Offizieller Name: Republik Jemen Hauptstadt: Sana'a Regierungsform: Islamische Präsidialrepublik Fläche: 527.968 km² Klima: Wüstenklima mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit Höchster Punkt: Hadur Shu'ayb 3760 m Tiefster Punkt: Meeresspiegel Einwohner: 17.488.000 (1999); 24.133.492 (geschätzt Juli 2011) Bevölkerungsdichte: 33 Ew./km² (1999) Stadtbevölkerung: 38% (1999) Bevölkerung unter 15 Jahren: 48% (1999) Analphabetenquote: 53% (1999) Sprache: Arabisch Religion: Muslime über 99% (sunnitische Schafeiten im Süden, schiitische Zaiditen im Norden sowie ismailitische Minderheit); jemenitische Juden, ausländische Christen, Hindus Importgüter: Maschinen, Fahrzeuge, Metallwaren, Eisen, Stahl, Garne, Gewebe, Textilien, Weizen, Weizenmehl, Zucker, Honig Exportgüter: Erdölderivate, Baumwolle, Kaffee, Häute, Felle, Salz, Fischereiprodukte
Zwei Bedeutungen hat das arabische Wort "Yamin": Glücklich und rechts. "Glückliches Land zur rechten Allahs" meint demnach der Name Jemen. Ein blühender Karawanenhandel mit den in der antiken Welt begehrten Duftharzen Weihrauch und Myrrhe, geheimnisvolle Märchenstädte und biblisch anmutende, fruchtbare Landschaften haben dem Land zu Recht diesen Namen gegeben.
In drei große Landschafts- und Klimazonen gliedert sich der Jemen: Die flachen, feuchtheißen Küsten-, die klimatisch gemäßigten Berg- und Höhenregionen und die Wüste. Im Westen des Landes säumt der bis zu 45 km breite, fruchtbare Tieflandstreifen der Tihamah die Küste des Roten Meeres. Auch im Süden und Südosten des Landes begleitet ein flacher Küstenstreifen den Indischen Ozean. Parallel zur Tihamah erstreckt sich von Norden nach Süden der Bergjemen. Und ebenso wie an die Tihamah schließen sich auch an das Tiefland am Indischen Ozean Höhenzüge an: die bis zu 2000 m aufragenden Kalksteinplateaus des Jol. Den Norden und Nordosten des Landes bedeckt die große arabische Wüste Rub al Khali.
Wichtigste und modernste Hafenstadt am Roten Meer ist Al Hudaydah, das 400.000 Einwohner zählt (1999: 260.000). Eine besondere Rolle nahm einst das Tihamah-Hafenstädtchen und heute fast bedeutungslose Mokka (Al Mukha) ein. Von hier aus trat vor allem im 16. und 17. Jahrhundert der Kaffee seinen Siegeszug um die Welt an. Und von Al Mukha erhielt er auch seinen Namen: Mokka.
Haupthafen und Handelszentrum des modernen Jemen ist freilich das am Indischen Ozean gelegene Aden, die mit über 550.000 Bewohnern drittgrößte Stadt des Landes. Einst spielte Aden für Großbritannien eine zentrale Rolle bei der Sicherung des Seewegs nach Indien. Die ebenfalls am Indischen Ozean gelegene Hafenstadt Al Mukalla ist für die Versorgung des Hinterlandes Hadramaut von einiger Bedeutung.
Verlässt man Tihamah in Richtung Hochland, so erreicht man in kurzer Zeit ein unzugängliches, wildromantisches Bergland. Aus Verteidigungsgründen und um das knappe Ackerland nicht durch Bauten zu vergeuden, kleben die jemenitischen Dörfer wie trutzige Schwalbennester an den oft bis in die Täler hinab terrassierten Berghängen. Zusammen mit den höhenbedingt milden Temperaturen und den sich an den Bergketten abregnenden Monsunen ermöglichen die in jahrhundertelanger, mühseliger Arbeit terrassierten Bergflanken eine überaus intensive Landwirtschaft. Wie kaum ein anderes Volk haben die Bergjemeniten neben dem raffinierten Terrassenbau auch die Kunst ausgeklügelter Bewässerungssysteme kultiviert.
Kaffee, Hirse, Gerste, Weizen, Hülsenfrüchte aller Art, Bananen und Papayas können im Hochland geerntet werden. Auf halber Höhe zwischen der Tihamah und der Hochebene der Hauptstadt Sana'a liegt Ta'izz, die mit 615.467 Einwohnern zweigrößte jemenitische Stadt. Das zwei Millionen Menschen zählende Sana'a, das der Legende nach von Sem, dem Sohn Noahs, als erste Stadt nach der Sintflut erbaut wurde, liegt am Kreuzungspunkt der alten Weihrauch- und Myrrhestraßen.
Während der Proteste im Jemen ab Januar 2011 war Ta'izz ein Zentrum des Widerstandes gegen die Regierung von Präsident Saleh.
Will man von der Küste des Indischen Ozeans ins Landesinnere gelangen, so folgt man heute nicht mehr den Weihrauchstraßen, auf denen vielleicht einst die Heiligen Drei Könige reisten. Der moderne Reisende benutzt die von den Chinesen gebaute Teerstraße, die von der Küste ins bergige Wunderland der Wüstenstädte führt. Gleich hinter der Küste erhebt sich das Kalksteinplateau des Jol. Auf den Hochlagen des Jol kann sogar Regenfeldbau betrieben werden, denn hier sind die Niederschläge häufiger und ausgiebiger als im niedrigeren Jol. Tief in das Plateau eingeschnitten ist das Geäder trockenliegender Wüstenflüsse. Nach den zwar seltenen, aber heftigen Gewittergüssen brechen meterhohe Flutwellen durch diese Wadis. Durch jahrhundertelanger Erfahrung haben die Wüstenbewohner gelernt, diese Ströme zur Bewässerung ihrer Felder zu nutzen.
Das berühmteste Tal im Inneren des südöstlichen Jemen ist das Wadi Hadramaut, in dem das für seine Hochhäuser berühmte Shibam liegt. In Millionen von Jahren haben Regenfluten das mehrere hundert Meter tiefe, fast 200 km lange und bis zu 10 km breite Tal aus dem Kalkstein gewaschen. Ein sich in über 100 m Tiefe unterirdisch erstreckender See steigert die üppig-grüne Fruchtbarkeit des Wüstentals ins beinahe Unwirkliche. In mühsamer Arbeit haben seine Bewohner der ockerfarbenen Wüste dieses grüne, schattige Tal mit seinen Getreidefeldern, Dattelpalmen und Feigenbäumen abgetrotzt und eine der eigenwilligsten Kulturen der arabischen Welt hervorgebracht.
Doch die üppige Fruchtbarkeit von Tihamah, Bergjemen und Wadi Hadramaut steht in krassem Gegensatz zum übrigen Jemen, der von einer riesigen Wüste beherrscht wird: Die unerbittliche und menschenfeindliche Sandwüste Rub al Khali im Norden und Osten.
Geschichte
Die alten Griechen und Römer kannten das Gebiet, das heute vom Jemen und der Provinz Dofar (Oman) eingenommen wird, unter dem Namen "Arabia felix" (das glückliche Arabien). Noch vor dem Jahre 100 n.Chr. beschrieb ein griechischer Seekapitän es als "das Weihrauchland, gebirgig und gefährlich, in dicke Wolken und Nebel gepackt, (dessen) Bäume Weihrauch erbringen, (ein Gebiet) der friedfertigen Menschen, nomadischer Hirten von Rindvieh, Schafen und Kamelen." Der Legende zufolge haben arabische Karawanen Parfüm und Gewürze aus Arabien und Afrika hierhergebracht, Musselin aus Ceylon, Seide aus China, Schildpatt, Zimt, Diamanten und Saphire aus Indien und aus den afrikanischen Ländern Weihrauch, Gold, Myrrhe, Elfenbein, Sklaven, Affen, Straußenfedern und Öl.
Das Volk der Mondgöttin
Man sagt, dass die Söhne des Qahtan, die wahren Araber, aus dem Jemen kommen. Im 1. Jahrtausend v.Chr. handelten die Minäer von Djouf mit Ägypten, Syrien und der Stadt Petra im heutigen Jordanien, von wo aus sie die Verehrung ihrer Mondgöttin bis zur Mittelmeerinsel Delos verbreiteten. Seit 900 v.Chr. beheimatete diese Region die Sabäer, ein technisch weitentwickeltes, friedfertiges Volk, das den berühmten Damm bei Marib gebaut hat, eine Stadt, die später Hauptstadt des Volkes wurde. Ihr legendärer Reichtum ist auf den Gewürzhandel zurückzuführen, ein Grund für die "ungeheure Menge sowohl an Gold- als auch an Silberartikeln, wie Liegen, Dreifüße und Gefäße und die prächtigen Häuser", über die sie nach dem griechischen Geographen Strabo verfügten. Zu den Herrschern der Himajaren, den Nachfolgern der Sabäer, gehört die Königin von Saba, im Arabischen bekannt als Bilqis. Auf ihre Begegnungen mit Salomon wird in der Bibel und im Koran hingewiesen.
Später schwand der Wohlstand von "Arabia felix": nach Angaben arabischer Historiker ist dies auf das berühmte Brechen des großen Marib-Damms im Jahre 550 n.Chr. zurückzuführen, aber der wirtschaftliche Niedergang war wohl eher dem Rückgang des Handels zuzuschreiben, nachdem die Überlandrouten zugunsten der Seewege an Bedeutung verloren hatten. In der späteren himjarischen Zeit kam sowohl das Christentum als auch das Judentum in den Jemen. Der letzte Himjaren-König Dhu Nuwas trat zum Judentum über, und dem Rufe nach massakrierte er im Jahre 523 die Christen von Najran. Viele Juden lebten weiterhin im Jemen, bis die Gründung Israels 1948 Wanderungsbewegungen in den neuen Staat auslöste.
Das Aufkommen des Islam
Im Jahre 628 nahm der fünfte persische Satrap des Jemen, Badhan, den Islam an. Von da an bewegte sich die arabische Geschichte fort von "Arabia felix" nach Norden zum Hedjas, wo der Koran dem Propheten Mohammed offenbart worden war. Im Jemen gab es in den frühen Jahrhunderten des Islam religiöse Konflikte, wodurch viele Bürgerkriege ausgelöst wurden. Die meisten Einwohner des Jemen sind zaiditische Moslems - eine schiitische Glaubensrichtung, andere wiederum sind Sunniten. Die Imame, die geistlichen und weltlichen Herrscher bis zur Revolution 1962, waren Zaiditen. Die osmanischen Türken hielten den Nordjemen von 1517-1635 besetzt und noch einmal von 1872-1890.
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Marib. Fotos von meiner Reise nach Jemen 1989.
Marib. Fotos von meiner Reise nach Jemen 1989.
Marib. Fotos von meiner Reise nach Jemen 1989.
Marib. Fotos von meiner Reise nach Jemen 1989.
Marib. Fotos von meiner Reise nach Jemen 1989.
Marib. Fotos von meiner Reise nach Jemen 1989.
Marib. Fotos von meiner Reise nach Jemen 1989.
Die Zeit der Tyrannei
Im Jahre 1904 kam der Imam Jahja zur Macht und herrschte bis 1948. Seine grausame Herrschaft beruhte auf Bündnissen mit den Stämmen und einem System der Geiselnahme aus führenden Familien als Bürgen für adäquates und konformes Verhalten. Die Strafen für Verrat und Verbrechen waren schrecklich. Dieben wurden die Hände abgehauen und an den Mauern der Hauptstadt San'a befestigt; die Köpfe der Rebellenführer dekorierten die Mauern der Stadt; politische Gefangene wurden festgekettet wie wilde Tiere; Alkohol, Musik und Tanz galten als gottlos und waren daher verdammt. Es gab nur ein Krankenhaus, jedoch litten 80% der Bevölkerung an der furchtbaren Augenkrankheit Trachom. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen lag bei jämmerlichen 55 US-Dollar im Jahr.
Jahjas Sohn Ahmed, der die Rebellen niederschlug und nach der kurzen Revolution 1948 Imam wurde, setzte die Tyrannei seines Vaters fort, und als der liberalere Al Badr im Jahre 1961 seine Nachfolge antrat, war es zu spät, einen neuen Aufstand zu verhindern. Ein junger Soldat namens As Sallal besetzte San'a und machte das Land zur Republik. Aber Al Badr begann einen Bürgerkrieg, in dem eine Viertelmillion Jemeniten ums Leben kamen. Präsident Nasser von Ägypten leistete den Republikanern mit Truppen uund Geld Unterstützung, während die Saudis den Königstreuen unter die Arme griffen. 1970 beendeten die Republikaner und Royalisten ihre Feindschaft, und fortan bestand eine (Arabische) Republik Jemen. Drei Jahre früher wurde der bis dahin weitgehend von Großbritannien kontrollierte Südjemen als Volksrepublik unabhängig. Beide Staaten vollzogen 1990 den Schritt zur staatlichen Einheit.
Bevölkerung
Die meisten Bewohner des Jemen gehören südarabischen Stämmen an. An vielen Stellen des Landes sind jedoch auch andere Einflüsse augenfällig. Vor allem in der Tihamah haben sich Afrika und Arabien vermischt. Auf Afrika weisen die dunklen, oft schwarzen Menschen hin. Arabisch dagegen sind Religion und Kultur. Wie überall im Lande tragen die Männer Röcke und die Frauen Hosen. Verschleierte Frauen allerdings sind in der Tihamah selten. Denn der sunnitische, afrikanisch gemilderte Islam der Tihamah-Bewohner ist weniger streng als der zaiditische der Bergbewohner. Ähnlich ist die Bevölkerungszusammensetzung im Küstenstreifen des Indischen Ozeans. Doch haben sich hier auch jeweils mehrere tausend indische, pakistanische und somalische Einwanderer niedergelassen, und seit der britischen Kolonialzeit leben kleinere Gruppen von Briten im Lande.
Entwicklungen
27. Januar 2012: Die Friedensnobelpreisträgerin Tawakkol Karman (* 1979) im Interview mit der österreichischen Online-Zeitung "derStandard.at"
»"Saleh ist weg, aber das korrupte System bleibt"
[...] Präsident Saleh ist nur einer von vielen, die dieses korrupte System aufrechterhalten. Saleh ist weg, aber das korrupte System bleibt. [...]
Mit Saleh im Ausland ist es sicherlich grundsätzlich einfacher, eine friedliche Lösung für den Jemen zu finden. Aber Salehs Söhne und die Söhne von Salehs Bruder, die gemeinsam mindestens 80 Prozent der Streitkräfte kontrollieren, sind noch im Land. Auch sie müssen entmachtet und die Streitkräfte unter demokratischer Führung vereint werden. Danach muss die Korruption der zivilen Verwaltung bekämpft werden. Und wir brauchen demokratische Wahlen. [...]«
Die Präsidentschaftswahl am 21. Februar 2012 hält Tawakkol Karman für eine »[...] Farce, weil es nur einen einzigen Kandidaten gibt, den Vizepräsidenten Abdull-Rabho Mansur Hadi. [...] Hadi kann das Volk nicht in einen neuen Jemen führen, weil er Teil des korrupten Systems ist. [...]«
Karman ist die wichtigste Stimme der jemenitischen Jugendbewegung. Sie ist die erste arabische und die zweite muslimische Frau, die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.
Zitat: derstandard.at, "Saleh ist weg, aber das korrupte System bleibt", 27.01.2012
23. Januar 2012: Saleh reist in die USA
»[...] Die USA erlauben dem scheidenden jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh die Einreise zu einer medizinischen Behandlung. Mit dem Schritt wolle man einen reibungslosen politischen Übergang im Jemen unterstützen, hieß es in Washington.[...]«
Zitat: www.rp-online.de, 23.01.2012
22. Januar 2012: Ali Abdullah Saleh erhält Straffreiheit und verlässt Jemen
»[...] Der jemenitische Präsident Ali Abdullah Salih hat am Sonntag das Land verlassen. Sein Sprecher erklärte, er sei nach Oman geflogen und habe die Macht an seinen Stellvertreter übergeben. Für Verbrechen, die er während seiner Amtszeit begangen hat, kann er in Jemen künftig nicht mehr belangt werden. Trotz massiver Kritik verabschiedete das Parlament in der Hauptstadt Sanaa am Samstag einstimmig ein Gesetz, dass den 69-Jährigen vor Strafverfolgung schützt. Auch seinen Mitarbeitern wird Immunität gewährt - sie bezieht sich jedoch auf "politisch motivierte Verbrechen". Wegen Terrorismus und Korruption könnten sie verurteilt werden.[...]«1
»[...] Saleh wandte sich zudem ans Volk: "Ich entschuldige mich bei allen jemenitischen Männern und Frauen für Fehler, welche während meiner 33jährigen Herrschaft begangen worden sind und bitte um Vergebung."[...]«2
23. November 2011: Präsident Saleh unterzeichnet Machtverzicht
»[...] Saleh hatte am Mittwoch in Saudi-Arabien schriftlich seinen Verzicht auf die Macht erklärt. Im Gegenzug werden ihm und seiner Familie Straffreiheit gewährt. Saleh ist mehr als 33 Jahre lang Präsident. Die Vereinbarung sieht ein Ende der blutigen Konfrontation und der Proteste im Jemen vor.
Saleh selbst flog derweil nach New York, um sich dort in medizinische Behandlung zu begeben. [...]«1
»[...] Das saudi-arabische Staatsfernsehen übertrug live, als der langjährige Staatschef im Beisein des saudi-arabischen Königs Abdullah seine Unterschrift unter das Dokument setzte und damit vom Amt zurücktrat. Er übertrug seine Vollmachten an seinen langjährigen Stellvertreter Abd Rabbo Mansur Hadi, der nach 90 Tagen offiziell Präsident werden soll. [...]«2
»[...] Im Jemen strömten tausende Menschen spontan ins Freie und feierten tanzend und jubelnd die Entmachtung Salehs. Ob mit dem Abkommen Ruhe einkehren wird, ist fraglich. Die monatelangen Proteste mit zahlreichen Toten und der heftige Widerstand Salehs gegen seinen Rücktritt haben Jemen an den Rand eines Bürgerkriegs gebracht. Al-Kaida-Extremisten sind erstarkt. Auch die Jugendbewegung lehnt die Vereinbarung ab. Sie beschuldigen die Parteien, die am Verhandlungstisch saßen, an den Verbrechen des Saleh-Regimes beteiligt gewesen zu sein. O-ton ("Tausende Jugendliche sind bei ihrer friedlichen Revolution ums Leben gekommen, sagt dieser Mann. Deswegen sind wir gegen das Abkommen, wir wollen, dass Saleh vor Gericht gestellt wird.") Die Vereinbarung zur Machtübergabe war bereits vor einigen Tagen auf Basis einer Initiative von sechs Golfstaaten zustande gekommen. Unter Vermittlung der UN und mit Hilfe amerikanischer und europäischer Diplomaten. Saleh hatte jedoch mit der Unterschrift auf sich warten lassen. [...]«3
23. September 2011: Präsident Saleh zurück in Jemen - Gewalt gegen Oppositionelle eskaliert
Genesen von seinen schweren Verletzungen, ist Präsident Saleh am 23. September 2011 nach dreimonatigem Aufenthalt in Saudi-Arabien wieder nach Jemen zurückgekehrt. Er betonte, keine Absicht zu haben, von seinem Amt als Staatspräsident zurücktreten zu wollen.
Offenbar war in Saudi-Arabien ein zuvor vom Golfkooperationsrat ausgearbeitets Kompromisspapier zur Machtübergabe von Saleh abgewiesen worden, woraufhin die Saudis ihn zum Verlassen des Landes aufgefordert haben. Kurz nach Bekanntwerden der Nachricht von Salehs Rückkehr gingen Sicherheitskräfte brutal gegen Protestler vor, die seit nunmehr acht Monaten Salehs Rücktritt fordern. Scharfschützen feuern auf Oppositionelle. Täglich werden zahlreiche Tote gemeldet. Es steht zu befürchten, dass die Gewalt weiter eskaliert.
9. Juni 2011: US-Luftschläge gegen Stellungen von Al-Qaida
»[...] Die USA haben unterdessen einem Zeitungsbericht zufolge ihre Luftangriffe auf mutmaßliche Extremisten im Jemen ausgeweitet. Damit werde das Ziel verfolgt, den Einfluss von al-Qaida auf der arabischen Halbinsel besonders angesichts der jüngsten Wirren einzudämmen, berichtete die "New York Times" am Mittwoch unter Berufung auf US-Regierungskreise. Zum Einsatz kämen Kampfjets sowie mit Waffen bestückte Drohnen.[...]«
Zitiert aus: diepresse.com, Saleh nicht mehr auf der Intensivstation, 9. Juni 2011
Bilderberger-Meeting 9. bis 12. Juni 2011 St. Moritz/Schweiz:
Die NATO-Aktion gegen Libyen steht weit oben auf der Bilderberg-Agenda
»[...] Der Investigativjournalist Jim Tucker erfuhr von seinen Quellen, dass die NATO-Aktion gegen Libyen weit oben auf der Bilderberg-Agenda steht. Die Globalisten beabsichtigen, einen möglichst “großen blutigen Krieg” in der Region zu inszenieren und sich dafür mit weiter steigenden Ölpreisen die Unterstützung der westlichen Bevölkerungen zu sichern. Am Mittwoch wurde desweiteren berichtet, dass die USA eine “geheime Kampagne” mit Luftschlägen im Jemen intensiviert hätten. Laut Tucker wäre die Elite äußerst ungehalten über die Patriotenbewegung, die Berichterstattung durch die alternativen Medien und das Durchsickern von Informationen nach Außen.[...]«
Zitiert aus: www.wearechange.ch, 10. Juni 2011. Jim Tucker: Libyen-Krieg und weitreichender Konflikt im mittleren Osten auf der Bilderberg-Agenda.
Siehe auch: Neue Weltordnung
8. Juni 2011: Präsident Saleh schwer verletzt nach Raketenangriff
»[...] Jemens Machthaber Ali Abdullah Saleh ist bei dem Raketenangriff auf seinen Palast nach Angaben eines US-Regierungsvertreters doch schwerer verletzt worden als bislang offiziell dargestellt. [...] Ursprünglich war nach dem Angriff am Freitag (3. Juni 2011; Anm. muz-online.de) nur von leichten Verletzungen die Rede. Später hieß es, Saleh sei in einer Klinik in Saudi-Arabien ein Raketensplitter operativ aus der Brust entfernt worden. [...] Angesichts der vermutlichen Schwere der Verletzungen kochten erneut Spekulationen hoch, wann und ob der 69-Jährige zurückkehren wird. Am Dienstag forderten Tausende Demonstranten vor dem Sitz des Vizepräsidenten die Einsetzung eines Übergangsrats, der eine neue Regierung bilden soll. Auch riefen sie zu einem Protestmarsch gegen eine Rückkehr Salehs, an dem sich eine Million Menschen beteiligen sollen. Wann dieser "million-man march" stattfinden sollte, war zunächst nicht klar.
Der Diplomat Taha al-Hemjari sagte dagegen am Mittwoch, Saleh gehe es gut. Er könne sprechen und auf einem Stuhl sitzen. Es gehe ihm besser als den anderen Verletzten. Saleh wird in der saudiarabischen Hauptstadt Riad behandelt. Bei dem Angriff auf den Palast des 69-Jährigen in Sanaa kamen am Freitag sieben Menschen ums Leben. [...]
In der Hauptstadt Sanaa wurde ein Waffenstillstand eingehalten. [...] Zuletzt kam es aber vor allem in der Hauptstadt Sanaa zu schweren Kämpfen zwischen Regierungstruppen und rivalisierenden Clans mit Hunderten Toten. Viele Demonstranten fordern, dass Saleh aus Saudi-Arabien nicht mehr in dem Jemen zurückkehren solle. [...] Aber ... aus anderen Landesteilen wurden Kämpfe gemeldet, so auch am Dienstag aus dem Süden, wo der jemenitische Arm der radikal-islamischen Al-Kaida besonders aktiv ist. Die Armee erklärte, sie habe in Sindschibar Dutzende Extremisten getötet, darunter ein lokaler Al-Kaida-Anführer. Auch in Tais soll es zu Kämpfen gekommen sein. [...]«
Zitiert aus: derstandard.at, Verbrennungen an 40 Prozent des Körpers, 8. Juni 2011
März 2011: Proteste gegen die Regierung halten an. Sicherheitskräfte schießen gezielt auf Demonstranten
»[...] Bei Angriffen auf Regierungsgegner im Jemen sind am Freitag (18. März 2011; Anm. muz-online.de) offenbar zahlreiche Menschen getötet worden. Ärzte sprachen laut Nachrichtenagentur AFP von mindestens 30 Toten und mehr als hundert Verletzten. [...] Offenbar schossen regierungstreue Sicherheitskräfte und Anhänger von Staatschef Ali Abdallah Saleh von umliegenden Dächern auf die Demonstranten, die auf einem Platz vor der Universität der Hauptstadt Sanaa versammelt waren. [...]«
Zitiert aus: www.spiegel.de, Sicherheitskräfte im Jemen töten Regierungsgegner, 18.03.11
Januar 2011: Proteste gegen die Regierung
»[...] In Jemen hat es in den vergangenen Tagen ebenso wie in Tunesien und Ägypten Protestdemonstrationen gegen die Regierung gegeben. An den Protesten beteiligten sich Anhänger verschiedener Oppositionsparteien, unter anderem auch Islamisten. [...]
Jemen ist das ärmste Land der arabischen Welt und gilt als Rückzugsgebiet für Kämpfer der Al Kaida.
Die Frustration der Bevölkerung im Jemen ist groß. Fast die Hälfte der 23 Millionen Jemeniten lebt mit einem Einkommen von weniger als zwei Dollar am Tag unterhalb der Armutsgrenze. Die Mittelschicht ist sehr klein und die Mehrheit der Bevölkerung ist vergleichsweise schlecht ausgebildet, viele sind Analphabeten.
Soziale Internet-Netzwerke wie Facebook, die in Tunesien und Ägypten wesentlich zur Mobilisierung junger Demonstranten beitrugen, sind im Jemen kaum verbreitet. Die Opposition ist zerstritten und vor allem auf die Interessen einzelner Clans ausgerichtet.«
Präsident Ali Abdullah Saleh hat unterdessen angekündigt, keine weitere Amtszeit anstreben zu wollen. Seine seit 32 Jahren andauernde Herrschaft werde somit spätestens mit den nächsten Wahlen im Jahr 2013 enden.
Zitiert aus: www.tagesschau.de, 02.02.2011
»[...] Der Jemen ist spätestens nach dem gescheiterten Flugzeug-Attentat von Detroit einer der wichtigsten Schauplätze des internationalen Kampfes gegen islamistische Terroristen geworden. Vor allem die USA und Großbritannien bemühen sich, der Regierung in Sanaa gegen die Terroristen zu helfen. [...] Großbritannien und die USA kündigten konkret an, Sicherheitskräfte Jemens zu stärken. Laut britischer Regierung kamen Premierminister Gordon Brown und Obama überein, eine jemenitische Anti-Terror-Spezialeinheit zu finanzieren. [...] Außerdem solle die Unterstützung der Küstenwache im Kampf gegen Piraten in den Gewässern zwischen dem Jemen und Somalia verstärkt werden. [...] Unterdessen wurde die US-Botschaft im Jemen für Besucher geschlossen. Die Maßnahme gelte zunächst nur heute, teilte die Botschaft auf ihrer Webseite mit. Als Grund wurden "Drohungen durch 'Al Kaida auf der arabischen Halbinsel' gegen amerikanische Einrichtungen im Jemen" angegeben.
Die USA und andere Staaten befürchten, dass Al Kaida die Instabilität des Jemen ausnutzen könnte. Die dortige Al-Kaida-Gruppe hatte sich zu dem versuchten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug am ersten Weihnachtsfeiertag bekannt. Der Attentäter aus Nigeria erhielt eigenen Angaben zufolge Ausbildung und Sprengsatz im Jemen. [...]«
Mehr zum Thema Terrorismus und Bürgerkrieg in Jemen:
»[...] Terrorismus:
Ein Versuch militanter Islamisten am 17.9.2008, die US-amerikanische Botschaft in Sanaa anzugreifen, scheiterte an der entschlossenen Reaktion jemenitischer Sicherheitskräfte. Unter den 17 Toten, darunter sechs Angreifer und sechs Polizisten, befanden sich keine Diplomaten oder Botschaftsangestellte. Die zu Al-Qaida gerechnete Gruppe Islamischer Dschihad in Jemen übernahm die Verantwortung für den Anschlagsversuch und drohte mit weiteren Angriffen auf Botschaften. Die Polizei nahm nach dem Anschlag 25 Verdächtige fest.
Jemen soll in der letzten Zeit zur Basis für radikale Islamisten von der ganzen arabischen Halbinsel geworden sein. Die Regieruung ließ deshalb die Militärpräsenz an den Grenzen verstärken, um Al-Qaida-Kämpfer daran zu hindern, von Jemen aus in die Nachbarländer einzudringen. Gleichzeitig wurde die Koordination in Sicherheitsfragen mit Saudi-Arabien verstärkt. Präsident Saleh beschuldigte am 4.2.2009 öffentlich Stämme an der saudisch-jemenitischen Grenze, Al-Qaida-Angehörigen Zuflucht zu gewähren. Die in London erscheindende arabische Zeitung al-Hayat berichtete am 20.2., dass Sicherheitskräfte ca. 30 mutmaßliche Al-Qaida-Angehörige während der letzten Wochen verhaftet hätten, unter ihnen sieben Saudis. Am 15.3. gab das Innenministerium die Verhaftung des gesuchten Al-Qaida-Mitglieds und gebürtigen Saudis Abdullah Abderrahman al-Harbi bekannt; bereits am 17.2. hatte Jemen ein führendes Mitglied des regionalen Al-Qaida-Netzes, Mohammed al-Awfi, an Saudi-Arabien ausgeliefert.
Bei einem Anschlag in der Nähe der Stadt Schibam im Süden des Landes wurden am 15.3.2009 vier südkoreanische Touristen und ein Jemenit getötet. Ein Selbstmordattentat gegen einen Fahrzeugkonvoi der südkoreanischen Botschaft in Sanaa am 18.3., in dem sich die Überlebenden jenes Anschlags sowie koreanische Ermittler befanden, scheiterte; nur der Attentäter kam ums Leben. In einer Internet-Botschaft übernahm Al-Qaida am 27.3. die Verantwortung für die Taten.
Am 25.3.2009 gab das Innenministerium die Verhaftung von sechs mutmaßlichen Al-Qaida-Kämpfern bekannt, die Angriffe auf Erdölanlagen und Touristen geplant hätten.
Der in Guantánamo inhaftierte Jemenite Salim Hamdan, der u.a. als Chauffeur für Osama bin Laden gearbeitet hatte, wurde am 25.11.2008 nach Jemen abgeschoben, wo er den Rest seiner fünfeinhalbjährigen Haftstrafe bis Anfang 2009 absitzen sollte. Entführungen:
Eine deutsche Entwicklungshelferin und ihre Eltern wurden am 14.12.2008 in der Provinz Dhamar von Stammesangehörigen entführt und bereits am 19.12. wieder freigelassen. Die jemenitische Regierung soll sich bereiterklärt haben, ein Lösegeld von 100.000 US-$ zu zahlen und einige Stammesangehörige aus dem Gefängnis zu entlassen.
Am 17.1.2009 wurde ein deutscher Mitarbeiter eines Erdgasunternehmens zusammenn mit zwei jemenitischen Kollegen entführt; sie kamen nach zwei Tagen wieder frei. Ein Verwandter der Entführer sollte dafür aus dem Gefängnis entlassen werden. Am 31.3. wurde ein niederländisches Ehepaar entführt, es kam nach zwei Wochen wieder frei.
Die Entführung von neun Ausländern, darunter sieben Deutsche, am 12.6.2009 in der Provinz Saada war nach Medienberichten untypischerweise nicht mit Lösegeld- oder sonstigen Forderungen verbunden, stattdessen wurden am 15.6. die Leichen von drei Frauen, zwei Deutschen (zwei Schülerinnen der "Bibelschule Brake" in Lemgo, d.Verf.) und einer Südkoreanerin, gefunden. Aufgrund der brutalen Morde wurde eine Verbindung zu Al-Qaida für möglich erachtet. Tausende von Jemmeniten protestierten am 17.6. in Saada gegen die Tat. Der Provinzgouverneur setzte eine Belohnung in Höhe von 25.000 US-$ für das Ergreifen der Entführer aus. [...] Russland:
Am 24.2.2009 traf Präsident Saleh zu einem Staatsbesuch in Russland ein. Dabei wurde ein Abkommen über einen Waffenkauf im Umfang von 1 Mrd. US-$ abgeschlossen, der Kampfflugzeuge vom Typ MiG-29, Hubschrauber und Panzer umfassen soll. Weitere Gesprächsthemen waren Kooperation im Kampf gegen den Terrorismus und im Energiesektor.«
Aus: Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, S. 289 f.
Literatur
Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.730 f.