Willkommen in Ägypten

[Ägypten] [Reform und Revolution] [Suche nach dem richtigen Entwicklungsweg]
[Die Menschen] [Die Al-Azhar-Universität]
[Entwicklungen: Muslimbrüder - Krise - Proteste] [Die Neue Freiheit] [www-Links] [Literatur]

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Offizieller Name: Arabische Republik Ägypten
Hauptstadt: Kairo
Fläche: 1.001.449 km² (davon 94,5% Wüsten)
Landesnatur: Libysche Wüste westlich des Nil, Uferoase des Nil, Arabische Wüste östlich des Nil, Sinai-Halbinsel im Osten
Klima: Subtropisches Klima
Hauptflüsse: Nil
Höchster Punkt: Jabal Katrinah 2642 m
Tiefster Punkt: Kattarasenke -133 m
Regierungsform: Präsidiale Republik [seit Februar 2011 Militärregierung]
Staatsoberhaupt: Staatspräsident [seit Februar 2011 Vorsitzender des Obersten Militärrates]
Regierungschef: Premierminister
Verwaltung: 29 Gouvernements
Parlament: Nationalversammlung ("Rat des Volkes") mit 454 Mitgliedern, "Schura" (210 Mitglieder)
Nationalfeiertag: 23. Juli
Einwohner: 67.226.000 (1999); 80.471.869 (2010) darunter etwa 1% Minderheiten (Nubier, Beduinen, Sudanesen, Syrer, Beja und Europäer)
Bevölkerungsdichte: 67 Ew./km² (1999); Am Nil und in seinem Mündungsdelta leben 99% der Bevölkerung
Stadtbevölkerung: 46% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 35% (1999)
Analphabetenquote: 45%
Sprache: Hocharabisch (Amtssprache), Englisch und Französisch als Bildungs- und Handelssprachen
Religion: Moslems ca. 94% (Sunniten), Kopten 6%, Minderheiten von Katholiken, Protestanten, Griechisch-Orthodoxen und Juden
Währung: Ägyptisches Pfund
Importgüter: Maschinen, Fahrzeuge, Weizen, Weizenmehl, Stahl, Eisen, Holz
Exportgüter: Baumwolle und -garne, Textilien, Erdöl und Erdölprodukte, Halbfertigwaren, Reis, Ölsamen, Gemüse
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Sonnenuntergang Cheops-Pyramide
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Sonnenuntergang Cheops-Pyramide. 1986.


Tempel der Hatschepsut
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Tempel der Hatschepsut. 1986.


Karnak-Tempel in Luxor
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Karnak-Tempel in Luxor. 1986.


In der Königskammer der Cheops-Pyramide
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In der Königskammer der Cheops-Pyramide. 1986.


Die Memnon-Kolosse
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Die Memnon-Kolosse. 1986.


Sonnenuntergang auf dem Nil
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Sonnenuntergang auf dem Nil. 1986.


Eine Nilreise mit der Felluke "Raujah"
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Eine Nilreise mit der Felluke "Raujah". 1986.


Sonnenaufgang auf dem Nil
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Sonnenaufgang auf dem Nil. 1986.



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Ägypten

Schon im Altertum lockte es Reisende in das Land am Nil, das laut Herodes (um 485 v.Chr. - um 425 v.Chr.) "mehr wunderbare Dinge und erstaunliche Werke enthält als alle anderen Länder". Diese Anziehungskraft ist bis heute ungebrochen - im Gegenteil: Seit Herodot hat Ägypten weiter Geschichte gemacht, wurde zu einem der ersten christianisierten Länder der Erde und zur Wiege des Mönchtums - und nach der arabischen Eroberung zu einem einzigartigen Sammelpunkt islamischer Gelehrsamkeit und prächtiger Bauten.
Götter und Pharaonen sind noch immer Ägyptens beste Werbeagenten. Keine andere frühe Hochkultur vermittelt sich so anschaulich: Gewaltige Pyramiden zeugen von der gemeinschaftlichen Leistung eines Volkes, feierliche Prozessionswege zu den Tempeln erzählen vom Götterkult und fröhlichen Festen, farbenprächtige Reliefs in den Gräbern geben Aufschluss über das Leben im Diesseits und über die Vorstellungen von den Freuden und Leiden im Jenseits. Daneben verdienen aber auch die Kirchen der Kopten, die Moscheen und das Koptische und das Islamische Museum in Kairo das Interesse des Besuchers.
Die faszinierenden Kulturdenkmäler früherer Epochen drängen das gegenwärtige Ägypten meist in den Hintergrund. Zu vielschichtig sind die wirtschaftlichen und sozialen Probleme, die durch die besondere geographische Situation noch zusätzlich verschärft werden.
Ägypten ist zwar eines der flächenmäßig größten Länder der arabischen Welt, doch bestehen 96% seines Territoriums aus Wüste. Auf den restlichen 4% drängen sich über 80 Millionen Menschen, und Jahr für Jahr kommt eine weitere Million hinzu. Der traditionelle Kultur- und Siedlungsraum - der schmale Landstreifen entlang des Nils und dessen Mündungsdelta - lässt sich nur durch langwierige und teure Projekte der Neulandgewinnung in die Wüste hinein erweitern. Gleichzeitig jedoch geht wertvoller Boden durch Straßen- und Wohnungsbau oder für die Herstellung von Lehmziegeln verloren. Das Missverhältnis zwischen Einwohnerzahl und verfügbarem Boden wird immer drastischer. Auf Schritt und Tritt wird der Besucher mit diesem Grundproblem Ägyptens konfrontiert. Wer vielseitig interessiert ist, wird sich dennoch auch dem heutigen Ägypten nicht verschließen können - dem Zauber der Nillandschaft und der schattigen Lehmdörfer, dem Gegensatz zwischen dem fruchtbaren Niltal und angrenzenden Wüstengebieten mit den eingestreuten Oasen, der faszinierenden Landschaft im Sinai, dem schnellen Rhythmus der Metropole Kairo und dem Charme verschlafener Kleinstädte, vor allem aber den freundlichen Menschen.
Die Vorgeschichte Ägyptens endete, als gegen 3000 v.Chr. König Medes das Niltal zu einem zentralistischen Staat zusammenschloss.
Einen ersten Höhepunkt erlebte das pharaonische Ägypten während des Alten Reiches (2640-2160 v.Chr.). Die gewaltigen Pyramidenbauten von Djoser, Snofru, Cheops, Chephren und Mykerinos waren Ausdruck der uneingeschränkten königlichen Macht, die unter den Nachfolgern jedoch zusehends verfiel. Mit dem Alten Reich zerbrach zugleich ein auf Ewigkeit ausgerichtetes Weltbild. Erst hundert Jahre später stabilisierte sich die politische Situation, als das Land vom oberägyptischen Theben aus erneut geeint wurde. Aber auch das Mittlere Reich (2040-1650 v.Chr.) hatte seine Kräfte erschöpft, als die Hyksos aus Vorderasien das Land für hundert Jahre besetzten.
Durch Eroberungen zu Beginn des Neuen Reiches (1551-1070 v.Chr.) dehnte Ägypten sein Herrschaftsgebiet zeitweise bis zum Euphrat aus. Internationale Handelsbeziehungen und Tributzahlungen eroberter Völker brachten sagenhafte Reichtümer ins Land. In jener Zeit wurde das Tal der Könige angelegt, wuchsen die Tempel in Theben. Auch nach den Wirren, die König Echnaton (1364-1347 v.Chr.) mit seinen politischen und religiösen Reformen ausgelöst hatte, erlebte das Land noch glanzvolle eineinhalb Jahrhunderte. Aufreibende Kriege, Wirtschaftskrisen und Korruption kennzeichnen schließlich das Ende einer eigenständigen Geschichte. Aber auch die folgenden Fremdherrscher - Libyer, Äthiopier und Perser - stellten sich alle in die ruhmreiche Tradition der Pharaonen. 332 v.Chr. eroberte Alexander der Große kampflos Ägypten und gründete Alexandria. Nach seinem Tod teilten seine Feldherren das Weltreich auf, Ptolemaios erhielt das Land am Nil. Er begründete die Dynastie der Ptolemäer, die 30 v.Chr. mit dem Tod der Königin Kleopatra endete. Geschickt hatten die Römer die chaotischen Zustände im Land und die Thronstreitigkeiten innerhalb der Herrscherfamilie für eine Invasion genutzt. Ägypten wurde Provinz des Römischen Reiches. Bei der Reichsteilung 395 n.Chr. fiel das inzwischen christianisierte Land an Byzanz.
Christliche Kreuzfahrer und ungläubige Mongolen erschütterten im 12./13. Jahrhundert die islamische Welt und bedrohten auch Ägypten. Beide Gefahren konnten abgewehrt werden. Gestärkt gingen Ägyptens Herrscher, die von Militärsklaven abstammenden Mamluken, aus dem Ansturm der Mongolen hervor. Trotz oft erbitterter innenpolitischer Machtkämpfe bestimmten sie Ägyptens Geschick bis in die Neuzeit. Selbst die Eroberung durch das militärtechnisch überlegene Osmanische Reich im Jahr 1517 änderte nur wenig an ihrem Einfluss, denn für die neuen Machthaber war das Land am Nil eine bedeutungslose Randprovinz. 1798 nahm Napoleon ein wirtschaftlich ruiniertes Land ein.

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Reform und Revolution

Nach dem Ende der kurzen französischen Besetzung reorganisierte der einstige osmanische Offizier Mohammed Ali (1769-1849) das abgewirtschaftete Land. Seine vielseitigen Reformen, die ihn zum "Vater des modernen Ägyptens" machten, finanzierte er aus dem Anbau und Export von Baumwolle. Die Textil- und Rüstungsfabriken der 1830er Jahre stehen für den ersten Versuch einer Industrialisierung.
Schon bald unter seinen Nachfolgern bahnte sich jene dramatische Entwicklung an, die knapp hundert Jahre später zur Revolution führen sollte: hohe Staatsausgaben für ehrgeizige Reformprojekte, wachsende Verschuldung und als Folge extreme soziale Spannungen.
Mit dem Verkauf der Suez-Kanal-Aktien an England lieferte sich Ägypten vollends fremden Interessen aus, zu deren Schutz es 1882 für über siebzig Jahre besetzt wurde. Ägypten wurde zum weltmarktabhängigen Baumwoll-Lieferanten für die englische Textilindustrie. Aus Protest gegen die Fremdbestimmung nahmen nationalistische Strömungen zu. In den Nachkriegsjahren erreichte die politische, wirtschaftliche und soziale Krise Ägyptens ihren Höhepunkt. Der letzte Erbe der Dynastie Mohammed Alis, König Faruk (1920-1965), musste nach einem unblutigen Staatsstreich 1952 ins Exil gehen.

Suche nach dem richtigen Entwicklungsweg

Ägypten ist ein Entwicklungsland, das glücklicherweise gute Potentiale besitzt: natürliche Ressourcen wie den Nil, die fruchtbaren Böden und das Erdöl, eine günstige Verkehrslage, einen großen Binnenmarkt und natürlilch den wirtschaftlich und geopolitisch bedeutsamen Sueskanal (seit 1869).

Trotz ganz unterschiedlicher Strategien und zeitweise beeindruckender Wachstumsraten haben jedoch weder Gamad Abd An Nassers (1918-1970) Politik des "Arabischen Sozialismus" noch Anwar As Sadats (1918-1981) westlich orientierte "Öffnungspolitik" einen dauerhaften Entwicklungsprozess in Gang setzen können: Die Landwirtschaft kann die Bevölkerung nicht ernähren, die Industrie ist auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig, das Haushaltsdefizit ist chronisch, die Staatsbürokratie aufgebläht.

SEKEM ("sonnenhafte Lebenskraft") - Ein alternatives Projekt mit Nachhaltigkeit

SEKEM, 1977 von Dr. Ibrahim Abouleish gegründet, ist ein soziokulturelles Unternehmen, das neben unterschiedlichen pädagogischen Einrichtungen, ein Gesundheitszentrum und ein ökologisches Landwirtschaftsprojekt betreibt, dessen Erzeugnisse Demeter-Qualität entsprechen.
Am 8. Dezember 2003 erhielt Ibrahim Abouleish den "Alternativen Nobelpreis" für sein Projekt.

Siehe auch:
www.sekem-freunde.de
www.rightlivelihood.org - The "Alternative Nobel Prize"

Durch eine hohe Außenverschuldung waren auch die Handlungsspielräume des bis 2011 amtierenden Präsidenten Hosni Mubarak eng begrenzt. Sein besonnener Kurs ging immer wieder im innen- und außenpolitischen Krisenmanagement unter. Vor allem die steigenden Lebensmittelimporte verschlangen einen immer größeren Anteil der knappen Deviseneinnahmen.
Kein Wunder, dass angesichts dieser Dauerkrise viele Ägypter das Vertrauen in die Politik verloren haben. Vor allem mussten sie die Erfahrung machen, dass die importierten gesellschaftlichen Modelle - egal ob Sozialismus oder Kapitalismus - bei der Lösung der drängenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme versagt haben.
So entstanden bereits in den 1970er Jahren fundamentalistische Bewegungen, für die der Islam allein die Antwort auf die Krise der ägyptischen Gesellschaft geben kann und die sich seit Beginn der 1990er Jahre zunehmend radikalisierten. Sie versuchten mehrfach durch Attentate auf Touristen, wie im November 1997 nahe Luxor, die wirtschaftliche Krise zu verstärken.

Die Menschen

Im Gegensatz zu fast allen anderen Staaten des Nahen Ostens und Afrikas ist Ägypten nicht zusätzlich von ethnischen Problemen belastet. Die Bevölkerung besteht überwiegend aus den arabisierten Nachkommen der alten Ägypter, einem hamitisch-semitischen Mischvolk. Schon in der Vorzeit waren die Grundlagen einer Agrargesellschaft geschaffen worden, nachdem die vorwiegend nomadische Bevölkerung durch eine bäuerliche abgelöst worden war.
Ethnische Minderheiten bilden heute die dunkelhäutigen hamitischen Nubier, die Beduinen, die meist arabischer Herkunft sind, und die Sudanesen im Süden. Der ursprüngliche Siedlungsraum der etwa 100.000 Nubier ist heute vom Nasser-See bedeckt. Sie wurden bei Kawm Umbu (Kom Ombo) in Oberägypten neu angesiedelt. Nur noch wenige der etwa 250.000 Beduinen ziehen mit ihren Kamelherden durch Ägyptens Wüstengebiete. Viele sind sesshaft geworden und arbeiten in der Öl- und Bauwirtschaft oder im Tourismus.
Die arabischen Eroberer haben sich überwiegend mit den Städtern vermischt. Daher kommt die ländliche Bevölkerung, die Fellachen des Niltals, im Aussehen ihren altägyptischen Vorfahren wohl noch recht nah. Ähnlich ist es mit den Kopten, die sich als Christen nicht mit den moslemischen Arabern verbanden. Als größte religiöse Minderheit im Nahen Osten stellen sie ca. 10% der Bevölkerung.

Koptenverfolgung

Etwa 6 Millionen Kopten leben in Ägypten, »[...] eine weitere halbe Million Kopten lebt in anderen Ländern, davon schätzungsweise 6.000 in Deutschland. [...]« Die zunehmende Gewalt gegen die Christen in Ägypten nimmt ab Ende 2010 und mit dem Sturz der Muslimbrüder ab Juli 2013 immer brutalere Formen an. Allein im August 2013 wurden 60 Kirchen und christliche Einrichtungen Ziel muslimischer Anschläge, »[...] hunderte christliche Geschäfte und Wohnungen wurden geplündert oder gingen in Flammen auf [...]« (Zitat: Radio Vatikan, Gebet für Kopten in Ägypten, 20.08.2013).

Der Weltverfolgungsindex 2012 macht in erschütternder Weise deutlich in wie vielen Ländern Christen wegen ihrer Religionszugehörigket verfolgt, diskriminiert, gefoltert und ermordet werden. Etwa alle 3 Minuten wird ein Christ wegen seines Glaubens getötet. Siehe hierzu: Interreligiöser Dialog bei Franz von Assisi

Moslems und Christen
Im Jahr 640 wurde das christliche Ägypten von den Arabern erobert. Allmählich durchdrangen Kulturkreis, Religion und Sprache der neuen Herren das Land und legten den Grundstein des heutigen islamischen und arabisierten Staates. 969 wurde Kairo gegründet und entwickelte sich bald zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum des Landes.

Ägypten ist ein islamisches Land, in dem etwa 90% der Bevölkerung sunnitische Moslems sind. Der Islam kennt keine Trennung von Politik, Gesellschaft und Religion: Er regelt sämtliche Lebensbereiche bis ins Detail und weist dem Gläubigen dadurch den rechten Weg. Ägyptens Gesetzgebung orientiert sich an den Prinzipien der Scharia, dem islamischen Recht. Versuche religiöser Gruppierungen, die Scharia als allein gültiges Gesetz einzuführen, sind im Parlament bisher gescheitert.
Natürlich empfinden die rund sechs Millionen Kopten diese Tendenzen als beunruhigend. Über die Jahrhunderte hinweg hat es letztlich jedoch nie Zweifel an der nationalen Einheit von Moslems und Kopten gegeben. Auch sind die ägyptischen Christen gesellschaftlich voll integriert und gehören allen sozialen Schichten an. Besonders zahlreich sind sie in den freien Berufen vertreten, aber auch die Ärmsten der Armen, Kairos private Müllsammler, sind überwiegend Kopten.

Die Spannungen zwischen den beiden Religionsgruppen haben sich nach der katastrophalen Niederlage Ägyptens gegen Israel im Junikrieg 1967 und durch die anhaltende wirtschaftliche Krise erhöht. Ausdruck dieser Krise war nicht nur eine allgemeine religiöse Rückbesinnung bei Christen wie Moslems, sondern auch ein wachsender religiöser Fanatismus der islamischen Fundamentalisten.

31.12.2010: Anschlag auf Kopten in der Silvesternacht

Bei einem blutigen Anschlag auf eine Kirche in Alexandria in der Silvesternacht sind 21 Menschen ums Leben gekommen. In Alexandria und Kairo gingen Hunderte Kopten auf die Straßen und lieferten sich Straßenkämpfe mit den Sicherheitskräften und mit Muslimen.

Die Al-Azhar-Universität

Im Juli des Jahres 969 ließ ein ehemaliger Sklave mit Namen Gohar sein Heer von Tunesien bis zu den Ufern des Nil in Ägypten marschieren, wo ihm der Sage nach ein schwarzer Hund die günstigste Stelle zur Überquerung des Flusses gezeigt haben soll. Am Ostufer sollte er den Grundstein der modernen Stadt Kairo, arabisch "AI Qahirah", der neuen Hauptstadt der Fatimiden, und der großen Al-Azhar-Moschee, des Zentrums der islamischen Lehre, legen. Die Dynastie der Fatimiden ist nach Fatima benannt, der Ehefrau Alis, Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed. Ihrer Meinung nach hatten sie als Nachkommen Alis und Fatimas ein größeres Anrecht auf die führende Rolle in der islamischen Gemeinschaft als die abbasidischen Kalifen in Bagdad.

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Nachdem Gohar Gizeh erreicht hatte, heute ein Vorort Kairos, entdeckte er, dass die Pest in der Stadt grassierte. In der Region waren ihr eineinhalb Millionen Menschen zum Opfer gefallen. Die Menschen baten Gohar um Gnade, und er verbot seinen Soldaten, den Bewohnern Schaden zuzufügen und die Stadt zu plündern. In einem höher gelegenen Gebiet nördlich der Stadt errichtete er sein Lager und entschied sich, an dieser Stelle, etwas nördlich der älteren Siedlung Fustat (640 durch die ersten in Ägypten eindringenden Araber gegründet), seine Hauptstadt anzulegen.

Die neue Stadt
Am 5. August 969 wurde am nordöstlichen Stadtrand des heutigen Kairo im freien Gelände ein Quadrat von 1100 m Seitenlänge abgesteckt. Die Astrologen Gohars versammelten sich, um den günstigsten Moment für den Beginn der Eröffnungszeremonie zu bestimmen. An Seilen wurden Glocken aufgehängt, die als Signal für die Arbeiter geläutet werden sollten, sobald die Astrologen eine Entscheidung getroffen hätten. Ein Rabe setzte sich jedoch auf die Seile, löste das Glockengeläut aus, und die Arbeiter gingen augenblicklich ans Werk. Obwohl der Zeitpunkt von den Astrologen als unglücklich erachtet wurde, war es nun zu spät. - Die Stadt erhielt den Namen "AI Qahirah" (arabisch "die Siegreiche"). Innerhalb ihrer Mauern legte Gohar auch den Grundstein zur Al-Azhar-Moschee (AI Azhar, arabisch "die Prächtige").

Die Zabbalin
-- Müllsammler in Kairo


In Kairo gibt es acht Müllsiedlungen und rund 60.000 Müllmenschen: die "Zabbalin" (auch "Zabalin", "Zabbaleen" oder "Sabalin"). Die ausschließlich vom Müll der Stadt lebenden Menschen gehören in der Regel der koptischen Bevölkerungsgruppe an.
Eine bedeutende Symbolfigur der Zabbalin war Schwester Emmanuelle. Sie ließ Schulen und Kindergärten bauen, unterrichtete die Menschen in Lesen und Schreiben und sammelte Geld für ihre Schützlinge. Die "Mutter der Müllmenschen Kairos" starb im Oktober 2008 fast 100jährig.

Im islamischen Fastenmonat Ramadan des Jahres 973 kam der Kalif AI Muizz aus Mahdiyah in seine neue Hauptstadt. Feierlich ritt er in den großen Hof des Palastes ein, den Gohar für ihn erbaut hatte. Von dort aus betrat er die Al-Azhar-Moschee und hielt eine Predigt.

Moschee und Universität
Die Moschee wurde bald auch als Universität genutzt, an der Studentengruppen den Vorlesungen der Gelehrten folgten, die ihre Vorträge an den großen Säulen der Moschee hielten. In der Regierungszeit von AI Aziz, des Nachfolgers von Muizz, wurden Moschee und Universität zum Zentrum der Verbreitung der schiitischen Glaubensrichtung der Fatimiden. Der Begriff Schiiten ist abgeleitet vom arabischen "schia" ("Partei", "Sekte"). Die Schiiten gehören zur "Partei" Alis, im Gegensatz zu den orthodoxen Sunniten, die der "Sunna", dem "Pfad" des Propheten Mohammed, folgen. 1171 war AI Azhar jedoch zur sunnitischen Glaubensrichtung zurückgekehrt.

Lehre und Andacht
AI Azhar ist ein weitläufiges Gebäude, das einen großen, quadratischen Innenhof umgibt. Die etwa 90.000 Studenten werden "mugawireen", "Nachbarn", genannt. Die traditionell unterrichteten Fächer waren: Flexionslehre, Syntax, Rhetorik, Verskunst, Logik, Theologie, das Auswendiglernen des Koran, das "Hadith" - "Erzählungen" des Propheten Mohammed -, die Scharia - die islamische Gesetzeswissenschaft - und Mathematik. Nach 1952 wurden weitere Studienfächer wie Algebra, Berechnung des moslemischen Kalenders und der Gebetszeiten angeboten. Der wichtigste Andachtsort ist die "qibla" an der nach Mekka gerichteten Seite. An jeder der übrigen drei Seiten befinden sich kleinere Säulenhallen, die als Studentenwohnheime, die sogenannten "riwaq", dienen. Jedes der Wohnheime ist für Studenten aus einem bestimmten Herkunftsland eingerichtet und enthält auch eine eigene Studentenbibliothek.

Als Napoleon in Ägypten eindrang, versuchte er die heiligen Männer (Scheichs) und die Vorbeter (Imame) davon zu überzeugen, dass er die Verteidigung des Islam im Sinne habe. Dennoch blieb AI Azhar auch in der Regierungszeit von Mohammed Ali, dessen Herrschaft in Ägypten bald nach Abzug der napoleonischen Armee begann, eine konservative Institution, die mit jeder Regierung, die in Ägypten an der Macht war, zusammenarbeitete, solange sie am Islam festhielt. So entschied beispielsweise auch die Ulema (die islamische Geistlichkeit) in AI Azhar, als Präsident Sadat 1979 seinen Friedensvertrag mit Israel unterzeichnete, dass diese Entscheidung annehmbar sei.

AI Azhar heute
Nach dem Staatsstreich Oberst Nassers im Jahre 1952 wurde der Bindung AI Azhars an den Islam zwar besonderer Nachdruck verliehen. Um die Loyalität der Universität gegenüber der Politik Nassers sicherzustellen, wurde AI Azhar allerdings strenger Regierungskontrolle unterstellt. Aus Protest traten einige Ulema zurück. 1961 wurde ein Gesetz zur Reorganisation der Universität verabschiedet, und vier nicht-religiöse Fakultäten kamen hinzu - Ingenieurwissenschaften, Kunst, Medizin und Landwirtschaft. Außerdem wurde ein übergeordneter Regierungsausschuss berufen, der seitdem für die Universität zuständig ist.

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Entwicklungen

Eines der einflussreichsten Sammelbecken islamisch-fundamentalistischer Prägung ist die 1928 in Kairo gegründete Muslimbruderschaft. Sie gilt als einzig ernstzunehmende Opposition in Ägypten. Eine umstrittene Verfassungsänderung, vorgelegt von Präsident Mohamed Hosni Mubarak im Dezember 2007, sieht u.a. ein Verbot von Parteien mit "religiösem Hintergrund" vor. Parlamentssitze sollen nur noch an Kandidaten vergeben werden, die auf der Liste einer zugelassenen Partei antreten, womit auch unabhängige Bewerbungen ausgeschlossen werden. Diese Maßnahmen richten sich insbesondere gegen die Muslimbruderschaft, deren islamistische Bewegung verboten ist und deren 88 Abgeordnete als Unabhängige 2005 ins Parlament gewählt worden sind.
Die Verfassungsreform wird von Amnesty International als "folgenschwere Untergrabung der Menschenrechte" kritisiert. Diese Reform billige außerdem der Staatsmacht weitreichende Kompetenzen in der Terrorbekämpfung zu, wie z.B. Verhaftungen von Verdächtigen, Hausdurchsuchungen und Abhörmaßnahmen ohne richterliche Genehmigung. Zahlreiche Razzien gegen Anhänger der Muslimbrüder ab Dezember 2006 führten zu Hunderten Festnahmen, darunter führende Funktionäre der Muslimbrüder, Studenten und Lehrkräfte der Al-Azhar-Universität. Anderen verhafteten Mitgliedern der Bruderschaft wurde die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung oder die Bildung einer militärischen Organisation vorgeworfen. Zahlreiche angebliche Parteikonten wurden eingefroren.

Die Muslimbruderschaft
Großbritannien ist Sitz der Föderation der islamischen Organisationen in Europa (FIOE), welche der Dachverband der verschiedenen Organisationen der Muslimbruderschaft ist. Amtierender Oberster Führer der Muslimbrüder ist seit 2004 Muhammad Mahdi Akif, der öffentlich den gewaltsamen Widerstand im Irak, die Selbstmordattentate der HAMAS und anderer palästinensischer Gruppen unterstützt und dem jüdischen Volk jegliches Existenzrecht zwischen Mittelmeer und Jordan abspricht. Zudem zeigt er sich mit Blick auf den Westen zuversichtlich, dass eine Islamisierung Europas und der USA nur eine Frage der Zeit sei. Die Muslimbruderschaft, 1928 in Ägypten gegründet, ist die größte islamistische Organisation des sunnitischen Islams und hat die schrittweise Errichtung eines weltweiten islamischen Staates auf der Basis der Scharia zum Ziel. Siehe auch: Homepage der Mutterorganisation in Kairo: The Muslim Brotherhood (Ikhwan) - Official English Website.

40 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze von 2 Dollar am Tag
Extrem niedrige, seit Jahren stagnierende Löhne bei steigenden Lebenshaltungskosten schüren die Unzufriedenheit der Masse der ägyptischen Bevölkerung. Da seitens der Regierung nicht ausreichend auf die Sorgen und Nöte der Menschen eingegangen wird, treibt es sie zunehmend in die Arme der Muslimbrüder. Eine Streikwelle mit insgesamt mehr als 50 Streiks in allen wichtigen Industriezweigen legte zwischen Dezember 2006 und Mai 2007 die ohnehin schwächelnde Wirtschaft lahm.
Explosionsartig gestiegene Lebensmittelpreise - insbesondere für Mehl und Brot - im ersten Quartal 2008 führten zu ausgedehnten "Hunger"-Protesten Zehntausender Menschen. Die 2008 gegründete "Jugendbewegung des 6. April" unterstützte die Arbeiter bei ihrem Streik am 6. April 2008. Ab 2011 war die Gruppe wesentlich bei den politischen Umwälzungen ab 2011 beteiligt.

Was die Proteste mit den Rothschilds verbindet

Die Rothschild-Familie kontrolliert mit ihren Zentral Banken und Internationalen Finanzfonds die Wirtschaft von Tunesien, Ägypten, Jemen, Jordanien und Algerien. Aufkommende konkurrierende regionale Banken, die nach dem scharia-konformen System des Islamic Banking funktionieren, sollen geschwächt werden. Der US-amerikanische Milliardär George Soros, der bei Rothschild’s "International Crisis Group" im Vorstand sitzt, organisiert seit Langem Trainings für sogenannte Pro-Demokratie-Aktivisten (siehe unter "Otpor"). Ziel ist, in den jeweiligen Ländern Chaos zu kreieren und während eines Machtvakuums, Personen zur Macht zu verhelfen, die den Interessen der mit den Rothschilds verbundenen Finanzorgane entsprechen.

Mohammed el-Baradei ist ein Treuhänder der "International Crisis Group"

Siehe auch:  Neue Weltordnung

"Otpor" (serbisch: Widerstand), das ukrainische Pendant heißt "Pora!". Otpor war eine serbische Organisation, die im Jahr 2000 auch Partei wurde, »[...] die bei politischen Umwälzungen in Osteuropa und der Kaukasusregion (Ukraine,  Georgien) aktive Unterstützung von Oppositionsparteien und -gruppen leistete.[...]« Die ägyptische "Jugendbewegung des 6. April" ließ sich von Otpor zu den politischen Umwälzungen in Ägypten ab 2011 inspirieren. Zahlreiche Widerstandsorganisationen, natürlich mit unterschiedlichen Namen, haben sich seit 2000 aus Otpor heraus entwickelt. Ihr Symbol ist die geballte Faust. Finanziert werden ihre Aktivitäten teilweise oder ganz durch westliche Organisationen staatlichen und privaten Charakters. Bedeutende Finanziers sind u.a. das "National Endowment for Democracy" (US-Außenministerium), "Freedom House" (finanziert von der US-Regierung sowie vom "Demokratieförderfonds der Vereinten Nationen" und "Open Society Foundations" von George Soros - die "Open Society Institute International Renaissance Foundation" unterstützt insbesondere Pro-Demokratie-Bewegungen in  Russland und den früheren Sowjetrepubliken). Die Methode von Otpor und ihren Zweiggruppen ist überall gleich. Nach Gründung einer Gruppe in einem Staat, werden spektakuläre Aktionen veranstaltet, die in den westlichen Medien ausgestrahlt werden. Symbole mit Wiedererkennungswert werden verwendet, wie z.B. Rosen oder die Farbe Orange etc. Nach Wahlen wird sofort von Wahlmanipulation gesprochen, womit eine verstärkte Aufmerksamkeit in westlichen Medien erreicht wird. Dann folgen friedliche Proteste, die im Verlauf eskalieren können, bis man im günstigsten Neuwahlen und den Sieg ihrer Gruppierung erreicht hat. Genauso läuft es gerade in der Ukraine ab. Pora! (es ist Zeit) wurde 2003 gegründet und hatte erheblichen Anteil an der "orangefarbenen Revolution" 2004. Pora (hauptsächlich finanziert von der US-Organisation "Freedom House") unterstützt z.B. Wladimir Klitschko und die "Partei Reform und Ordnung". Auch Vitali Klitschko ist aktiver Pro-Demokrat. Seit 2010 ist er Vorsitzender der UDAR (Ukrainische demokratische Allianz für Reformen) und will 2015 für das Präsidentenamt kandidieren. Bei allen Pro-Demokratie-Protesten, ob in der  Ukraine,  Thailand u.a. ist das alte Otpor-Symbol der geballten Faust zu sehen.
Zitat: de.wikipedia.org, Otpor

2012: Armut auch nach Mubarak.
Auch die Nach-Mubarak-Zeit hat keine Besserung der Lebenssituation der meisten Menschen gebracht, im Gegenteil. Aufgrund der Armut im Lande versuchen die Menschen irgendwie Geld zu verdienen und schrecken dabei auch nicht vor massiven Belästigungen von Touristen zurück. So kann es vorkommen, dass Taxis von ganzen Gruppen junger Leute umzingelt werden und die Touristen im Taxi z.B. zu Kamelritten bei den Pyramiden gezwungen werden sollen.

Januar 2011: Proteste gegen das Mubarak-Regime beginnen

Seit Dienstag, dem 25. Januar 2011, protestieren zehntausende Menschen gegen das System Mubarak
Inspiriert von den Protesten in  Tunesien wollen die Menschen einen Systemwechsel in ihrem Land. Die Probleme ähneln denen in Tunesien,  Algerien etc.: korrupte Regierungen, hohe Arbeitslosigkeit, Armut, Perspektivlosigkeit der jungen Leute, extrem gestiegene Lebenshaltungskosten (insbesondere Grundnahrungsmittel). 25. Januar 2011: Die Associated Press (AP) meldete um 15:43 h, dass tausende regierungskritische Demonstranten das Ende der Herrschaft von Hosni Mubarak fordern. Die Polizei ging mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor.
Die meist jungen Leute organisieren ihren Protest ganz wesentlich über Facebook und Twitter (siehe weiter oben "Jugendbewegung des 6. April" und "Otpor"). Wie AP meldete, hätten 90.000 Personen hätten ihre Teilnahme angekündigt.

Entschlossene Proteste gegen das Mubarak-System deuten nahen Regimewechsel an
Mubarak hat in seiner Fernsehansprache am Freitagabend (28. Januar 2011) klar gemacht, dass er die Demokratie stärken, soziale Verbesserungen vorantreiben und eine neue Regierung bilden wolle, selbst werde er aber nicht zurücktreten. Die Proteste bezeichnete er als eine Art Terrorismus, womit er das harte Vorgehen gegen die Demonstranten rechtfertigte. Zuvor hatten sich die Proteste zugespitzt. Ungeachtet einer verhängten Ausgangssperre gingen landesweit etwa 100.000 Menschen auf die Straßen. Es kam zu Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften, bei denen es Tote und Hunderte Verletzte gab. Erstmals wurde auch die Armee gegen die Demonstranten eingesetzt.

Ist die Muslimbruderschaft eine lang genutzte Geheimwaffe der Globalisten ?

Wie bei  infokrieg.tv am 2. Februar unter der Überschrift "Das abgekartete Spiel mit der Muslimbruderschaft" zu lesen ist, hätten »[...] die CIA als auch die britischen Geheimdienste [...]« die Gruppe seit Langem unterwandert und bereits in den 1950er Jahren benutzt im Kampf »[...] gegen arabischen Nationalismus, insbesondere den ursprünglichen Nationalismus der von Nasser in Ägypten beworben wurde. [...]« Wie es weiter heißt, sei die Muslimbruderschaft laut Aangirfan Blog »[...] eine Art muslimisches Äquivalent der westlichen Freimaurer-Bruderschaft [...]« Die größte Besorgnis der EU, USA und Israels bezieht sich von daher weniger auf eine Machtbeteiligung der Muslimbruderschaft. Mit einer berechenbare Islamistengruppe an der Regierung könnte »[...] die Masse der Menschen islamischen Glaubens [...]« aufgefangen werden, womit »[...] einer unter Umständen nicht mehr durchschaubaren, begrenzbaren und manipulierbaren Radikalisierung [...]« vorgebeugt werden könne, wie auf selbiger Seite ein Leser kommentiert.

Siehe auch:  Nationalsozialisten, CIA und Muslimbruderschaft: Die Geschichte des Islamischen Zentrums München

Die Sorge wächst vor einem islamischen Ägypten, regiert von der Muslimbruderschaft

In Israel macht man sich Gedanken darüber, wer im Falle eines Machtwechsels, eine neue Regierung stellen wird. Es wird befürchtet, dass die Muslimbrüder in Zukunft die politische Richtung vorgeben könnten und sich die Nahost-Region weiter destabilisieren würde.

Die Muslimbruderschaft als größte Oppositionsgruppe, verboten zwar aber geduldet, will sich offenbar an einer Interimsregierung beteiligen. In einen Dialog darüber wollen sie, wie auch der Friedensnobelpreisträger El Baradei, erst eintreten, wenn Mubarak von seinem Amt zurückgetreten ist. Umgekehrt will die Regierung nicht verhandeln, solange die Demonstranten ihre Proteste nicht eingestellt haben. Diese werden ihren Protest jedoch aufrecht erhalten, bis ihr Ziel erreicht ist.

Massenweise von der Regierung Mubarak rekrutierte Menschen gingen am 2. Februar 2011 gut organisiert und bewaffnet mit Pferden und Kamelen gegen die Systemgegner vor. Diese sogenannten Mubarak-Anhänger wurden angeblich von regierungsnahen Agenten mit großzügigen Geldangeboten gewonnen. In der Nacht vom 2. auf den 3. Februar kamen bei den Demonstrationen mehrere Menschen ums Leben, mehr als 1000 Menschen wurden verletzt. Die "Mubarak-Anhänger" gingen mit Knüppeln, Messern, Steinen, Molotow-Coctails und Schusswaffen gegen die Demonstranten vor.

Ein letztes Aufbäumen des Mubarak-Regimes
Die Mubarak-Regierung, die der Öffentlichkeit die Proteste als Komplott der USA und Israels vermitteln wollte, versuchte am 2./3. Februar mit Hilfe ihrer bewaffneten Anhänger die Proteste niederzuschlagen. Immer brutaler gingen die Mubarak-Leute auch gegen Journalisten vor. Am 3. Februar sollten die Demonstranten vom zentralen "Platz der Befreiung" (Tahrir) in Kairo vertrieben werden, was nicht gelang.
Wenngleich die Position des Militärs zu diesem Zeitpunkt noch unklar war, hat es am 3. Februar 2011 versucht, Mubarak-Anhänger und Demonstranten voneinander zu trennen. Soldaten mit Kalaschnikow-Gewehren wurden zwischen beiden Seiten postiert, womit eine etwa 80 Meter breite Trennungslinie geschaffen wurde.

Wie am Nachmittag des 3. Februar bekannt geworden ist, hat die Generalstaatsanwaltschaft angekündigt, führende Regierungs- und Wirtschaftsvertreter die Ausreise aus Ägypten zu untersagen.

5. Februar 2011: Parteiführung zurückgetreten
Am 5. Februar ist der Vorstand der regierenden Nationaldemokratischen Partei (NDP) zurückgetreten. Vorsitzender blieb weiterhin Mubarak, dem ein würdevoller Abgang ermöglicht werden soll. Wie die "New York Times" berichtet hat, sprach sich Ägyptens Führung um Vizepräsident Suleiman dafür aus, ihn nach Deutschland zu bringen - eine notwendige medizinische Behandlung solle die Einreise ermöglichen.

11. Februar 2011: Mubarak zurückgetreten

Hosni Mubarak hat sich nach 30-jähriger Herrschaft dem Druck der Protestbewegung ergeben. Am Freitag, den 11. Februar 2011, hat er endlich sein Amt als Staatspräsident niedergelegt. Die Staatsführung hat zunächst das Militär übernommen.

Die Neue Freiheit

4. März 2011: Essam Sharaf wurde vom Militärrat zum Übergangs-Regierungschef ernannt

Mai 2011: Blutige Auseinandersetzungen zwischen Kopten und Moslems eskalierten am 7. Mai. Zwei koptische Kirchen wurden Anschlagsziel von islamischen Extremisten. Zwölf Menschen starben. Gerüchte gehen um, dass die Tat vielleicht von alten Mubarak-Leuten durchgeführt worden ist, um die neue Staatsführung, das "revolutionäre Ägypten", zu schwächen und Chaos zu verursachen.

24. Mai 2011: Weltbank und IWF "helfen" Tunesien und Ägypten mit Milliardenkrediten bis zu 6 Milliarden US-$

9. Oktober 2011: Anschlag auf koptische Kirche in Assuan löst die schwersten Ausschreitungen seit dem Sturz von Präsident Husni Mubarak im Februar aus.

Ab dem 21. November 2011 finden in drei Phasen Wahlen für ein neues Parlament statt.

22. November 2011: Ägyptens Übergangsregierung hat ihren Rücktritt erklärt

Der Rücktrittserklärung gingen tagelange Proteste gegen die Regierung von Ministerpräsident Essam Scharaf und den Militärrat voraus. Scharaf, der anfangs sehr beliebt war bei den pro-demokratischen Kräften seines Landes, erwies sich gegenüber dem Militär als machtlos.
Inzwischen fühlen sich die Revolutionäre um ihre Revolution betrogen und fordern den Sturz von Mohammed Hussein Tantawi, den Vorsitzenden des Militärrates. Die Forderung nach einer zivilen Regierung wird immer dringlicher.
Die jüngsten Proteste forderten mindestens 26 Tote und mehr als 2000 Verletzte.

23.11.2011: Unterdessen gehen die Proteste weiter. Die Demonstranten fordern den sofortigen Rücktritt des Mililtärrats.

Die Muslimbrüder halten sich derweil mit Aussagen bezüglich einer Regierungsbeteiligung zurück und beteiligen sich nicht an den Massenprotesten.

Islam und Scharia für Ägypten

Die Al-Ahzar Universität, die seit dem Sturz Mubaraks wieder die führende Rolle in der Verbreitung des gemäßigten Islam und der religiösen Toleranz eingenommen hatte, erläutert in einem am 29. Juli 2011 veröffentlichten Dokument, warum die Scharia auch in Zukunft die grundsätzliche Quelle der Gesetzgebung in Ägypten sein müsse.
Der Nobelpreisträger El-Baradei, eine einflussreiche Figur während des Umbruchs, fordert ebenfalls, dass eine neue Verfassung für Ägypten Scharia, Islam als Staatsreligion und arabisch als offizielle Landessprache als staatliche Grundprinzipien formuliert.


25. November 2011: Der oberste Militärrat hat Kamal al-Gansuri zum Ministerpräsidenten ernannt.

Al-Gansuri war bereits von 1996 bis 1999 unter Hosni Mubarak Regierungschef. Er wurde nun mit der Bildung einer Übergangsregierung beauftragt.

7. Dezember 2011: Das neue Kabinett wurde vom Vorsitzenden des Militärrates, Mohammed Hussein Tantawi, vereidigt. Doch so neu ist das Kabinett nicht. Zahlreiche Minister waren auch schon im Vorgängerkabinett oder noch unter Mubarak im Amt.

Inzwischen zeichnet sich ein erster Trend bei den Wahlen ab. Für die die Muslimbrüder haben 40% und für die ultrakonservativen Salafisten 20% der Wähler gestimmt.

Am 21. Januar 2012 steht das Wahlergebnis fest

Die Muslimbrüder mit ihrer Partei "Freiheit und Gerechtigkeit" erhielten 47,2% und die Salafisten mit ihrer "Nur-Partei" kamen auf 24,6% der Wählerstimmen. Damit vereinen die Islamisten 75% der Stimmen und verfügen über zwei Drittel der Parlamentssitze. Diejenigen aber, die im Januar 2011 die ersten Massenproteste gegen das Mubarak-Regime initiiert hatten, spielen im neuen Parlament eher eine Nebenrolle.

1. Februar 2012: Tote und Verletzte in Port Said nach Fußballspiel

Um nun auch die letzten Zweifler von der Richtigkeit einer islamistischen Regierung zu überzeugen, gab die von den Muslimbrüdern gegründete "Partei der Freiheit und Gerechtigkeit" Anhängern des alten Mubarak-Systems die Schuld für die Krawalle. Wie es heißt, seien die Krawalle geplant gewesen.
Doch selbst wenn dies so nicht war, wird wohl deutlich - hier wie auch anderswo -, dass aufgestauter Frust sich eben Ventile sucht, um sich Luft zu machen. Und der Frust der Ägypter scheint sehr groß zu sein !

28. Mai 2012: Wahlergebnis aus der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen (23./24. Mai)

Ganz vorn liegen Ahmed Schafik (früherer Luftwaffenchef und letzter Ministerpräsident unter Mubarak) und Mohammed Mursi (Muslimbruderschaft). Am 16./17. Juni wird es zwischen beiden eine Stichwahl geben. Viele Menschen sind enttäuscht vom Wahlausgang und meinen, nun nur noch zwischen Pest oder Cholera, bzw. zwischen dem alte System Mubarak oder einem Religionsstaat wählen zu können... Nichts von beidem wollen die Menschen. Nach der Verkündigung der Wahlergebnisse, zogen tausende Menschen protestierend auf die Straßen von Kairo, Alexandria und Suez.

Mittwoch, 20. Juni 2012: Mubarak im Koma

Ägyptens früherer Präsident Husni Mubarak wurde am 2. Juni zu lebenslanger Haft verurteilt. Viele tausend Menschen fordern jedoch die Todesstrafe. Nun, da Mubarak offenbar nach einem Hirnschlag seit dem 20. Juni im künstlichen Koma liegt, dürfte sich die Forderung nach einer Hinrichtung erübrigt haben.

Sonntag, 25. Juni 2012: Mohammed Mursi (Muslimbruderschaft) ist neuer Präsident

Mohammed Mursi, der als Kandidat der Muslimbruderschaft bei den Präsidentschaftswahlen angetreten war, gab nach der gewonnenen Stichwahl bekannt, dass er aus der Muslimbruderschaft ausgetreten sei, da er Präsident ALLER Ägypter sein wolle. Viel Macht hat Mursi aber bislang nicht, denn die liegt beim Obersten Militärrat, der noch 2 Tage vor der Stichwahl das Parlament und die verfassungsgebende Versammlung aufgelöst und eine Verfassungsänderung durchgeführt hat, die die Macht des Militärs festigt. So verfügt der Artikel 53, dass der Militärrat über dem Gesetz stehe. Mit diesem Artikel wird der wirtschaftliche und politische Einfluss des Militärs noch mehr ausgeweitet und die Kontrolle über alle künftigen Regierungen und auch über den Präsidenten gefestigt.

August 2012: Mursi sichert sich Macht

Anfang August sieht es dann aber doch so aus, als habe sich Mursi gegen das Militär durchgesetzt. Durch die Spaltung und Entmachtung der obersten Militärführung, konnte Mursi bedeutende Teile des Militärs auf seine Seite ziehen. Von den neuen Generälen des Militärrats erhielt Mursi die Zustimmung der Rückgabe aller exekutiven Kompetenzen bei erfolgter Verfassungserklärung. Es geht nun darum, eine neue Verfassung für Ägypten zu erarbeiten, die auch in der Gesellschaft breite Zustimmung findet. Es bleibt spannend. Auf der anderen Seite warnen bereits viele vor einer Islamisierung des Landes.

Siehe: diepresse.com, Mursis gefährliche Machtfülle, 13.08.2012

November 2012: Eskalation zwischen Hamas und Israel
Am 14. November wurde der Kommandeur der Izz ad-Din al-Qassam-Brigaden (militärischer Arm der Hamas), Ahmad al-Ja'bari, bei einem israelischen Raketenangriff auf den Gazastreifen getötet. Dieser Vorfall bringt nun beide Seiten an den Rand eines möglichen neuen Krieges.
Israels Inlandsgeheimdienst "Shin Bet" bestätigte, den Angriff durchgeführt zu haben. Wie es heißt, wurde Ja'bari wegen seiner "jahrzehntelangen terroristischen Aktivitäten" getötet, gleichzeitig habe man mit dieser Operation die Kommando- und Kontroll-Kette der Hamas-Führung stark beeinträchtigt.
Am 15. November flogen etliche Raketen vom Gaza-Streifen auf israelisches Gebiet, die wiederum von israelischen Angriffen erwidert wurden. Erstmals seit 1991 gab die israelische Regierung Luftalarm für Jerusalem, wenig später gab es auch Luftalarm für Tel Aviv. Tausende israelische Reservisten-Soldaten werden derzeit auf einen Einsatz vorbereitet. Die Hamas soll vollständig zerschlagen werden. Die Bevölkerung Israels solle sich auf einen siebenwöchigen Kampf einstellen.
Ägyptens Präsident Mursi, der der Muslimbruderschaft nahe steht, unterstützt die Hamas und bezeichnete die getöteten Palästinenser als Märtyrer. Als symbolische Geste hat Ägyptens Premierminister Kandil den Gaza-Streifen besucht.
Tausende Menschen in Ägypten und  Iran protestieren gegen die israelischen Raketenangriffe. Iran hat sich klar hinter die Hamas und hinter Palästina gestellt. Was nun noch fehlt ist die seit Längerem angedachte "False Flag Operation", wie z.B. ein Angriff auf  Israel, den man dann Iran in die Schuhe schieben kann, um den lang ersehnten Krieg gegen Iran beginnen zu können.
Siehe auch: occupiedpalestine.wordpress.com, Blogg

November 2012: Präsident Mursi ist nun Dank Verfassungsänderung der neue absolute "Pharao" im Lande - Proteste.
Gegner protestieren gegen die Machtfülle des Präsidenten und den unanfechtbaren Einfluss der Muslimbrüder. Nachdem liberale Regierungsmitglieder das Verfassungskommittee verlassen haben und auch Angehörige der Justiz Protest gegen ihre Entmachtung eingelegt haben, begannen ab Freitag, dem 23. November, gewalttätige Konfrontationen zwischen Mursi-Gegnern und -Symathisanten sowie Sicherheitskräften. Bis zum 27. November gab es Hunderte Verletzte und mindestens zwei Tote. Ein Ende der Auseinandersetzungen wird es erst geben, wenn Mursi seine letzten Verfassungsänderungen rückgängig macht und den Weg zu einer demokratischen, säkularen Gesellschaftsordnung ebnet.

Dezember 2012: Proteste gegen Präsident Mursi reißen nicht ab. Droht ein Bürgerkrieg ?
Zehntausende Menschen protestieren gegen die Regierung von Präsident Mursi. Viele Beobachter befürchten eine Entgleisung der aktuellen Spannungen in einen Bürgerkrieg. Dem Militär wurden unterdessen Polizeiaufgaben übertragen. Der Sprecher der salafistischen al-Nour-Partei warnte, dass im Falle eines Anschlags auf Mursi sofort die islamische Revolution ausgerufen und ein islamischer Staat errichtet werde. Trotz der Gefahren wollte Mursi bezüglich der im November erarbeiteten Verfassungsänderung keine Zugeständnisse an die Opposition machen.
Bei einer Wahlbeteiligung von unter 40 Prozent stimmten am 15.12. mehr als 50 Prozent der stimmberechtigten Ägypter für die Verfassungsänderung (Referendum).

Januar/Februar 2013: Proteste und sexuelle Gewalt gegen Frauen
Auch im neuen Jahr halten die Proteste gegen die Mursi-Regierung an. Ein großer Teil der Bevölkerung lehnt einen Scharia-Gottesstaat ab.
Seitdem Islamisten die Regierung stellen, hat die sexuelle Gewalt gegen Frauen drastische Formen angenommen. Von Massenvergewaltigungen bei Kundgebungen wird berichtet. Frauen müssen nun besonders beschützt werden. Die Frauen fordern entschieden den Rücktritt der Mursi-Regierung. In ihrer entschiedenen Haltung haben die Frauen angekündigt, demnächst auch nackt gegen die Regierung zu protestieren.

April 2013: Misshandlungen durch Sicherheitskräfte sind an der Tagesordnung
Aus den Demonstrationszügen werden immer wieder Leute willkürlich von Sicherheitskräften herausgeholt und verhaftet. Sie werden meist sehr brutal gefoltert, wobei sie traumatische Verletzungen erleiden. In den Gefängnissen sind die Haftbedingungen mehr als erschreckend. Oft müssen die Gefangenen mit mehr als 100 Mitgefangenen eine Zelle teilen, können nur im Sitzen schlafen, umgeben von Fäkalien (siehe: diepresse.com, "135 Gefangene in einer Zelle, Fäkalien auf dem Boden: Der Fall eines in Kairo inhaftierten Österreichers wirft ein Schlaglicht auf die Haftbedingungen am Nil." 26.04.2013.)

Ägypten ist inzwischen hoffnungslos verwahrlost. Immer mehr Menschen sind obdachlos, verhungern und sterben in den Straßen. Wie die Oppositionellen sagen, wollen die Muslimbrüder und die salafistische al-Nour-Partei mit Hilfe ihrer Schlägertruppe das Land zu einem Schariastaat machen und dagegen müsse mit allen Mitteln gekämpft werden. Richtig, es stellt sich mir nur die Frage, ob die in sich gespaltene Opposition zum einen autark agiert und zum anderen die Potenz hat, eine positive Alternative erkämpfen zu können, oder ob nicht die Entwicklung nach Mubarak von einflussreicheren Kräften gesteuert wird (siehe weiter oben "Ist die Muslimbruderschaft eine lang genutzte Geheimwaffe der Globalisten ?"), die nach dem altbewährten Motto "teile und herrsche" operieren, um ihre Interessen durchzusetzen (vgl. auch salafistische Oppositionelle z.B. in Syrien u.a. werden von westlichen Staaten unterstützt).

30. Juni / 1. Juli: Nahezu eine Million Menschen protestierten in Kairo und anderen Städten

Anlässlich des ersten Jahrestages der Regierung Mursi protestierten in Kairo und anderen Städten nahezu eine Million Menschen gegen die Regierung. Am Abend des 30. Juni stürmten Regierungsgegner die Zentrale der Muslimbrüder in Kairo und steckten sie in Brand. Es kam zu einer stundenlangen Auseinandersetzung mit den Sicherheitskräften, was mindestens 16 Tote und ca. 700 Verletzte forderte. Anhänger der Muslimbrüder hatten auf die Angreifer geschossen. Auch in anderen Städten gab es Tote und Verletzte. Tags darauf wurde geplündert. Die Protestanten (Protestbewegung "Tamarud") fordern den Rücktritt von Präsident Mursi und der islamistischen Regierung bis Dienstag nachmittag, 2. Juli. Die Begründung: Mursi sei eine Marionette der Muslimbrüder und habe die sozialen und wirtschaftlichen Probleme des Landes eher verschärft.

3. Juli 2013: Das Militär entmachtet die Mursi-Regierung

Nachdem nun der Protest einiger Millionen Menschen gegen Mursi und seine islamistische Regierung kein Ende nahm, hat sich das Militär eingeschaltet. Mursi und die Regierung wurden am Abend des 3. Juli gestürzt. Mursi, sowie 300 Vertreter der Muslimbrüder und der Vorsitzende Partei Freiheit und Gerechtigkeit, Saad al-Katatni, wurden festgenommen. Möglicherweise wird gegen sie Anklage erhoben. Zum Übergangspräsidenten wurde der 67 Jahre alte Jurist und Chef des Verfassungsgerichts, Adli Mansur, ernannt.
Die internationale Gemeinschaft zeigt sich über die aktuelle Entwicklung in Ägypten besorgt und mahnt, den demokratischen Prozess fortzusetzen. Demokratie ist ja überhaupt das Ziel der Protestbewegung. Die islamistische Regierung von Mursi war nicht in der Lage, demokratische Werte umzusetzen. Zu stark waren die Forderungen der Islamisten nach einem Schariatsstaat. Die dominante Präsenz der Muslimbrüder soll nun mit dem Sturz der Regierung beendet werden, heißt es. Auch dem vom Westen seit Beginn der Unruhen gegen Mubarak 2011 in Stellung gebrachte Mohammed ElBaradei (Scharia als Staatsordnung) werden von der Opposition keine Chancen eingeräumt, nächster Präsident zu werden. Die Marionetten des Westens, i.e. USA, UK, werden gegen ein aufgewachtes Volk nicht bestehen können. Weitaus größere Chancen werden den intellektuellen Nasseristen (siehe Nasser) eingeräumt, den nächsten Präsidenten zu stellen. Die zentrale Figur hier ist Hamdin Sabahi. Er würde die Wirtschaftspolitik ändern, das Militär unabhängiger von den USA machen und die Gewerkschaften stärken.
Die USA, die das ägyptische Militär seit spätestens 1979 (Friedensvertrag mit Israel) mit modernster Rüstungstechnik ausstattet, spricht bezüglich der Entmachtung Mursis durch das Militär nicht von einem Putsch. So kann die großzügige Militärhilfe (1,3 Mrd. US-$/Jahr) aufrechterhalten bleiben. Immerhin fließen von den an Ägypten ausgezahlten US-Dollars rund zwei Drittel wieder in die US-Rüstungsindustrie zurück. Die US-Regierung appellierte lediglich an die ägyptischen Streitkräfte, "rasch und verantwortlich zu handeln und die volle Regierungsmacht schnellstmöglich an eine demokratisch gewählte Zivilregierung zu übergeben" (siehe: www.faz.net, Es war kein Militärputsch, 5. Juli 2013). Aufgrund der seit Jahrzehnten bestehenden starken Bindungen zwischen Ägypten und den USA (insbesondere zwischen den beiden Streitkräften) kann man sich unschwer vorstellen, dass eine Machtübernahme intellektueller Nasseristen verhindert werden wird. Reichlich EU-Steuergeld ist ja auch in den ägyptischen "Demokratisierungsprozess" insbesondere seit 2011 geflossen. Islamisten und Demokratie... Hallo? Ich kann mir vorstellen, dass ein stabiles, demokratisches, autarkes Ägypten nicht wirklich gewollt ist. Deshalb macht man weiter wie gehabt nach dem altbewährten Motto "divide et impera" - teile und herrsche. Da fließen die Milliarden an mehrere unterschiedliche Interessengruppen, damit diese sich gegenseitig effektiv bekämpfen können. Die Verwirrung und Lähmung des Landes soll dann gerade so groß sein, dass die eigentlichen Herrscher ungestört ihrem Geschäft nachgehen können. Mit anderen Worten, die untereinander vernetzte Finanz-Elite sorgt dafür, dass den Menschen - nicht nur in Ägypten - gerade so viel Luft zum Atmen bleibt, dass sie nicht ersticken...

7. Juli 2013: Mohammed ElBaradei ist neuer Regierungschef
Am Abend des 7. Juli wurde ElBaradei zum Regierungschef ernannt. Angeblich sei ElBaradei Kandidat der Tamarod-"Rebellen"-Protestbewegung. Er soll dieses Amt bis zu den Neuwahlen leiten. Die Islamisten lehnen die Amtseinsetzung von ElBaradei ab und verlangen die Wiedereinsetzung der Mursi-Regierung, notfalls mit Gewalt. Bereits am Vorabend haben sich Mursi-Anhänger und -Gegner vor allem in Kairo und Alexandria heftige Schlachten geliefert bei denen es mehr als 30 Tote und über 1000 Verletzte gab. Ich kann über die Einsetzung von ElBaradei auch nur den Kopf schütteln - was für ein mieses Theater!

8. Juli 2013: ElBaradei nun doch nicht Regierungschef - viele Tote und Verletzte - droht ein Bürgerkrieg?

9. Juli: Übergangspremier ist nun der Wirtschaftsfachmann und Ex-Finanzminister Hazem al Beblawi. Vize-Präsident und Außenminister ist ElBaradei.

16. Juli: Übergangsregierung wurde vereidigt.
Die Muslimbrüder sind an der neuen Regierung nicht beteiligt, weil sie nicht mit "Putschisten" zusammen arbeiten wollten. In der Nacht kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Mursi-Anhängern und Sicherheitskräften.

14. August 2013: Ausnahmezustand -- ElBaradei flieht nach Wien

Im August verhängt die Übergangsregierung den Ausnahmezustand. Bei Protesten der Muslimbrüder gab es hunderte Tote. Christen und christliche Einrichtungen werden verstärkt Ziel muslimischer Anschläge (in Luxor wird den Christen geraten, nicht die Wohnungen zu verlassen, in Zakaria werden christliche Einrichtungen von Sicherheitskräften geschützt). Am 14. August trat ElBaradei von seinen Ämtern zurück, da er mit dem Vorgehen der Regierung nicht einverstanden war. Am 18. August verließ er Ägypten und lebt seitdem in Wien.

In Ägypten herrscht eine Kommandowirtschaft. Große Teile der Wirtschaft (40%) sind beim Militär, dessen Elite sich dank großzügiger Finanzleistungen aus dem Ausland mit Millionen von US-Dollar bereichert, während die Wehdienstpflichtigen als Zwangsarbeiter für Niedrigstlöhne ausgenutzt werden.
Siehe hierzu: antikrieg.com, Ägyptens Junta – eine wirtschaftliche wie auch eine militärische Macht, 18.08.2013.

Das Vorgehen von Regierung und Militär wird offiziell von den USA und EU kritisiert. Man diskutiert in diesen Kreisen über die Einstellung von Finanzleistungen. Israel setzt sich dagegen für die Fortsetzung der milliardenschweren US- und EU-Finanzleistungen ein, weil sie das Militär als Garant seiner Sicherheit betrachtet (der türkische Regierungschef, Erdogan, verdächtigt Israel als Drahtzieher des Militärputsches). Arabische Staaten, wie Saudi-Arabien und UAE, haben angekündigt, im Falle einer Sanktionierung, Ägypten mit vielen Milliarden US-Dollar zu unterstützen und u.U. den Suez-Kanal für westliche Staaten zu sperren, was für Europa eine Katastrophe wäre. Russland und China würden aufgrund ihrer politischen Verpflechtungen in der Region jedoch davon profitieren. Eigentlich müssten die arabischen Staaten die Finanzhilfen an Ägypten eher streichen, wurden doch die Muslimbrüder mit ihren salafistischen Partnern entmachtet, deren Führung getötet oder inhaftiert. Was in diesem Land abläuft, ist ein schmutziges Spiel, bei dem die Masse der Bevölkerung zerrieben wird.
Siehe auch:
www.tlz.de, In Ägyptenkrise Suez-Kanal und Israel schützen, 20.08.13
www.zeit.de, Saudi-Arabien sichert Ägypten finanziell ab, 19. August 2013

Am 22. August wurde Hosni Mubarak aus der Haft entlassen. Er befindet sich nun in einem Militärkrankenhaus unter "Hausarrest".

23. September 2013: Gericht erklärt Muslimbruderschaft für illegal.
In einem Eilverfahren hat ein Gericht in Kairo die Muslimbruder für illegal erklärt. Der Richter schlägt der Regierung vor, das Vermögen und die Immobilien der islamistischen Bruderschaft zu beschlagnahmen.
Mit dieser gerichtlichen Entscheidung stehen die Muslimbrüder noch schlechter da als während der Herrschaft von Husni Mubarak.
In den darauf folgenden Wochen wurden mehr als 2000 Mitglieder der Muslimbrüder festgenommen, darunter nahezu die gesamte Führung der Islamisten.
Siehe: Muslimbruderschaft in Ägypten durch Gericht verboten, 23.09.2013

12. November 2013: Der seit August bestehende Ausnahmezustand wurde vom Gericht in Kairo aufgehoben. Wenige Tage später wurde von Seiten der ägyptischen Übergangsregierung die Absicht einer stärkeren Annäherung zu Russland auf politischer, wirtschaftlicher und militärischer Ebene formuliert.

Der Ausnahmezustand wurde zwar für beendet erklärt. Das heißt aber nicht mehr Freiheit und Gerechtigkeit für die Bürger. Ein neues Gesetz soll nun jeden Widerstand gegen die Militärherrschaft unterdrücken. Das Gesetz legalisiert die gewaltsame Auflösung von Protesten, Sitzstreiks und Streiks durch die Sicherheitskräfte und sieht lange Haftstrafen und hohe Geldstrafen für Proteste vor.
Ein Terrorregime wird gerade installiert, das jene Diktatur von Mubarak übertrifft. So ein strenges Gesetz gab es nicht einmal in der Zeit, als Ägypten noch britisches Protektorat war, wie Menschenrechtsaktivisten erklären.

Eine ähnliche Kriminalisierung von Protesten gibt es nun auch in  Spanien, in der  Türkei und einigen anderen Ländern. Und wo es solche Gesetze noch nicht gibt, wird es sie demnächst geben.

Unter der Militärregierung leidet auch das palästinensische Volk. Durch die Schließung hunderter Versorgungstunnel in den Gazastreifen ab Juli, müssen die Palästinenser zuvor preisgünstige Güter, wie Lebensmittel, Baumaterial, Benzin und Brennstoffe, nun teuer aus Israel importieren - die Waren aus Israel sind nicht nur teuer, sondern auch streng kontrolliert und rationiert. Der Waffennachschub für die HAMAS ist größtenteils zum Erliegen gekommen. Hunderttausend Palästinenser haben inzwischen ihren Job verloren. Eine Unwetterkatastrophe (Sturm Alexa) im Dezember hat den Gazastreifen zu weiten Teilen überflutet, tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen (Israel leistet Erstehilfe mit Pumpen- und Gaslieferungen). Bereits im November musste das Kraftwerk in Gaza stillgelegt werden, weil es keine Gaslieferungen mehr gab. Langandauernde Stromausfälle sind an der Tagesordnung. Durch die Land-, See-, Luftblockade Israels gelangen nur wenige wichtige Versorgungsgüter in den Gazastreifen. Das Gesundheitssystem steht vor dem Kollaps.

Dezember 2013 / Januar 2014: Die Muslimbruderschaft gilt nun als Terrororganisation - Proteste
Die Proteste gegen die Militärregierung reißen nicht ab. Anfang Januar 2014 sterben zahlreiche Anhänger der Muslimbrüder bei Protestkundgebungen.

Die Militärdiktatur unter Militärratschef Abd al-Fattah as-Sisi gleicht einer Schreckensherrschaft, wie es sie nicht annähernd so schlimm unter Hosni Mubarak gab. Innerhalb von nur wenigen Monaten wurden mehrere tausend Menschen verhaftet oder ermordet. Viele der einstigen Demonstranten von 2011 wurden ausgeschaltet, andere haben resigniert oder Angst vor Repressalien, ein großer Teil der an sich konservativen Bürger befürwortet allerdings das harte Durchgreifen des Militärs gegen die Islamisten und sonstigen "Unruhestifter". Die anstehenden Wahlen im kommenden Frühjahr dürften keine wesentliche Änderung der Machtverhältnisse in diesem armen Land bewirken.

15. Januar 2014: 95 Prozent stimmen für eine Verfassungsänderung
Die neue Verfassung, über die die Bevölkerung am 14. Januar abstimmen konnte, ist eine überarbeitete Version aus der Regierungszeit von Ex-Präsident Mursi vor etwas mehr als einem Jahr.

Im neuen Entwurf wird die Religionsfreiheit ausdrücklich garantiert, Befugnisse von Armee, der Justiz und Polizei werden gestärkt, Passagen mit einer stark islamistischen Ausrichtung wurden entfernt.
An der Abstimmung beteiligten sich 55 Prozent der Wahlberechtigten, von denen rund 95 Prozent für die neue Verfassung stimmten.
In einigen Gebieten war die Abstimmung von Gewalt überschattet. Mursi-Anhänger wollten die Abstimmung boykottieren. Es gab mindestens 9 Tote, mehr als 400 Protestler wurden festgenommen.

24. Februar 2014: Die Übergangsregierung unter Hasem al-Beblawi ist zurückgetreten
Nach massiven Streiks im Land, verkündet Ministerpräsident Al-Beblawi am 24. Februar, dass die Übergangsregierung zurückgetreten sei. Al-Beblawi hat seinen Rücktritt eingereicht. Es wird spekuliert, dass der Russland freundliche Militärratschef As-Sisi nun offiziell seine Kanditatur für das Präsidentenamt ankündigen werde.

Ende März 2014: As-Sisi gibt Rücktritt aus der Armee bekannt und kündigt seine Präsidentschaftskandidatur an

Am 26. März hat Abdelfatah as-Sisi beim Präsidenten Adli Mansur seinen Rücktritt aus der Armee eingereicht. Damit sind die Vorraussetzungen gegeben, für die Präsidentschaftswahl am 26. und 27. Mai kandidieren zu dürfen. Einziger Gegenkandidat ist der linke Politiker Hamdin Sabahi - er unterstützte im vergangenen Sommer den Putsch gegen Mursi.

März/April 2014: Gericht verurteilt hunderte Muslimbrüder zum Tode
Ende März hat ein Gericht in Minja 529 Anhänger der Muslimbruderschaft zum Tode verurteilt (492 Todesurteile wurde bereits wieder aufgehoben). Ende April wurden weitere 683 Muslimbrüder zum Tode verurteilt, darunter auch das Oberhaupt der Muslimbrüder, Muhammad Badie.

28. Mai 2014: As-Sisi wird neuer Präsident
An den Präsidentschaftswahlen vom 26./27. Mai haben sich laut offiziellen Angaben rund 45 Prozent der Stimmberechtigten beteiligt - laut Angaben der Muslimbrüder seien es knapp 12 Prozent gewesen. Wie auch immer, As-Sisi erhielt mehr als 90 Prozent der Stimmen, sein Herausforderer Sabahi kam lediglich auf 3,7 Prozent. Somit wird As-Sisi neuer ägyptischer Staatspräsident.
Tausende Anhänger von As-Sisi feierten den Wahlsieg in der Nacht zum 28. Mai auf dem Tahir-Platz in Kairo.

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader´s Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.13 f.



www-Links

( = Seiten von MUZ)



 Meine Reise nach Ägypten 1986/87 (pdf)
 Islam
 Die Cheops-Pyramide
 Neue Weltordnung

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