegen einen Irak-Krieg aussprach, begannen in der Nacht zum 20. März 2003 die USA und Großbritannien den Angriff auf Irak. Bush gab den Befehl zum Angriff. Begründungen für den seit 2001 geplanten Angriff gegen Irak waren zunächst die mutmaßliche Unterstützung des Terrorismus (Verbindung zu Al Kaida) und der vermeintliche Besitz von Massenvernichtungswaffen, von denen sich die USA und ihre Verbündeten bedroht sahen. Um 3:35 Uhr heulten in Bagdad die Luftschutzsirenen, die ersten Marschflugkörpern schlugen ein. Die "Operation Iraqi Freedom" hatte begonnen.
Im Zuge der Besetzung Iraks durch US-amerikanische Truppen sowie unterstützende multinationale Streitkräfte, wurde Saddam Hussein entmachtet und am 13. Dezember 2003 in Haft genommen. Saddam Hussein wurde der irakischen Gerichtsbarkeit übergeben. Das Verfahren gegen ihn umfasste unter anderem die Vorwürfe des Kriegsverbrechens und des Verbrechens gegen die Menschlichkeit.
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Am 5.11.2006 wurde Saddam Hussein (Foto) zum Tode verurteilt. Das Sondertribunal in Bagdad befand ihn im Prozess, in dem ein im Jahr 1982 verübtes Massaker an 148 schiitischen Dorfbewohnern im Mittelpunkt stand (durchgeführt nach einem gescheiterten Attentat gegen Saddam), für schuldig. "Das Gericht hat entschieden, Saddam Hussein al-Madschid wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit dazu zu verurteilen, gehängt zu werden, bis der Tod eintritt".
Der Appell des früheren Machthabers, nicht durch den Strang sondern durch Erschießen zu sterben, hatte der Richter in seinem Urteil nicht berücksichtig. | 
Saddam Hussein vor Gericht |
Am 30. Dezember 2006 gegen 6 Uhr Ortszeit (4 Uhr MEZ) wurde das Urteil vollstreckt. Einigen Berichten zufolge habe es sich bei dem Hingerichteten um einen Doppelgänger Saddam Husseins gehandelt.
Umgerechnet rund 300 Millionen USD irakischen Geldes hat Saddam Hussein veruntreut und in der Schweiz angelegt. Dieses Geld werde spätestens Mitte Juni 2008 an einen Irak-Aufbaufonds überwiesen.
Im Jahre 4 nach der Invasion sind immer noch etwa 200.000 multinationale Soldaten im Land, davon rund 160.000 US-amerikanische. An die 30.000 Söldner ("Blackwater"), die zum Teil im Auftrag der in Irak opperierenden Ölfirmen im Einsatz sind, stellen den zweitgrößten Posten dar. Im Jahre 4 nach der Invasion herrscht noch immer tödliches Chaos im Land - und eine Besserung ist nicht in Sicht. Ein paar Tausend gefallene Soldaten und Zehntausende zivile Opfer forderte der Krieg bisher - abgesehen von den Hunderttausenden Menschen, die ihr Land verlassen haben oder sonstwie auf der Flucht und ohne Perspektive sind - und abgesehen von den vielen Milliarden US-Dollar, die der Krieg den multinationalen Streitkräften bisher kostete. Täglich wird das Land von sich gegenseitig bekämpfenden politischen und religiösen Gruppen terrorisiert. Die irakische Regierung hat praktisch keine Macht. Statt dessen diktieren schiitische wie sunnitische Milizen, Terroristen und bewaffnete Banden das Geschehen im Irak. Das sicherste Gebiet in Irak ist das Gebiet der Kurden im Norden des Landes. Kurdistan, ein möglicher Gewinner des Irak-Krieges, versucht immer stärker seinen Autonomieanspruch durchzusetzen.
Mehr zum Irak-Krieg erfahren Sie hier:
FÜNF JAHRE IRAK-KRIEG: Chronik eines umstrittenen Feldzugs
wikipedia: Irakkrieg
Irakkrieg: Massenvernichtungswaffen oder Erdöl ? - 30. Juni 2009: »[...] Fast vier Jahrzehnte, nachdem Saddam Hussein 1972 die irakische Ölförderung verstaatlicht hatte und die multinationalen Ölfirmen das Land mit den drittgrößten Ölvorräten der Welt verlassen mussten, kehren sie jetzt in den Irak zurück. 31 Ölkonzerne, darunter BP, Chevron, Exxon, Total, Gazprom und Sinopec, beteiligten sich an der Versteigerung der Förderlizenzen für sechs Öl- und zwei Gasfelder des Landes. Bis Ende 2010 soll die Ölförderung auf 2,7 Millionen Barrel pro Tag erhöht werden. [...]«
News from War in Iraq
Krieg im Irak
Interview mit CIA-Analyst Ray McGovern (alles-schallundrauch.blogspot.com, 17. August 2009)
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Die neue Verfassung - Oktober 2005 -- Demokratie mit islamischen Einschränkungen
Im Januar 2005 fanden Parlamentswahlen statt. Die von Großayatollah Ali Sistani gestützte Schiitenpartei Vereinigte Irakische Allianz ist die Gewinnerin der Wahl in Irak. Sie kam auf 48,1 % der Stimmen. An zweiter Stelle steht die gemeinsame Liste der größten Kurdenparteien mit 25,7 % der Stimmen. Die Partei von Übergangsministerpräsident Ijad Allawi erziele nur 13,8 % der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 59 Prozent.
Nach monatelangen Verhandlungen ist die Regierungsbildung in Irak im April 2005 abgeschlossen worden. Damit gibt es in dem Land erstmals seit mehr als 50 Jahren ein demokratisch gewähltes Kabinett. Die 275 Sitze umfassende Nationalversammlung habe mit einer überwältigenden Mehrheit die Kabinettsliste des schiitischen Ministerpräsidenten Ibrahim Al-Dschafari angenommen, teilte der Parlamentspräsident mit.
Der im Sommer 2005 veröffentlichte Verfassungsentwurf wurde bei der Volksabstimmung am 15. Oktober 2005 von mehr als fast 79% aller Iraker angenommen. Lediglich in den Provinzen Anbar, Salaheddin, Ninive und Djihala, wo die Sunniten die Mehrheit der Bevölkerung stellen, gab es überwiegend Neinstimmen.
Die Schiiten und Kurden, die zumeist für diese stark föderale Verfassung waren, machen rund 80 Prozent der Bevölkerung aus. Die sunnitischen Araber, die unter dem gestürzten Diktator Saddam Hussein die Verwaltungs- und Militäreliten stellten und in einem dezentralen Irak ihre Felle davonschwimmen sehen, werden auf 20 Prozent geschätzt. "Dieses Ergebnis repräsentiert den Willen des irakischen Volkes", erklärte postwendend der Sprecher der schiitisch-kurdischen Koalitionsregierung, Leith Kubba.
| Die neue Verfassung hat folgende zentrale Bestimmungen:
Politisches System: Irak soll ein multinationaler, multikonfessioneller und multikultureller Staat sein. Er gehört zur moslemischen Welt und ist Mitglied der Arabischen Liga. Zugleich ist er unabhängig und souverän. Die Staatsform ist republikanisch, föderal, demokratisch und pluralistisch.
Religion: Es gelten Religionsfreiheit und freie Religionsausübung. Staatsreligion und eine Hauptquelle der Gesetze ist der Islam.
Sprache: Amtssprachen sind Arabisch und Kurdisch.
Grundrechte: Die politischen, religiösen, wirtschaftlichen und sozialen Grundrechte und Freiheiten sind im Prinzip garantiert. Die Presse-, Rede-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit gilt allerdings nur, insofern "nicht gegen die öffentliche Ordnung und Moral verstoßen" wird.
Frauen: Frauen sind gleichberechtigt. Doch Artikel 39 sieht vor, dass sich irakische Bürger der Zivilgerichtsbarkeit ihrer eigenen Religionsgemeinschaft unterwerfen können.
Föderalismus: Der Bundesstaat der Republik Irak gliedert sich in die Hauptstadt, Regionen, Provinzen und Kommunen. Zunächst ist nur Kurdistan eine eigenständige Region. Die Bestimmungen für die Schaffung weiterer Regionen regelt das Parlament sechs Monate nach seiner konstituierenden Sitzung mit einfachem Mehrheitsbeschluss. Die Regionalregierungen üben weitreichende legislative, exekutive und judikative Gewalt aus. Sie erarbeiten eine eigene Verfassung, die nicht im Widerspruch zur Zentralverfassung stehen darf.
Legislative: Eine Legislaturperiode dauert vier Jahre. Mindestens 25 Prozent der Sitze im Parlament sind Frauen vorbehalten.
Exekutive: Die Zentralregierung besteht aus einem Präsidenten und dem Ministerrat. Der Präsident muss gebürtiger Iraker sein. Er wird vom Parlament mit Zweidrittelmehrheit für vier Jahre gewählt und beauftragt den Chef der größten Fraktion mit der Regierungsbildung. Der Ministerpräsident muss einen Universitätsabschluss besitzen. Er bestimmt die Zusammensetzung des Kabinetts und ist oberster Befehlshaber der Streitkräfte.
Bodenschätze: Erdöl und Erdgas sind Eigentum des irakischen Volks. Verwaltet werden sie von der Zentralregierung in Zusammenarbeit mit den produzierenden Regionen und Provinzen. Die Einkünfte werden entsprechend der Bevölkerungsdichte verteilt.
Baath-Partei: Parteien, die Rassismus, Terror oder "ethnische Säuberungen" befürworten, sind im Irak verboten. Dies betrifft auch die Baath-Partei von Ex-Präsident Saddam Hussein. |
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22. Juli 2010: Der Irakkrieg ist illegal !
»[...] Der britische Vizepremierminister Nick Clegg hat im Unterhaus für Konsternierung gesorgt, nicht nur bei der Opposition der Labor Party, sondern auch bei seinen Koalitionskollegen den Tories. Er sagte, der Krieg im Irak sei illegal. [...] Im Januar kam eine unabhängige Rechtskommission in den Niederlanden zum ersten Mal zum Schluss, der Krieg hat "keine Basis laut internationalem Recht." [...]«
Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: Britischer Vizepremierminister – Der Irakkrieg ist illegal
Siehe auch:
Warum der Irak-Krieg illegal ist, alles-schallundrauch.blogspot.com, 29. Juni 2010
Begründung für den Irakkrieg, de.wikipedia.org
"Operation Iraqi Freedom" offiziell beendet
Am 18. August 2010 wurde der am 22. März 2003 begonnene Irakkrieg für beendet erklärt. »[...] "Das Ende des Irakkrieges ist da!" - das meldeten gegen 20.00 Uhr US-Ostküstenzeit übereinstimmend Amerikas Nachrichtensender. Die letzten Kampftruppen hätten das Land früher als geplant in Richtung Kuwait verlassen. 56.000 Soldaten bleiben aber vorerst dort - zur Ausbildung der irakischen Armee, wie es offiziell heißt . [...] Die unrühmliche Operation "Iraqi Freedom" ist zwar ab sofort beendet. Dafür beginnt jetzt die Operation "Neue Morgendämmerung". Doch auch der neue Name erinnert an alte Probleme: Operation "Neue Morgendämmerung" war die Bezeichnung der Bush-Regierung für den Großangriff auf die irakische Stadt Falludscha, bei dem Hunderte von irakischen Zivilisten getötet und Tausende vertrieben wurden. [...]«
4.400 US-Soldaten starben seit dem Einmarsch. "Operation Iraqi Freedom" kostete den USA rund 775 Milliarden Euro.
Zitat: tagesschau.de, US-Kampftruppen verlassen den Irak, 19.08.2010 |
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Am 31. August 2010 wurde der Irakkrieg offiziell für beendet erklärt
Die im Land verbleibenden 50.000 US-Soldaten sollen bis Ende 2011 abgezogen werden.
Nach Angaben von "Iraq Body Count" kamen seit 2003 mehr als 100.000 Zivilisten ums Leben.
Die Veröffentlichung von knapp 400.000 Dokumenten bei Wikileaks am 22. Oktober 2010 belegen das wahre Ausmaß des Irak-Krieges. Hiernach forderte der Krieg 109.032 Todesopfer, davon 66.081 Zivilisten.
»[...] Die seit heute veröffentlichten sogenannten "Irak-Kriegstagebücher" zeigen auch die fürchterliche Folterung und unmenschliche Behandlung von Gefangenen, die sehr oft zum Tode führte. Es werden geheime Foltergefängnisse genannt, wo "Geständnisse" mit illegalen Methoden herausgepresst wurden.
Aus den Dokumenten geht hervor, Gefangene wurden mit Metallrohren, Holzstangen und Strom misshandelt und es seien Brandwunden, Knochenbrüche und Blutergüsse an ihnen festgestellt worden. Die Unterlagen dokumentieren auch, dass an Strassensperren mit US-Soldaten Hunderte irakische Zivilisten getötet haben. [...]«
Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: Wikileaks gegen Washington
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18. Dezember 2011: »Letzte US-Kampftruppen verlassen den Irak
Knapp neun Jahre nach Beginn des Irakkriegs haben die letzten US-Kampftruppen das Land verlassen. Agenturberichten zufolge überquerte ein Konvoi mit 500 Soldaten die Grenze zum Nachbarland Kuwait.
Schwere gepanzerte Fahrzeuge und Tieflader mit Panzern passierten die Grenzstation in der Wüste. Ein Armeesprecher bestätigte dem Sender CNN, dass damit der Abzug der US-Kampftruppen abgeschlossen sei. [...]
Lediglich ein kleines Kontingent an Wachpersonal und vermutlich einige Elitesoldaten sollen noch bleiben. Die US-Regierung wollte ursprünglich mehrere tausend Soldaten als Ausbilder im Land lassen. Die irakische Regierung war jedoch nicht bereit, den Truppen die geforderte Immunität vor Strafverfolgung zu gewähren. [...]«
Zitat: www.tagesschau.de, Letzte US-Kampftruppen verlassen den Irak, 18.12.2011
USA hinterlassen gefährliches Vakuum
Auch nach dem Abzug der US-amerikanischen Truppen ist der Irak kein befriedetes Land - im Gegenteil. Nach den Wahlen im März 2010 hat Irak immer noch keine stabile Regierung. Gewalt und Tod bestimmen den Alltag der Iraker auch im Jahre 7 nach Saddam Hussein. Insbesondere die Konflikte zwischen den Volksgruppen sorgen im Land für anhaltende Instabilität. »[...] Schiiten, Sunniten und Kurden kämpfen um Einfluss und Kontrolle. Ganz besonders dort, wo es um die wichtigste irakische Einkommensquelle geht: das Öl.[...]« Nach Angaben des Irak-Experten Guido Steinberg seien für die anhaltende Gewalt in erster Linie jedoch ausländische Kämpfer verantwortlich, die zum Umfeld von Al-Kaida zählen oder anderen terroristischen Gruppen angehören.
Zitat: n-tv.de, 19. August 2010
Nach dem US-Abzug wird der Krieg im Irak privatisiert
»[...] Die USA privatisieren ihren Einsatz im Irak. Nach dem Truppenabzug sollen 7000 private Sicherheitsleute Schutz und Training der irakischen Polizei übernehmen. [...] Und die Präsenz der privaten Sicherheitsfirmen im Irak wird in den kommenden Jahren noch zunehmen. [...]«
Zitat: wirtschaftsblatt.at, 23.08.2010
Siehe auch: handelsblatt.com, 20.08.2010
Privatisierung des Krieges
»[...] Nach dem Bericht des Congressional Budget Office arbeiten im Irak gegenwärtig mindestens 190.000 "contractors", davon sind 20 Prozent Amerikaner, 40 Prozent Iraker und der Rest kommt aus anderen Ländern. Das Pentagon hat im Irak mehr als in allen anderen Konflikten Aufgaben ausgesourced oder den Krieg privatisiert. Bis zu 30.000 sind private, also bewaffnete Sicherheitssicherkräfte. Da die Truppen samt PMCs im Irak nicht belangt werden können, kam es auch zu zahlreichen Vergehen, was beispielsweise durch die Tötung von 17 Irakern durch Blackwater-Söldner im September 2007 deutlich wurde. [...]«
Zitat: heise.de, 14.08.2008
Siehe auch: labournet.de, Privatarmeen und private Sicherheitsfirmen im Krieg
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Die Menschen
Die Bandbreite der Klimazonen - von der glühend heißen Wüste bis zu der Bergregion mit gemäßigten Temperaturen - bildet einen der Gründe für die Vielfalt der Bevölkerungsgruppen in Irak. Von den über 22 Millionen Irakern sind 95% Moslems. Zwei Drittel von ihnen sind Schiiten, die meist südlich von Bagdad leben. Die Sunniten bevölkern hauptsächlich den Norden. Aber nicht alle Sunniten sind Araber, denn auch die Kurden Iraks gehören der sunnitischen Glaubensrichtung des Islams an.
In Najaf und Karbala, etwa 100 km südlich von Bagdad, liegen die bedeutendsten Heiligtümer der Schiiten. Zum in Karbala gelegenen Schrein von Imam Hussain (626 oder 627-680), dem großen Vorbild aller Schiiten, pilgern seit Hunderten von Jahren Gläubige aus aller Welt. Im Bazar der Stadt und auf dem Vorplatz der prächtigen Moschee mit der vergoldeten Kuppel und den beiden vergoldeten Minaretten wird sich keine Frau unverschleiert zeigen. Bedeutende theologische Bildungsstätten der Schiiten gibt es im nahegelegenen Najaf. An ihnen hat Irans Revolutionsführer Chomeini während seines fünfzehnjährigen Exils bis zu seiner Ausweisung aus Irak unterrichtet.
Die Schiiten im Süden Iraks sind bei der Besetzung staatlicher Positionen seit Jahrzehnten benachteiligt worden. So gab es bereits in den 1930er Jahren Schiitenrevolten. Während des Golfkrieges (1980-1988) gingen iranische Hoffnungen auf einen Schiitenaufstand jedoch nicht in Erfüllung. Die historische Feindschaft zwischen Iran und Irak erwies sich größer als die Gemeinsamkeit religiöser Glaubenssätze der Schiiten. Während des Krieges wurden die meisten der etwa 100.000 seit Generationen in Irak lebenden Iraner über die Grenze in das Land ihrer Vorfahren abgeschoben.
Doch nicht nur religiöse Gegensätze prägen das Leben in Irak, sondern auch der Unterschied zwischen gestern und heute, zwischen Orient und Okzident. |
In Bagdad wurde die Tradition ab den 1970er Jahren von der Moderne überlagert. Im Bazar prallten die Kulturen aufeinander. Verschleierte Mütter standen neben ihren westlich gekleideten und geschminkten Töchtern vor den Auslagen der Goldgeschäfte. Wie in alten Zeiten kauften Arme und Reiche in den überdachten Märkten des alten Bazars Schmuck, Stoffe und viele Güter des Alltags, und Handwerker stellten ihre Produkte in den verschiedenen Abteilungen des nach Zünften aufgeteilten Bazars her. Die alte Landstraße der Kupferschmiede war auch ein beliebtes Einkaufsziel der Touristen. Und die Luxushotels am Tigris waren die Anziehungspunkte für die am westlichen Lebensstil orientierte Elite des Landes. Im Frühjahr wurden an manchen Tagen oft mehrere Hochzeiten gleichzeitig in den Bankettsälen der Hotels gefeiert. Die beiden Golfkriege und die internationalen Sanktionen führten jedoch zur Verarmuung großer Teile der Bevölkerung. |
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Christen in Irak
Christian Solidarity International Österreich, 17. März 2008, Woche 12: Neuer Höhepunkt der Christenverfolgung im Irak
»Situation für Christen im Irak verschlimmert sich zusehends
Erst vor wenigen Tagen haben wir von der Enthauptung eines Teenagers durch moslemische Extremisten berichtet. Diese war aber erschreckender Weise kein Einzelfall; die Gewalt gegen Christen im Irak hat Dutzende Opfer gefunden. Dazu gehört auch die Kreuzigung eines 14jährigen Jungen in Basra Anfang Oktober. Nicht einmal vor Geistlichen macht die Gewalt halt. So wurde als Reaktion auf das Islam Zitat von Papst Benedikt XVI der syrisch-kaldäische Priester Paul Alexander entführt. Die Entführer verlangten 300.000 € und eine schriftliche Entschuldigung des Papstes. Drei Tage später wurde die Leiche des Priesters gefunden. Vater Paul wurde ausgeweidet, seine Arme und Beine wurden abgetrennt, und dann wurde er enthauptet. Diese Begebenheiten und noch viele andere teils bestätigte, teils unbestätigte Morde an Christen sind nicht frei erfunden, sie haben auch nicht vor 2000 Jahren stattgefunden. Sie sind gerade erst passiert. Als Reaktion auf die zunehmend schlimmer werdende Situation hat die katholische Kirche dazu aufgerufen, eine Zufluchtsstätte für Christen im dem Irak einzurichten. Amerikanische Bischöfe haben darüber hinaus dazu aufgerufen, Hunderttausende von Asylanträgen für irakische Christen, die der Verfolgung zu entfliehen suchen, zu bewilligen. Der Bischof von Orlando und Vorsitzende des Bischofskomitees für internationale Angelegenheiten sagt: Die Enthauptung eines syrisch-orthodoxen Priesters in Mossul, die Kreuzigung eines Teenagers in Basra, die regelmäßigen Entführungen, auch von Priestern, für Lösegeld, die Vergewaltigung christlicher Frauen und Mädchen und die Bombenexplosionen in Kirchen sind klare Indizien dafür, dass die Situation für Christen im Irak Krisencharakter hat. Die Lösung dafür soll eine "Schutzregion" in der Ebene von Ninive sein, die zwar von Bagdad aus regiert, aber von den Kurden kontrolliert werden soll.
John Pontifex, vom britischen Zweig von Kirche in Not, teilt die Meinung der amerikanischen Bischöfe. "Wir werden zurzeit Zeugen eines bösartigen Versuchs, die Christenheit im gesamten Irak auszulöschen. Enthauptungen, Morde, Einkerkerungen und Folter sind der Stoff, aus dem Albträume gemacht sind. Albträume, die genauso grausam sind wie bei der Christenverfolgung in der römischen Zeit."«
Siehe auch:
Irak: Christen demonstrieren in Mossul
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Zum Straßenbild von Bagdad gehören auch Kurden, die selbstbewusst ihre traditionelle Kleidung tragen. Der größte Teil der Kurden in Irak lebt weiterhin in den nordöstlichen Bergregionen, in denen seit Beginn des Jahrhunderts immer wieder Aufstandsbewegungen Selbstbestimmung forderten, und es seit 1991 de facto einen eigenen "Staat" gibt, wie er den Kurden nach Ende des Ersten Weltkrieges von europäischen Mächten versprochen worden war. In Irak haben Kurden, die auch noch in Iran, der Türkei und Syrien leben, seit Ende der 1950er Jahre besonders erbittert gegen die Regierung gekämpft.
1970 erkannte die Baathpartei den Kurden das Recht auf Autonomie zu. Seither gibt es kurdische Rundfunk- und Fernsehprogramme und Kurdisch ist Unterrichtssprache in den Schulen. Die Regierung in Bagdad konnte mit diesem Zugeständnis zwar einen großen Teil der Kurden für eine Zusammenarbeit gewinnen, Bündnisse mit ihren Organisationen zerbrachen jedoch immer wieder, und die kurdischen Partisanen setzten ihre Kriege gegen die in der Kurdenregion stationierte Armee fort.
Unterstützung erhielten die Kurdenrebellen jeweils von Iran. Nach einer Übereinkunft zwischen dem damaligen Schah von Persien und der Regierung in Bagdad brach 1975 die bisher größte Kurdenrevolte innerhalb von Stunden zusammen. Aber im ersten Golfkrieg entbrannte der Kampf aufs Neue. Die Kurden wollten die Schwäche der Regierung in Bagdad nutzen, um die alten Forderungen nach Selbstbestimmung durchzusetzen. Erneut erhielten die Rebellen Unterstützung aus Teheran, die jedoch nach Beginn des Waffenstillstands im Golfkrieg drastisch eingeschränkt wurde. Die Kurdenkämpfer standen gegen die hochgerüstete und kampferfahrene irakische Armee auf verlorenem Posten, bis sie 1991 unter Protektion der USA ein Autonomiegebiet errichten konnten.
Im Norden Iraks lebt auch eine türkischsprachige Minderheit. Wie die Kurden haben diese Menschen das Recht auf eigene Sprache und die Möglichkeit, ihre Kultur zu pflegen. Erst 1926 wurde das zwischen Irak und der Türkei umstrittene Gebiet von Mosul endgültig Teil des irakischen Territoriums.
Nahe der türkischen Grenze liegt auch das Stammland der etwa 60.000 Yeziden, die kurdischer Herkunft sind. Ihr Glauben enthält neben Grundauffassungen des Islams auch Elemente aus dem Christentum und der altiranischen Lehre des Zarathustra (um 800 oder 700 v.Chr.). Die Yeziden werden von den Moslems als Ungläubige betrachtet und sogar Teufelsanbeter genannt. Die früher herrschende Baathpartei propagierte zwar eine deutliche Trennung von Glauben und Staat, doch setzte der damalige Staatschef Saddam Hussein den Islam als politische Waffe gegen Israel und die USA ein.
Die Kurden
Kurdistan erscheint auf vielen Landkarten, stellt jedoch trotz der in Aserbaidschan und im westlichen Iran existierenden Provinzen dieses Namens keine politische Einheit dar. Sogar das geographische Gebiet ist nicht exakt definiert. Kurdistan ist eine aus ausgedehnten Gebirgen und Hochebenen bestehende Region, die sich von den Ketten des Pointischen Gebirges und des Taurus an Aserbaidschan und Armenien angrenzend durch den Nordosten Syriens und Iraks bis zum Sagrosgebirge im nordwestlichen Iran erstreckt. Dies ist der Lebensraum der Kurden, eines stolzen freiheitsliebenden Volkes von Ackerbauern und Viehhirten. Ihre kriegerischen Traditionen sind Jahrhunderte alt. Der Kampf der Kurden für einen unabhängigen kurdischen Staat scheiterte bis heute an den gegensätzlichen Interessen der umgebenden Staaten wie auch an der Uneinigkeit unter den Kurden selbst.
Das Volk der Kurden ist ebenso schwer zu beschreiben wie ihr Territorium. Wissenschaftler sind der Meinung, dass sie von einem kriegerischen mesopotamischen Volk des Altertums, den Guti (Gutäern), abstammen, das um 3000 v.Chr. vom Sagrosgebirge aus in Babylonien einfiel. Der griechische Historiker Xenophon nannte dieses Volk Kardukai (Kadschuken). Dies waren wohl die Vorfahren der heutigen Kurden.
Auch die Bevölkerungsschätzungen differieren. Offizielle Volkszählungen von Mitte der 1960er Jahre sprechen von etwa 7 Millionen Kurden, heutige Schätzungen gehen von einer Bevölkerung von mindestens 12 Millionen, maximal 30 Millionen aus. Nach allgemeiner Übereinstimmung leben etwa die Hälfte der Kurden in der Südosttürkei. In Iran leben mehr als 4 Millionen Kurden, während die kurdische Bevölkerung im Irak mit 2 Millionen einen Anteil von 10% an der Gesamtbevölkerung entspricht. Nach Arabern, Türken und Persern sind die Kurden die viertgrößte Bevölkerungsgruppe im Nahen Osten.
Aus vielerlei Gründen besteht eine Trennlinie zwischen den Kurden und den übrigen Bewohnern der Staaten, an denen Kurdistan Anteil hat: den Türken, den Aseri, Armeniern, Arabern (Irakern und Syrern) und Persen (Iranern). Ihre kantigen Gesichtszüge, ihre häufig helle Haut- und blaue Augenfarbe unterscheiden sie von ihren Nachbarn. Das Kurdische ist, obwohl es vieles mit dem Persischen gemeinsam hat, eine eigenständige Sprache. Die meisten Iraner sind schiitische Moslems und in Irak sind die Schiiten in der Mehrheit. In diesen Staaten bildet die Zugehörigkeit der meisten Kurden zur sunnitischen Richtung des Islams eine weitere Ursache für die Entfremdung von ihren Landsleuten. Auch in der Türkei bestehen gravierende Probleme mit der kurdischen Minderheit. Obwohl Kurden in beträchtlicher Zahl in den Gebieten um die Städte Van, Diyarbakir und Mardin leben, erkennt die türkische Regierung sie nicht als eigenständige linguistische und kulturelle Gruppe an.
Auch ihre traditionelle Lebensweise unterscheidet die Kurden, wenn sie nicht in großen Städten wie Istanbul leben, von der übrigen Bevölkerung. Heute noch sind einige von ihnen halbnomadische Hirten, die in Zelten leben und mit ihren Herden im Sommer in die iranischen Hochländer und im Winter in die Ebenen Iraks wandern. Andere leben als Ackerbauern in kleinen Gemeinden. Die diesen Gemeinschaften vorstehenden "aga" (Scheichs) sind die religiösen und weltlichen Autoritäten. Wenig modernes Gerät wird verwendet - das Land wird mit von Ochsen gezogenen Holzpflügen bearbeitet. Glanz wird den aus Lehmziegeln gemauerten, spärlich möblierten Häusern durch die berühmten von kurdischen Kunsthandwerkern geknüpften Teppiche verliehen.
Kurdische Frauen genießen erheblich mehr Freiheiten als ihre Glaubensgenossinnnen in den meisten anderen islamischen Gesellschaften. Sie tragen keinen Schleier und nehmen zum Teil hohe Stammes- und politische Ämter ein. Mit einer zehn Jahrhunderte zurückreichenden Tradition geschriebener Literatur räumen die Kurden der Bildung einen hohen Stellenwert ein.
Literatur
Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.616 f.
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