Offizieller Name: Arabische Republik Ägypten Hauptstadt: Kairo Fläche: 1.001.449 km² (davon 94,5% Wüsten) Landesnatur: Libysche Wüste westlich des Nil, Uferoase des Nil, Arabische Wüste östlich des Nil, Sinai-Halbinsel im Osten Klima: Subtropisches Klima Hauptflüsse: Nil Höchster Punkt: Jabal Katrinah 2642 m Tiefster Punkt: Kattarasenke -133 m Regierungsform: Präsidiale Republik [seit Februar 2011 Militärregierung] Staatsoberhaupt: Staatspräsident [seit Februar 2011 Vorsitzender des Obersten Militärrates] Regierungschef: Premierminister Verwaltung: 29 Gouvernements Parlament: Nationalversammlung ("Rat des Volkes") mit 454 Mitgliedern, "Schura" (210 Mitglieder) Nationalfeiertag: 23. Juli Einwohner: 67.226.000 (1999); 80.471.869 (2010) darunter etwa 1% Minderheiten (Nubier, Beduinen, Sudanesen, Syrer, Beja und Europäer) Bevölkerungsdichte: 67 Ew./km² (1999); Am Nil und in seinem Mündungsdelta leben 99% der Bevölkerung Stadtbevölkerung: 46% (1999) Bevölkerung unter 15 Jahren: 35% (1999) Analphabetenquote: 45% Sprache: Hocharabisch (Amtssprache), Englisch und Französisch als Bildungs- und Handelssprachen Religion: Moslems ca. 94% (Sunniten), Kopten 6%, Minderheiten von Katholiken, Protestanten, Griechisch-Orthodoxen und Juden Währung: Ägyptisches Pfund Importgüter: Maschinen, Fahrzeuge, Weizen, Weizenmehl, Stahl, Eisen, Holz Exportgüter: Baumwolle und -garne, Textilien, Erdöl und Erdölprodukte, Halbfertigwaren, Reis, Ölsamen, Gemüse
Schon im Altertum lockte es Reisende in das Land am Nil, das laut Herodes (um 485 v.Chr. - um 425 v.Chr.) "mehr wunderbare Dinge und erstaunliche Werke enthält als alle anderen Länder". Diese Anziehungskraft ist bis heute ungebrochen - im Gegenteil: Seit Herodot hat Ägypten weiter Geschichte gemacht, wurde zu einem der ersten christianisierten Länder der Erde und zur Wiege des Mönchtums - und nach der arabischen Eroberung zu einem einzigartigen Sammelpunkt islamischer Gelehrsamkeit und prächtiger Bauten.
Götter und Pharaonen sind noch immer Ägyptens beste Werbeagenten. Keine andere frühe Hochkultur vermittelt sich so anschaulich: Gewaltige Pyramiden zeugen von der gemeinschaftlichen Leistung eines Volkes, feierliche Prozessionswege zu den Tempeln erzählen vom Götterkult und fröhlichen Festen, farbenprächtige Reliefs in den Gräbern geben Aufschluss über das Leben im Diesseits und über die Vorstellungen von den Freuden und Leiden im Jenseits. Daneben verdienen aber auch die Kirchen der Kopten, die Moscheen und das Koptische und das Islamische Museum in Kairo das Interesse des Besuchers.
Die faszinierenden Kulturdenkmäler früherer Epochen drängen das gegenwärtige Ägypten meist in den Hintergrund. Zu vielschichtig sind die wirtschaftlichen und sozialen Probleme, die durch die besondere geographische Situation noch zusätzlich verschärft werden.
Ägypten ist zwar eines der flächenmäßig größten Länder der arabischen Welt, doch bestehen 96% seines Territoriums aus Wüste. Auf den restlichen 4% drängen sich über 67 Millionen Menschen, und Jahr für Jahr kommt eine weitere Million hinzu. Der traditionelle Kultur- und Siedlungsraum - der schmale Landstreifen entlang des Nils und dessen Mündungsdelta - lässt sich nur durch langwierige und teure Projekte der Neulandgewinnung in die Wüste hinein erweitern. Gleichzeitig jedoch geht wertvoller Boden durch Straßen- und Wohnungsbau oder für die Herstellung von Lehmziegeln verloren. Das Missverhältnis zwischen Einwohnerzahl und verfügbarem Boden wird immer drastischer. Auf Schritt und Tritt wird der Besucher mit diesem Grundproblem Ägyptens konfrontiert. Wer vielseitig interessiert ist, wird sich dennoch auch dem heutigen Ägypten nicht verschließen können - dem Zauber der Nillandschaft und der schattigen Lehmdörfer, dem Gegensatz zwischen dem fruchtbaren Niltal und angrenzenden Wüstengebieten mit den eingestreuten Oasen, der faszinierenden Landschaft im Sinai, dem schnellen Rhythmus der Metropole Kairo und dem Charme verschlafener Kleinstädte, vor allem aber den freundlichen Menschen.
Die Vorgeschichte Ägyptens endete, als gegen 3000 v.Chr. König Medes das Niltal zu einem zentralistischen Staat zusammenschloss. Einen ersten Höhepunkt erlebte das pharaonische Ägypten während des Alten Reiches (2640-2160 v.Chr.). Die gewaltigen Pyramidenbauten von Djoser, Snofru, Cheops, Chephren und Mykerinos waren Ausdruck der uneingeschränkten königlichen Macht, die unter den Nachfolgern jedoch zusehends verfiel. Mit dem Alten Reich zerbrach zugleich ein auf Ewigkeit ausgerichtetes Weltbild. Erst hundert Jahre später stabilisierte sich die politische Situation, als das Land vom oberägyptischen Theben aus erneut geeint wurde. Aber auch das Mittlere Reich (2040-1650 v.Chr.) hatte seine Kräfte erschöpft, als die Hyksos aus Vorderasien das Land für hundert Jahre besetzten.
Durch Eroberungen zu Beginn des Neuen Reiches (1551-1070 v.Chr.) dehnte Ägypten sein Herrschaftsgebiet zeitweise bis zum Euphrat aus. Internationale Handelsbeziehungen und Tributzahlungen eroberter Völker brachten sagenhafte Reichtümer ins Land. In jener Zeit wurde das Tal der Könige angelegt, wuchsen die Tempel in Theben. Auch nach den Wirren, die König Echnaton (1364-1347 v.Chr.) mit seinen politischen und religiösen Reformen ausgelöst hatte, erlebte das Land noch glanzvolle eineinhalb Jahrhunderte. Aufreibende Kriege, Wirtschaftskrisen und Korruption kennzeichnen schließlich das Ende einer eigenständigen Geschichte. Aber auch die folgenden Fremdherrscher - Libyer, Äthiopier und Perser - stellten sich alle in die ruhmreiche Tradition der Pharaonen. 332 v.Chr. eroberte Alexander der Große kampflos Ägypten und gründete Alexandria. Nach seinem Tod teilten seine Feldherren das Weltreich auf, Ptolemaios erhielt das Land am Nil. Er begründete die Dynastie der Ptolemäer, die 30 v.Chr. mit dem Tod der Königin Kleopatra endete. Geschickt hatten die Römer die chaotischen Zustände im Land und die Thronstreitigkeiten innerhalb der Herrscherfamilie für eine Invasion genutzt. Ägypten wurde Provinz des Römischen Reiches. Bei der Reichsteilung 395 n.Chr. fiel das inzwischen christianisierte Land an Byzanz.
Christliche Kreuzfahrer und ungläubige Mongolen erschütterten im 12./13. Jahrhundert die islamische Welt und bedrohten auch Ägypten. Beide Gefahren konnten abgewehrt werden. Gestärkt gingen Ägyptens Herrscher, die von Militärsklaven abstammenden Mamluken, aus dem Ansturm der Mongolen hervor. Trotz oft erbitterter innenpolitischer Machtkämpfe bestimmten sie Ägyptens Geschick bis in die Neuzeit. Selbst die Eroberung durch das militärtechnisch überlegene Osmanische Reich im Jahr 1517 änderte nur wenig an ihrem Einfluss, denn für die neuen Machthaber war das Land am Nil eine bedeutungslose Randprovinz. 1798 nahm Napoleon ein wirtschaftlich ruiniertes Land ein.
Reform und Revolution
Nach dem Ende der kurzen französischen Besetzung reorganisierte der einstige osmanische Offizier Mohammed Ali (1769-1849) das abgewirtschaftete Land. Seine vielseitigen Reformen, die ihn zum "Vater des modernen Ägyptens" machten, finanzierte er aus dem Anbau und Export von Baumwolle. Die Textil- und Rüstungsfabriken der 1830er Jahre stehen für den ersten Versuch einer Industrialisierung.
Schon bald unter seinen Nachfolgern bahnte sich jene dramatische Entwicklung an, die knapp hundert Jahre später zur Revolution führen sollte: hohe Staatsausgaben für ehrgeizige Reformprojekte, wachsende Verschuldung und als Folge extreme soziale Spannungen.
Mit dem Verkauf der Suez-Kanal-Aktien an England lieferte sich Ägypten vollends fremden Interessen aus, zu deren Schutz es 1882 für über siebzig Jahre besetzt wurde. Ägypten wurde zum weltmarktabhängigen Baumwoll-Lieferanten für die englische Textilindustrie. Aus Protest gegen die Fremdbestimmung nahmen nationalistische Strömungen zu. In den Nachkriegsjahren erreichte die politische, wirtschaftliche und soziale Krise Ägyptens ihren Höhepunkt. Der letzte Erbe der Dynastie Mohammed Alis, König Faruk (1920-1965), musste nach einem unblutigen Staatsstreich 1952 ins Exil gehen.
Suche nach dem richtigen Entwicklungsweg
Ägypten ist ein Entwicklungsland, das glücklicherweise gute Potentiale besitzt: natürliche Ressourcen wie den Nil, die fruchtbaren Böden und das Erdöl, eine günstige Verkehrslage und einen großen Binnenmarkt.
Trotz ganz unterschiedlicher Strategien und zeitweise beeindruckender Wachstumsraten haben jedoch weder Gamad Abd An Nassers (1918-1970) Politik des "Arabischen Sozialismus" noch Anwar As Sadats (1918-1981) westlich orientierte "Öffnungspolitik" einen dauerhaften Entwicklungsprozess in Gang setzen können: Die Landwirtschaft kann die Bevölkerung nicht ernähren, die Industrie ist auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig, das Haushaltsdefizit ist chronisch, die Staatsbürokratie aufgebläht.
SEKEM ("sonnenhafte Lebenskraft") - Ein alternatives Projekt mit Nachhaltigkeit
»[...] Nachhaltige Entwicklung durch fairen Handel und die Verbindung von Ausbildung, Kultur und gerechten Arbeitsbedingungen - dafür steht die Entwicklungsinitiative SEKEM aus Ägypten seit über 30 Jahren.
Die demeter-Farm SEKEM wurde vor rund 30 Jahren durch Dr. Ibrahim Abouleish in Ägypten gegründet. Das ökologisch orientierte landwirtschaftliche Projekt verband von Anfang an soziale und kulturelle Visionen. Auf der Farm und in Verarbeitung und Vermarktung der landwirtschaftlichen Produkte arbeiten heute 2000 Menschen. SEKEM unterhält eine eigene Schule mit Kindergarten und Heilpädagogik, eine Berufsschule, ein Gesundheitszentrum, das über 30,000 Menschen in der näheren Umgebung versorgt, und eine Akademie für angewandte Forschung in Wissenschaft und Kunst.[...]«
Aus: www.glocalist.com, 10. Mai 2010
»[...] Der wirtschaftliche Ertrag soll ... einer menschheitlichen Aufgabe und nicht Kapitalinteressen dienen. [...]«
Aus: www.sekem-freunde.de
Alternativer Nobelpreis für SEKEM
Am 8. Dezember 2003 erhielt Ibrahim Abouleish den "Alternativen Nobelpreis" für das von ihm gegründete Projekt SEKEM.
»[...] 1977 gründete der Ibrahim Abouleish Sekem, heute eine riesige Farm in der Wüste, in der ökologischer Landbau betrieben wird. Für seine Arbeit erhielt der Ägypter den Alternativen Nobelpreis. Mit dem Preisgeld will er eine Universität gründen. [...]«
Aus: www.faz.net, 8.12.2003
Durch eine hohe Außenverschuldung sind auch die Handlungsspielräume des derzeitigen Präsidenten Hosni Mubarak eng begrenzt. Sein besonnener Kurs geht immer wieder im innen- und außenpolitischen Krisenmanagement unter. Vor allem die steigenden Lebensmittelimporte verschlingen einen immer größeren Anteil der knappen Deviseneinnahmen.
Kein Wunder, dass angesichts dieser Dauerkrise viele Ägypter das Vertrauen in die gegenwärtige Politik verloren haben. Vor allem mussten sie die Erfahrung machen, dass die importierten gesellschaftlichen Modelle - egal ob Sozialismus oder Kapitalismus - bei der Lösung der drängenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme versagt haben.
So entstanden bereits in den 1970er Jahren fundamentalistische Bewegungen, für die der Islam allein die Antwort auf die Krise der ägyptischen Gesellschaft geben kann und die sich seit Beginn der 1990er Jahre zunehmend radikalisierten. Sie versuchten mehrfach durch Attentate auf Touristen, wie im November 1997 nahe Luxor, die wirtschaftliche Krise zu verstärken.
Meine Reise nach Ägypten
Im Oktober 1986 reiste ich mit meiner damaligen Freundin zunächst nach Äthiopien, wo ich mich vier Wochen lang aufhielt. Dann ging die Reise nach Sudan und fünf Wochen später über den Landweg weiter nach Ägypten. Am 4. Januar 1987 flog ich von Kairo nach Athen. Von dort ging es schließlich mit der Bahn nach Berlin.
Die Reiseberichte können als PDF-Dateien auf meiner Dokumente-Seite gelesen werden.
Hier ein Auszug aus dem Ägypten-Tagebuch:
Über den Nasser-Stausee nach Ägypten
[...] Obwohl ich zum damaligen Zeitpunkt meiner Reise noch nicht über so genaue Kennt-nisse dieser Nasser-See-Region verfügt habe, war es für mich dennoch ein erhebendes Gefühl dort gewesen zu sein. Die Fähre, mit der wir unterwegs waren, hatte schon einige Jahre auf dem Buckel - sie stammte von Ferrostahl aus Essen. Die beiden Michas, John und ich, versuchten es uns in der 2.Klasse bequem zu machen. Die Luft dort war aber ungeheuerlich stickig. Aimad wollte uns das Deck zeigen... Klaus-Michael und ich entschieden dann, unsere Sachen hierher aufs luftige und sonnige Oberdeck zu bringen, wo wir auch die Nacht verbringen wollten. Wir breiteten unsere Decken aus und genossen den herrlichen Blick nach Osten. Am nächsten Morgen sollten wir in Assuan ankommen ... In den frühen Morgenstunden um 04.00 Uhr, d.h. es war ja noch tiefste Nacht, wurde es auf dem Oberdeck unruhig. Zahlreiche Männer versammelten sich am Heck der Fähre und begannen lebhaft zu diskutieren. Endlich hatten sie sich beruhigt. Sie stellten sich in Reihen zum Nachtgebet auf. Dann begann der mir aus dem Sudan bekannte Gebetsritus: Allahu akbar... Wir Khawajas daliegend und gleich daneben wird zu Allah gebetet. Das war eine unglaublich faszinierende Szenerie. Um 06.30 Uhr ging die Sonne auf. Herrlich! Mir fehlen einfach die Worte! Als die Männer ihr Gebet beendet hatten, wurde es augenblicklich auch wieder still, doch an Schlaf war nicht mehr zu denken. Wir frühstückten Bohnen mit Schafskäse und Pepsi... Um 10.40 Uhr Ankunft im Hafen zu Assuan. Nun dauerte alles wieder herrlich lange... Hier weiterlesen
Die Menschen
Im Gegensatz zu fast allen anderen Staaten des Nahen Ostens und Afrikas ist Ägypten nicht zusätzlich von ethnischen Problemen belastet. Die Bevölkerung besteht überwiegend aus den arabisierten Nachkommen der alten Ägypter, einem hamitisch-semitischen Mischvolk. Schon in der Vorzeit waren die Grundlagen einer Agrargesellschaft geschaffen worden, nachdem die vorwiegend nomadische Bevölkerung durch eine bäuerliche abgelöst worden war.
Ethnische Minderheiten bilden heute die dunkelhäutigen hamitischen Nubier, die Beduinen, die meist arabischer Herkunft sind, und die Sudanesen im Süden. Der ursprüngliche Siedlungsraum der etwa 100.000 Nubier ist heute vom Nasser-See bedeckt. Sie wurden bei Kawm Umbu (Kom Ombo) in Oberägypten neu angesiedelt. Nur noch wenige der etwa 250.000 Beduinen ziehen mit ihren Kamelherden durch Ägyptens Wüstengebiete. Viele sind sesshaft geworden und arbeiten in der Öl- und Bauwirtschaft oder im Tourismus.
Die arabischen Eroberer haben sich überwiegend mit den Städtern vermischt. Daher kommt die ländliche Bevölkerung, die Fellachen des Niltals, im Aussehen ihren altägyptischen Vorfahren wohl noch recht nah. Ähnlich ist es mit den Kopten, die sich als Christen nicht mit den moslemischen Arabern verbanden. Als größte religiöse Minderheit im Nahen Osten stellen sie knapp 10% der Bevölkerung.
Moslems und Christen
Im Jahr 640 wurde das christliche Ägypten von den Arabern erobert. Allmählich durchdrangen Kulturkreis, Religion und Sprache der neuen Herren das Land und legten den Grundstein des heutigen islamischen und arabisierten Staates. 969 wurde Kairo gegründet und entwickelte sich bald zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum des Landes.
Schweine - Schweinegrippe
28. April 2009: Aus Angst vor der Schweinegrippe wurden in Kairo rund 250.000 Schweine vorsorglich getötet.
Siehe www.canada.com, 28.4.09:»Egyptians seek 'immediate death' for nation's pigs. [...] Egypt's lower house of parliament called on Tuesday for the nation's 250,000 pigs to be killed immediately because of fears over the spread of swine flu, state news agency MENA reported. [...]«
Egypt considers mass pigs cull over swine flu fears:
»[...] The move is not expected to block the H1N1 virus from striking, as the illness is spread by people and not present in Egyptian swine. But acting against pigs, largely viewed as unclean in conservative Muslim Egypt, could help quell a panic.
Pigs are mainly raised by Egypt's Christian minority. [...]«
Mit dieser Aktion ist der H1N1-Virus jedoch nicht ausgelöscht, da die Krankheit von Menschen verbreitet wird und nicht von den ägyptischen Schweinen. Die Tötung der Schweine, die im konservativen muslimischen Ägypten weitgehend als unrein gelten, kann aber dazu beitragen, eine Panik zu unterdrücken.
Schweine werden hauptsächlich von der christlichen Minderheit in Ägypten gezüchtet.
Ägypten ist ein islamisches Land, in dem etwa 90% der Bevölkerung sunnitische Moslems sind. Der Islam kennt keine Trennung von Politik, Gesellschaft und Religion: Er regelt sämtliche Lebensbereiche bis ins Detail und weist dem Gläubigen dadurch den rechten Weg. Ägyptens Gesetzgebung orientiert sich an den Prinzipien der Scharia, dem islamischen Recht. Versuche religiöser Gruppierungen, die Scharia als allein gültiges Gesetz einzuführen, sind im Parlament bisher gescheitert.
Natürlich empfinden die rund sechs Millionen Kopten diese Tendenzen als beunruhigend. Über die Jahrhunderte hinweg hat es letztlich jedoch nie Zweifel an der nationalen Einheit von Moslems und Kopten gegeben. Auch sind die ägyptischen Christen gesellschaftlich voll integriert und gehören allen sozialen Schichten an. Besonders zahlreich sind sie in den freien Berufen vertreten, aber auch die Ärmsten der Armen, Kairos private Müllsammler, sind überwiegend Kopten.
Die Spannungen zwischen den beiden Religionsgruppen haben sich nach der katastrophalen Niederlage Ägyptens gegen Israel im Junikrieg 1967 und durch die anhaltende wirtschaftliche Krise erhöht. Ausdruck dieser Krise war nicht nur eine allgemeine religiöse Rückbesinnung bei Christen wie Moslems, sondern auch ein wachsender religiöser Fanatismus der islamischen Fundamentalisten.
31.12.2010: Anschlag auf Kopten in der Silvesternacht
Bei einem blutigen Anschlag auf eine Kirche in Alexandria in der Silvesternacht sind 21 Menschen ums Leben gekommen. In Alexandria und Kairo gingen Hunderte Kopten auf die Straßen und lieferten sich Straßenkämpfe mit den Sicherheitskräften und mit Muslimen.
Die Al-Azhar-Universität
Im Juli des Jahres 969 ließ ein ehemaliger Sklave mit Namen Gohar sein Heer von Tunesien bis zu den Ufern des Nil in Ägypten marschieren, wo ihm der Sage nach ein schwarzer Hund die günstigste Stelle zur Überquerung des Flusses gezeigt haben soll. Am Ostufer sollte er den Grundstein der modernen Stadt Kairo, arabisch "AI Qahirah", der neuen Hauptstadt der Fatimiden, und der großen Al-Azhar-Moschee, des Zentrums der islamischen Lehre, legen. Die Dynastie der Fatimiden ist nach Fatima benannt, der Ehefrau Alis, Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed. Ihrer Meinung nach hatten sie als Nachkommen Alis und Fatimas ein größeres Anrecht auf die führende Rolle in der islamischen Gemeinschaft als die abbasidischen Kalifen in Bagdad.
Nachdem Gohar Gizeh erreicht hatte, heute ein Vorort Kairos, entdeckte er, dass die Pest in der Stadt grassierte. In der Region waren ihr eineinhalb Millionen Menschen zum Opfer gefallen. Die Menschen baten Gohar um Gnade, und er verbot seinen Soldaten, den Bewohnern Schaden zuzufügen und die Stadt zu plündern. In einem höher gelegenen Gebiet nördlich der Stadt errichtete er sein Lager und entschied sich, an dieser Stelle, etwas nördlich der älteren Siedlung Fustat (640 durch die ersten in Ägypten eindringenden Araber gegründet), seine Hauptstadt anzulegen.
Die neue Stadt
Am 5. August 969 wurde am nordöstlichen Stadtrand des heutigen Kairo im freien Gelände ein Quadrat von 1100 m Seitenlänge abgesteckt. Die Astrologen Gohars versammelten sich, um den günstigsten Moment für den Beginn der Eröffnungszeremonie zu bestimmen. An Seilen wurden Glocken aufgehängt, die als Signal für die Arbeiter geläutet werden sollten, sobald die Astrologen eine Entscheidung getroffen hätten. Ein Rabe setzte sich jedoch auf die Seile, löste das Glockengeläut aus, und die Arbeiter gingen augenblicklich ans Werk. Obwohl der Zeitpunkt von den Astrologen als unglücklich erachtet wurde, war es nun zu spät. - Die Stadt erhielt den Namen "AI Qahirah" (arabisch "die Siegreiche"). Innerhalb ihrer Mauern legte Gohar auch den Grundstein zur Al-Azhar-Moschee (AI Azhar, arabisch "die Prächtige").
Im islamischen Fastenmonat Ramadan des Jahres 973 kam der Kalif AI Muizz aus Mahdiyah in seine neue Hauptstadt. Feierlich ritt er in den großen Hof des Palastes ein, den Gohar für ihn erbaut hatte. Von dort aus betrat er die Al-Azhar-Moschee und hielt eine Predigt.
Die Zabbalin -- Müllsammler in Kairo
»[...] es gibt hier viele Menschen, die vom Dreck der anderen leben. Denn ein besonderes Phänomen in den Straßen von Kairo sind die vielen Müllsammler, die – entweder zu Fuß, mit einem Eselskarren oder mit klapprigen Pickups ausgerüstet – bergeweise Abfall
einsammeln. Etwa acht Müllsiedlungen gibt es in der Millionenstadt und rund 60.000 Müllmenschen. Sie werden "Zabbalin" genannt (auch
"Zabalin", "Zabbaleen" oder "Sabalin") und leben ausschließlich vom Müll der Millionenstadt. Meist sind es koptische
Christen aus ländlichen Gebieten und Provinzen des Landes, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben in die Hauptstadt gezogen sind. [...] Die Zabbalin wohnen zu Tausenden in – auch für ägyptische Verhältnisse – einfachen Häusern am Stadtrand Kairos, vor allem unterhalb des Muqattam-Berges. [...] Täglich sammeln die Zabbalin schätzungsweise insgesamt knapp 2.000 Tonnen Hausmüll, den sie in ihre
Wohn- und Arbeitssiedlung transportieren und dort trennen. Nahezu alle Bestandteile des Mülls finden Verwendung [...]
International beachtet wurde ... der Tod einer Symbolfigur der Zabbalin. Im Oktober 2008 starb die weltweit bekannte "Mutter der Müllmenschen Kairos", Schwester Emmanuelle, im Alter von 99 Jahren. Sie engagierte sich tatkräftig für die Zabbalin, baute Schulen und Kindergärten, lehrte Lesen und Schreiben, sammelte Geld von wohlhabenden Ägyptern. [...]«
Moschee und Universität
Die Moschee wurde bald auch als Universität genutzt, an der Studentengruppen den Vorlesungen der Gelehrten folgten, die ihre Vorträge an den großen Säulen der Moschee hielten. In der Regierungszeit von AI Aziz, des Nachfolgers von Muizz, wurden Moschee und Universität zum Zentrum der Verbreitung der schiitischen Glaubensrichtung der Fatimiden. Der Begriff Schiiten ist abgeleitet vom arabischen "schia" ("Partei", "Sekte"). Die Schiiten gehören zur "Partei" Alis, im Gegensatz zu den orthodoxen Sunniten, die der "Sunna", dem "Pfad" des Propheten Mohammed, folgen. 1171 war AI Azhar jedoch zur sunnitischen Glaubensrichtung zurückgekehrt.
Lehre und Andacht
AI Azhar ist ein weitläufiges Gebäude, das einen großen, quadratischen Innenhof umgibt. Die etwa 90.000 Studenten werden "mugawireen", "Nachbarn", genannt. Die traditionell unterrichteten Fächer waren: Flexionslehre, Syntax, Rhetorik, Verskunst, Logik, Theologie, das Auswendiglernen des Koran, das "Hadith" - "Erzählungen" des Propheten Mohammed -, die Scharia - die islamische Gesetzeswissenschaft - und Mathematik. Nach 1952 wurden weitere Studienfächer wie Algebra, Berechnung des moslemischen Kalenders und der Gebetszeiten angeboten. Der wichtigste Andachtsort ist die "qibla" an der nach Mekka gerichteten Seite. An jeder der übrigen drei Seiten befinden sich kleinere Säulenhallen, die als Studentenwohnheime, die sogenannten "riwaq", dienen. Jedes der Wohnheime ist für Studenten aus einem bestimmten Herkunftsland eingerichtet und enthält auch eine eigene Studentenbibliothek.
Als Napoleon in Ägypten eindrang, versuchte er die heiligen Männer (Scheichs) und die Vorbeter (Imame) davon zu überzeugen, dass er die Verteidigung des Islam im Sinne habe. Dennoch blieb AI Azhar auch in der Regierungszeit von Mohammed Ali, dessen Herrschaft in Ägypten bald nach Abzug der napoleonischen Armee begann, eine konservative Institution, die mit jeder Regierung, die in Ägypten an der Macht war, zusammenarbeitete, solange sie am Islam festhielt. So entschied beispielsweise auch die Ulema (die islamische Geistlichkeit) in AI Azhar, als Präsident Sadat 1979 seinen Friedensvertrag mit Israel unterzeichnete, dass diese Entscheidung annehmbar sei.
AI Azhar heute
Nach dem Staatsstreich Oberst Nassers im Jahre 1952 wurde der Bindung AI Azhars an den Islam zwar besonderer Nachdruck verliehen. Um die Loyalität der Universität gegenüber der Politik Nassers sicherzustellen, wurde AI Azhar allerdings strenger Regierungskontrolle unterstellt. Aus Protest traten einige Ulema zurück. 1961 wurde ein Gesetz zur Reorganisation der Universität verabschiedet, und vier nicht-religiöse Fakultäten kamen hinzu - Ingenieurwissenschaften, Kunst, Medizin und Landwirtschaft. Außerdem wurde ein übergeordneter Regierungsausschuss berufen, der seitdem für die Universität zuständig ist.
Entwicklungen
Eines der einflussreichsten Sammelbecken islamisch-fundamentalistischer Prägung ist die 1928 in Kairo gegründete Muslimbruderschaft. Sie gilt als einzig ernstzunehmende Opposition in Ägypten. Eine umstrittene Verfassungsänderung, vorgelegt von Präsident Mohamed Hosni Mubarak im Dezember 2007, sieht u.a. ein Verbot von Parteien mit "religiösem Hintergrund" vor. Parlamentssitze sollen nur noch an Kandidaten vergeben werden, die auf der Liste einer zugelassenen Partei antreten, womit auch unabhängige Bewerbungen ausgeschlossen werden. Diese Maßnahmen richten sich insbesondere gegen die Muslimbruderschaft, deren islamistische Bewegung verboten ist und deren 88 Abgeordnete als Unabhängige 2005 ins Parlament gewählt worden sind.
Die Verfassungsreform wird von Amnesty International als "folgenschwere Untergrabung der Menschenrechte" kritisiert. Diese Reform billige außerdem der Staatsmacht weitreichende Kompetenzen in der Terrorbekämpfung zu, wie z.B. Verhaftungen von Verdächtigen, Hausdurchsuchungen und Abhörmaßnahmen ohne richterliche Genehmigung. Zahlreiche Razzien gegen Anhänger der Muslimbrüder ab Dezember 2006 führten zu Hunderten Festnahmen, darunter führende Funktionäre der Muslimbrüder, Studenten und Lehrkräfte der Al-Azhar-Universität. Anderen verhafteten Mitgliedern der Bruderschaft wurde die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung oder die Bildung einer militärischen Organisation vorgeworfen. Zahlreiche angebliche Parteikonten wurden eingefroren.
Die Muslimbruderschaft
Großbritannien ist Sitz der Föderation der islamischen Organisationen in Europa (FIOE), welche der Dachverband der verschiedenen Organisationen der Muslimbruderschaft ist. Amtierender Oberster Führer der Muslimbrüder ist seit 2004 Muhammad Mahdi Akif, der öffentlich den gewaltsamen Widerstand im Irak, die Selbstmordattentate der HAMAS und anderer palästinensischer Gruppen unterstützt und dem jüdischen Volk jegliches Existenzrecht zwischen Mittelmeer und Jordan abspricht. Zudem zeigt er sich mit Blick auf den Westen zuversichtlich, dass eine Islamisierung Europas und der USA nur eine Frage der Zeit sei. Die Muslimbruderschaft, 1928 in Ägypten gegründet, ist die größte islamistische Organisation des sunnitischen Islams und hat die schrittweise Errichtung eines weltweiten islamischen Staates auf der Basis der Scharia zum Ziel. Siehe auch: Homepage der Mutterorganisation in Kairo: The Muslim Brotherhood (Ikhwan) - Official English Website.
40 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze von 2 Dollar am Tag
Extrem niedrige, seit Jahren stagnierende Löhne bei steigenden Lebenshaltungskosten schüren die Unzufriedenheit der Masse der ägyptischen Bevölkerung. Da seitens der Regierung nicht ausreichend auf die Sorgen und Nöte der Menschen eingegangen wird, treibt es sie zunehmend in die Arme der Muslimbrüder. Eine Streikwelle mit insgesamt mehr als 50 Streiks in allen wichtigen Industriezweigen legte zwischen Dezember 2006 und Mai 2007 die ohnehin schwächelnde Wirtschaft lahm.
Explosionsartig gestiegene Lebensmittelpreise - insbesondere für Mehl und Brot - im ersten Quartal 2008 führten zu ausgedehnten "Hunger"-Protesten Zehntausender Menschen.
neues-deutschland.de: »[...] Nach Angaben des UN-Welternährungsprogramms sind die Lebenshaltungskosten seit Jahresbeginn um 50 Prozent gestiegen. Nicht nur Bedarfsgüter, Öl und Benzin verteuerten sich, auch der Brotpreis stieg drastisch: Sämtliche Brotsorten wurden innerhalb kürzester Zeit um 70 bis 100 Prozent teurer. [...]« Siehe: Ägypter kämpfen ums tägliche Brot.
Siehe auch: muz-online.de zum Thema "Globalisierung und Neoliberalismus"
Juni 2010: Lebensmittelpreise steigen in Ägypten ins Unerschwingliche
»[...] Die Lebensmittelpreise steigen in Ägypten ins Unerschwingliche. Vor allem das Fleisch kann sich fast niemand mehr leisten. Jetzt hat die Bevölkerung genug und geht auf die Strasse. Der soziale Frieden ist bedroht. [...]«
Aus: www.20min.ch, 07. Juni 2010
2010: Russlands Exportstopp für Weizen. Weltbank warnt vor Ernährungskrise.
»[...] Auch der weltweit größte Weizenimporteur Ägypten ist von dem russischen Exportstopp betroffen. In den vergangenen zwölf Monaten bezog Ägypten nach Angaben der Behörden in Kairo fast 60 Prozent seines Weizens aus Russland. Umso besorgter verhandelt Ägypten nun mit Moskau über eine Nachlieferung von 650.000 Tonnen Weizen, die Kairo für die kommenden sechs Wochen in Russland bestellt hatte. [...]«
Aus: www.sueddeutsche.de, 10.08.2010
August 2010: Proteste wegen Energie-Krise.
»Die Energie-Krise in Ägypten bringt die Bevölkerung gegen die Obrigkeit auf. [...] Wie die ägyptische Regierung mitteilte, wird sie an ihrer Absicht festhalten und die Ausbringungsmenge der Kraftwerke weiterhin vermindern.
Begründet wird dieser Schritt mit der anhaltenden Hitzewelle, die Ägypten Temperaturen von über 40 Grad Celsius beschert. [...] Besonders kritisiert wird seitens der Protestierenden der Export von Gas an Israel, statt diese Ressource für die eigene Energiesicherheit zu nutzen. [...]«
Aus: www.newspoint.cc, 24. August 2010
Januar 2011:
Seit Dienstag, dem 25. Januar 2011, protestieren zehntausende Menschen gegen das System Mubarak
Den Protesten gegen das System "Mubarak" waren »[...] im Juni 2010 die Tötung des bekannten Bloggers Khaled Said, dessen Namen die Demonstranten immer wieder skandierten, durch die ägyptische Polizei und die manipulierte Parlamentswahl vom vergangenen November vorausgegangen. Vor der Wahl hatte der Staat versucht, die Oppositionsparteien zu bloßen Statisten zu degradieren. Der Funke aus Tunesien genügte, um die Unzufriedenheit der Oppositionsgruppen zu entzünden.[...]«
Entschlossene Proteste gegen das Mubarak-System deuten nahen Regimewechsel an
Inspiriert von den Protesten in Tunesien wollen die Menschen einen Systemwechsel in ihrem Land. Die Probleme ähneln denen in Tunesien, Algerien etc.: korrupte Regierungen, hohe Arbeitslosigkeit, Armut, Perspektivlosigkeit der jungen Leute, extrem gestiegene Lebenshaltungskosten (insbesondere Grundnahrungsmittel). 25. Januar 2011: Die Associated Press (AP) meldete um 15:43 h, dass tausende regierungskritische Demonstranten das Ende der Herrschaft von Hosni Mubarak fordern. Die Polizei ging mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor.
Die meist jungen Leute organisieren ihren Protest ganz wesentlich über Facebook und Twitter. Wie AP meldete, hätten 90.000 Personen hätten ihre Teilnahme angekündigt.
Am vierten Tag der Proteste »[...] hat die Internetzensur eine bislang nicht gekannte Dimension erreicht. Das Land ist seit der Nacht zu Freitag weitgehend vom Netz getrennt, die viel genutzten Kommunikationswege für die Bevölkerung sind gekappt. Rund 90 Prozent des ägyptischen Netzes seien inzwischen offline, meldete die Monitoring-Site BGPmon. Das besondere daran ist diesmal, dass fast alle Internet-Provider miteinander abgestimmt ihre Zugänge gesperrt haben.
Nach Angaben von Vodafone ordneten die Behörden die Abschaltung des Mobilfunknetzes in bestimmten Teilen des Landes an. Davon seien alle in Ägypten tätigen Mobilfunkkonzerne betroffen. Nach ägyptischem Recht können die Behörden dies anordnen. [...]«
Mubarak hat in seiner Fernsehansprache am Freitagabend (28.1.11) klar gemacht, dass er die Demokratie stärken, soziale Verbesserungen vorantreiben und eine neue Regierung bilden wolle, selbst werde er aber nicht zurücktreten. Die Proteste bezeichnete er als eine Art Terrorismus, womit er das harte Vorgehen gegen die Demonstranten rechtfertigte. Zuvor hatten sich die Proteste zugespitzt. Ungeachtet einer verhängten Ausgangssperre gingen landesweit etwa 100.000 Menschen auf die Straßen. Es kam zu Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften, bei denen es Tote und Hunderte Verletzte gab. Erstmals wurde auch die Armee gegen die Demonstranten eingesetzt.
Ist die Muslimbruderschaft eine lang genutzte Geheimwaffe der Globalisten ?
Wie bei infokrieg.tv am 2. Februar unter der Überschrift "Das abgekartete Spiel mit der Muslimbruderschaft" zu lesen ist, hätten »[...] die CIA als auch die britischen Geheimdienste [...]« die Gruppe seit Langem unterwandert und bereits in den 1950er Jahren benutzt im Kampf »[...] gegen arabischen Nationalismus, insbesondere den ursprünglichen Nationalismus der von Nasser in Ägypten beworben wurde. [...]« Wie es weiter heißt, sei die Muslimbruderschaft laut Aangirfan Blog »[...] eine Art muslimisches Äquivalent der westlichen Freimaurer-Bruderschaft [...]« Die größte Besorgnis der EU, USA und Israels bezieht sich von daher weniger auf eine Machtbeteiligung der Muslimbruderschaft. Mit einer berechenbare Islamistengruppe an der Regierung könnte »[...] die Masse der Menschen islamischen Glaubens [...]« aufgefangen werden, womit »[...] einer unter Umständen nicht mehr durchschaubaren, begrenzbaren und manipulierbaren Radikalisierung [...]« vorgebeugt werden könne, wie auf selbiger Seite ein Leser kommentiert.
Die Angst vor einem islamischen Ägypten, regiert von der Muslimbruderschaft
»[...] Während in Ägypten ein handfester Machtkampf tobt, sorgt sich Israel um die Stabilität in der Region. Denn Präsident Mubarak gilt als wichtigster strategischer Partner für die Regierung in Jerusalem. Nun wächst die Sorge, die Muslimbruderschaft könnte in Kairo die Macht an sich reißen. [...]«
Die Muslimbruderschaft als größte Oppositionsgruppe, verboten zwar aber geduldet, will sich offenbar an einer Interimsregierung beteiligen. In einen Dialog darüber wollen sie, wie auch der Friedensnobelpreisträger El Baradei, erst eintreten, wenn Mubarak von seinem Amt zurückgetreten ist. Umgekehrt will die Regierung nicht verhandeln, solange die Demonstranten ihre Proteste nicht eingestellt haben. Diese werden ihren Protest jedoch aufrecht erhalten, bis ihr Ziel erreicht ist.
Massenweise von der Regierung Mubarak rekrutierte Menschen gingen am 2. Februar 2011 gut organisiert und bewaffnet mit Pferden und Kamelen gegen die Systemgegner vor. Diese sogenannten Mubarak-Anhänger wurden angeblich von regierungsnahen Agenten mit großzügigen Geldangeboten gewonnen. In der Nacht vom 2. auf den 3. Februar kamen bei den Demonstrationen mehrere Menschen ums Leben, mehr als 1000 Menschen wurden verletzt. Die "Mubarak-Anhänger" gingen mit Knüppeln, Messern, Steinen, Molotow-Coctails und Schusswaffen gegen die Demonstranten vor.
Ein letztes Aufbäumen des Mubarak-Regimes
Die Mubarak-Regierung, die der Öffentlichkeit die Proteste als Komplott der USA und Israels vermitteln wollte, versuchte am 2./3. Februar mit Hilfe ihrer bewaffneten Anhänger die Proteste niederzuschlagen. Immer brutaler gingen die Mubarak-Leute auch gegen Journalisten vor. Am 3. Februar sollten die Demonstranten vom zentralen "Platz der Befreiung" (Tahrir) in Kairo vertrieben werden, was nicht gelang.
Wenngleich die Position des Militärs zu diesem Zeitpunkt noch unklar war, hat es am 3. Februar 2011 versucht, Mubarak-Anhänger und Demonstranten voneinander zu trennen. Soldaten mit Kalaschnikow-Gewehren wurden zwischen beiden Seiten postiert, womit eine etwa 80 Meter breite Trennungslinie geschaffen wurde.
Wie am Nachmittag des 3. Februar bekannt geworden ist, hat die Generalstaatsanwaltschaft angekündigt, führende Regierungs- und Wirtschaftsvertreter die Ausreise aus Ägypten zu untersagen.
Parteiführung zurückgetreten
Am 5. Februar ist der Vorstand der regierenden Nationaldemokratischen Partei (NDP) zurückgetreten. Vorsitzender blieb weiterhin Mubarak, dem ein würdevoller Abgang ermöglicht werden soll. Wie die "New York Times" berichtet hat, sprach sich Ägyptens Führung um Vizepräsident Suleiman dafür aus, ihn nach Deutschland zu bringen - eine notwendige medizinische Behandlung solle die Einreise ermöglichen.
11. Februar 2011: Mubarak zurückgetreten
Hosni Mubarak hat sich nach 30-jähriger Herrschaft dem Druck der Protestbewegung ergeben. Am Freitag, den 11. Februar 2011, hat er endlich sein Amt als Staatspräsident niedergelegt. Die Staatsführung hat zunächst das Militär übernommen. »[...] Das Oberkommando der Streitkräfte werde Regierung und Parlament entlassen, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Arabija. Der Militärrat wolle die Macht dann zusammen mit der Spitze des ägyptischen Verfassungsgerichtes ausüben. [...]«
Zitiert aus: www.tagesschau.de, Erfolg der Massenproteste in Ägypten. Mubarak gibt auf, das Militär übernimmt, 11.02.2011
Was die Proteste mit den Rothschilds verbindet
Die Rothschild-Familie kontrolliert mit ihren Zentral Banken und Internationalen Finanzfonds die Wirtschaft von Tunesien, Ägypten, Jemen, Jordanien und Algerien. Aufkommende konkurrierende regionale Banken, die nach dem scharia-konformen System des Islamic Banking funktionieren, sollen geschwächt werden. Wie in folgendem Artikel zu lesen ist, sponsort der US-amerikanische Milliardär George Soros, der bei Rothschild’s "International Crisis Group" im Vorstand sitzt, seit Langem Trainings für sogenannte Pro-Demokratie-Aktivisten. Ziel ist, in den jeweiligen Ländern Chaos zu kreieren und während eines Machtvakuums, Personen zur Macht zu verhelfen, die den Interessen der mit den Rothschilds verbundenen Finanzorgane entsprechen.
Mohammed el-Baradei ist ein Treuhänder der "International Crisis Group"
www.puppet99.com, Rothschild Revolutions in Tunisia, Egypt Kill Islamic Banks, 9. Februar 2011:
»[...] Though it is a carefully guarded secret, the Rothschilds and their associates own most of the shares in the central banks [...]. With extremely little government input, the economies of Tunisia, Egypt, Yemen, Jordan, and Algeria are strictly controlled by the Rothschild’s central banks and their International Monetary Fund. [...] Islamic banks have been eating into Rothschild profits in the Middle East [...] Deposed Tunisian President Ben Ali’s son-in-law, Sakher El Materi, opened Tunisia’s first Islamic bank, Zitouna Bank, on May 26, 2010. Zitouna Bank is the first Islamic bank in the Maghreb region [North Africa]. The bank was a first step toward Ben Ali’s new program of extensive reforms, “Tunisia, a Pole for Banking Services and a Regional Financial Centre”, which would have undermined the power and the profits of the Central Bank of Tunisia (privately-owned by the Rothschilds and their associates). [...] These Rothschild revolutions are done under the pretense of bringing democracy and deposing despots, but the real aim is to initially create chaos and a leadership vacuum, then quickly offer a solution: install a puppet that will do the economic bidding of the Rothschilds. The citizens gain freedom of speech and association, but become economic serfs.
These revolutions are most likely coordinated at the highest levels by the Rothschild’s International Crisis Group. Mohamed ElBaradei is already being touted as a new leader for Egypt. ElBaradei is a trustee of the International Crisis Group. Another board member of this group is Zbigniew Brzezinski. George Soros sits on the executive committee. The later two are ubiquitous front men for the Rothschilds. [...]« (Hervorhebung von Textstellen durch muz-online.de)
4. März 2011: Neuer Premier Sharaf vom Militärrat zum Übergangs-Regierungschef ernannt
»[...] "Ich habe meine Legitimität von euch", ruft der erst am Donnerstag eingesetzte Übergangspremier Essam Scharaf in die Menge am Tahrir-Platz. Die Menschen feiern ihn und fordern das Ende des Ausnahmezustandes. [...] Sein Vorgänger Ahmed Shafik war noch Ende Jänner von Mubarak eingesetzt worden. Die Proteste gegen Mubarak unterstützte Sharaf von Anfang an. [...]«
Zitat: diepresse.com, 04.03.2011
»[...] Internetaktivisten und die leitende Wissenschaft wurden mit 500 Millionen Dollar durch das Middle East Partnerschaftsprogramm des State Departments gefördert, um veraltete Diktaturen im nahen Osten zu stürzen. [...]«
Am 23. März 2011 »[...] billigte das ägyptische Kabinett eine Verordnung, die Streiks, Proteste, Demonstrationen welche Auswirkungen auf private oder staatliche Unternehmen haben – verbieten. [...]
Die neue ägyptische Regierung ist ein Geschöpf des obersten Rates der Streitkräfte von Mohamed Hussein Tantawi, der diese zwei Jahrzehnte unter Mubarak leitete. Damit ist das Militär in Ägypten nun durch die Eliten kontrolliert und die Globalisten können damit beginnen, "Farbenrevolutionen" für die ganzen Nachbarstaaten zu initiieren. [...]«
Zitate aus: www.infokriegernews.de, Farben-Revolution made by USA, 28.03.2011
Mai 2011: Blutige Auseinandersetzungen zwischen Kopten und Moslems eskalierten am 7. Mai. Zwei koptische Kirchen wurden Anschlagsziel von islamischen Extremisten. Zwölf Menschen starben. Gerüchte gehen um, dass die Tat vielleicht von alten Mubarak-Leuten durchgeführt worden ist, um die neue Staatsführung, das "revolutionäre Ägypten", zu schwächen und Chaos zu verursachen.
24. Mai 2011: Die Weltbank und IWF "helfen" Tunesien und Ägypten mit Milliardenkrediten
Ägypten und Tunesien: Weltbank verspricht bis zu $ 6 Mrd.
»[...] WASHINGTON (AFP) - 2011.05.24 16.06
Die Weltbank teilte am Dienstag mit, dass sie beim G8-Gipfel, der Donnerstag öffnet, bis sechs Milliarden Dollar Finanzierung für Ägypten und Tunesien anbieten wird, vorausgesetzt, dass beide Länder ihre Reformen des politischen und wirtschaftlichen Systems fortzusetzen versprechen.
Diese 4,5 Mrd $ für Ägypten und $ 1,5 Mrd für Tunesien, die eine bereits angekündigte Finanzierung beinhalten, würden über mehr als zwei Jahre bezahlt werden, "je nach Tempo und Ausmaß der Reformen", sagte Weltbank-Präsident Robert Zoellick in einer Erklärung.
Beide Länder, wo Volksaufstände in diesem Winter die jeweiligen Präsidenten, die unangefochten für etwa ein Viertel eines Jahrhunderts regierten, stürzten, sind Gegenstand der Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft.
"Wir arbeiten eng mit dem IWF [Internationalen Währungsfonds] und andere multilaterale Entwicklungsbanken zusammen in Richtung auf einen integrierten Ansatz, um zu versuchen zu stabilisieren und zu modernisieren die Wirtschaft der Region", sagte Zoellick. [...]«
Zitiert aus: afri-russ-archiv.blog.de, 25.05.2011
9. Oktober 2011: Anschlag auf koptische Kirche in Assuan löst die schwersten Ausschreitungen seit dem Sturz von Präsident Husni Mubarak im Februar aus.
»[...] Eine Demonstration Tausender ägyptischer Christen gegen Angriffe auf eine Kirche im Süden des Landes ist in Kairo eskaliert und hat nach Angaben des ägyptischen Gesundheitsministeriums mindestens 24 Menschen das Leben gekostet. Bei den heftigen Auseinandersetzungen zwischen koptischen Christen, Muslimen und den ägyptischen Streitkräften seien außerdem über 170 Menschen verletzt worden, hieß es weiter. [...]«1
Welt Online sprach mit dem Menschenrechtsexperten Lessenthin über die Situation der Kopten in Ägypten. Hier ein Auszug:
»[...] Welt Online: Welchen Diskriminierungen ist die koptische Bevölkerung im Alltag ausgesetzt?
Lessenthin: Die Liste ist so lang, dass man gar nicht alle nennen kann. Durch die Eintragung der Religionszugehörigkeit in die Personaldokumente werden die Kopten am Arbeitsmarkt trotz hoher Qualifikation stets benachteiligt, Muslime werden bei Bewerbungen vorgezogen.
Auch wäre es nicht möglich, dass ein Christ durch freie Wahlen ein Regierungsamt antritt. [...]
Welt Online: Inwieweit hat sich die Situation seit dem Sturz von Ex-Präsident Mubarak verändert?
Lessenthin: Entgegen aller Hoffnungen hat sich die Lage der koptischen Christen leider nicht verbessert, man kann vielmehr von einer schleichenden Verschlechterung sprechen. [...]«2
Zitat1: www.welt.de, Viele Tote bei heftigen Kopten-Protesten in Kairo, 9. Oktober 2011
Zitat2: www.welt.de, "Kopten haben keinerlei Schutz vor Übergriffen", 10.10.2011
22. November 2011: »Ägyptens Übergangsregierung erklärt Rücktritt
Die ägyptische Übergangsregierung hat ihren Rücktritt angeboten. Sie zog damit die Konsequenz aus den seit Tagen andauernden Protesten auf dem Tahrir-Platz in Kairo, die sich gegen die Regierung von Ministerpräsident Essam Scharaf und den Militärrat richten.
Nach Berichten des Nachrichtensenders Al Dschasira akzeptierte der Militärrat, der das Land seit der Entmachtung von Präsident Hosni Mubarak im Februar lenkt, das Rücktrittsschreiben des Kabinetts. Ein Militärsprecher widersprach der Darstellung auf der regierungsnahen Nachrichtenwebsite "Al-Ahram Online" jedoch. Demnach hat der Rat noch keine Entscheidung gefällt. Angeblich wollen die Generäle erst einen neuen Ministerpräsidenten suchen, bevor sie Scharaf und seine Mannschaft ziehen lassen.
Der im März angetretene Scharaf war anfangs bei den pro-demokratischen Kräften seines Landes sehr beliebt. Im Laufe der Monate wuchs jedoch die Enttäuschung, weil sich die Regierung gegenüber dem Militärrat als machtlos erwies und Reformen nur langsam anging.
Die Enttäuschung war Ende vergangener Woche in Wut umgeschlagen: Seit Freitag liefern sich Demonstranten und Sicherheitskräfte blutige Auseinandersetzungen auf dem Tahrir-Platz in Kairo. [...]
Revolutionäre fühlen sich um Revolution betrogen
Doch inzwischen fühlen sich die Revolutionäre um ihre Revolution betrogen. Ihr neues Feindbild: der Militärrat. "Das Volk will den Sturz des Feldmarschalls", rufen die Demonstranten. Der Vorsitzende des Militärrates, Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi, ist für sie der neue Mubarak. Bisherige Bilanz der tagelangen Unruhen: Mindestens 26 Tote und mehr als 2000 Verletzte. Krankenhausärzte sprechen sogar von 33 Toten.
Auch heute war es den ganzen Tag über wieder zu Ausschreitungen auf dem Tahrir-Platz gekommen. Etwa 3000 Aktivisten standen Hunderten Polizisten gegenüber, die Tränengas und Gummigeschosse abfeuerten. Die Demonstranten warfen ihrerseits Steine und Brandsätze auf die Beamten. Zu Zusammenstößen kam es auch vor dem nahegelegenen Innenministerium.
Die Demonstranten fordern eine schnellere Übergabe der Verantwortung an eine zivile Regierung. Bislang ist geplant, dass der Militärrat die Macht nach der Präsidentschaftswahl abgibt. Ein Termin dafür steht noch nicht fest. Für zusätzliches Misstrauen sorgt, dass dem Militär im Verfassungsentwurf offenbar weitgehende Autonomie garantiert wird. Sie soll ihr Budget ohne Rücksicht auf die Regierung bestimmen und verwalten und bis zur Wahl eines Präsidenten eine wichtige Rolle im politischen Prozess spielen dürfen.
Wahl wird nicht verschoben
Die blutigen Unruhen auf dem Tahrir-Platz kommen zu einem politisch brisanten Zeitpunkt. Ab kommenden Montag wird in Ägypten in drei Phasen ein neues Parlament gewählt. Damit zieht sich die Wahl bis zum Januar hin. Anschließend soll das Land eine neue Verfassung bekommen. Gerüchte, wonach die Wahl wegen der Krawalle verschoben wird, bestätigten sich nicht.
Inmitten der andauernden Gewalt erließ der Militärrat ein Gesetz gegen Korruption. Nach dem Gesetzestext, der von der staatlichen Nachrichtenagentur MENA veröffentlicht wurde, werden wegen Korruption verurteilte Staatsdiener für die Dauer von bis zu fünf Jahren von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Zudem dürfen sie weder wählen, noch bei Wahlen antreten. Das Gesetz könnte vor allem ehemaligen Mitgliedern der Regierung des gestürzten Präsidenten Mubarak den Zugang zu öffentlichen Ämtern versperren. Der Zeitpunkt der Gesetzgebung legt nahe, dass es sich um ein Zugeständnis an die Demonstranten handelt. [...]«
Zitat: www.dasding.de, 22.11.2011
23.11.2011: Unterdessen gehen die Proteste weiter. Die Demonstranten fordern den sofortigen Rücktritt des Mililtärrats und Neuwahlen.
»[...] Muslimbruderschaft hält sich raus
Die einflussreiche Muslimbruderschaft hält sich bedeckt und beteiligt sich diesmal nicht an den Massenprotesten. Die Islamisten rechnen sich bei den am Montag beginnenden Parlamentswahlen gute Chancen aus. [...]«
Zitat: www.tagesschau.de, Tausende beharren auf Rückzug des Militärrats, 23.11.2011
Islam und Scharia für Ägypten
»[...] In einem kurz vor dem 29.Juli veröffentlichten, wegweisenden Dokument zu den Beziehungen zwischen Staat und Religion, hatte die Führung der Al-Ahzar Universität ausführlich begründet, warum die Prinzipien der islamischen Scharia bei der Errichtung eines modernen, demokratischen und islamischen Staates die grundsätzliche Quelle der Gesetzgebung in Ägypten sein müsse.
Die Al-Ahzar Universität, die seit dem Sturz Mubaraks wieder die führende Rolle in der Verbreitung des gemäßigten Islam und der religiösen Toleranz eingenommen hatte, ist gemäß ihrer historischen Aufgabe auch die Quelle einer korrekten islamischen Rechtswissenschaft geblieben.
Der Präsidentschaftskandidat und Nobelpreisträger El-Baradei, der eine maßgebliche Rolle in der Zeit des Umbruchs in Ägypten gespielt hatte, schaltete sich zu gleicher Zeit in die Diskussion um die künftige Staatsform Ägyptens ein. Auch er legte ein Dokument zu grundsätzlichen Fragen einer neuen ägyptischen Verfassung vor und besteht darauf, dass die Grundsätze der islamischen Scharia die Hauptquelle der Gesetzgebung sein müsse, ebenso wie der Islam die Religion des ägyptischen Staates ist und arabisch die offizielle Sprache. [...]«
Zitat: www.bator.eu, Der arabische Frühling und die islamische Bewegung in Ägypten - Seite 2
25. November 2011: Der oberste Militärrat hat Kamal al-Gansuri zum Ministerpräsidenten ernannt.
Al-Gansuri war bereits von 1996 bis 1999 unter Hosni Mubarak Regierungschef. Er wurde nun mit der Bildung einer Übergangsregierung beauftragt.
7. Dezember 2011: Neues Kabinett vereidigt
Premierminister Kamal al-Gansuri hat am 7. Dezember »[...] seine "Regierung der nationalen Rettung" vorgestellt. Am Nachmittag wurde sie vom Vorsitzenden des Militärrates, Mohammed Hussein Tantawi, vereidigt. [...] Zahlreiche Minister hat Gansuri entweder aus dem Vorgängerkabinett übernommen oder sie dienten bereits unter Mubarak. [...] Die gemäßigt islamistischen Muslimbrüder und die ultrakonservativen Salafisten haben bei den Wahlen unterdessen ihren Vorsprung ausbauen können. [...]«
Bislang haben 40% der Wähler für die Muslimbrüder und 20% für die Salafisten gestimmt. Es gilt somit als sicher, dass Ägyptens zukünftige Regierung aus Muslimbrüder und Salafisten bestehen und die Rechtsordnung die Scharia sein wird.
Zitat: www.sueddeutsche.de, Neue Regierung, alte Gesichter, 7. Dezember 2011
21. Januar 2012: Islamisten vereinen 75% der Stimmen
»[...] Das offizielle Endergebnis der ersten freien Wahl in Ägypten steht fest: Die islamistischen Parteien sicherten sich zusammen mehr als zwei Drittel der Parlamentssitze im neuen Abgeordnetenhaus. [...] Stärkste politische Kraft sind die Muslimbrüder. Die Partei "Freiheit und Gerechtigkeit", die aus der Muslimbruderschaft hervorging, konnte 47,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. [...] Auf die radikal-islamische "Nur"-Partei aus dem Lager der Salafisten entfielen 24,6 Prozent der Stimmen und damit 123 der insgesamt 489 Sitze. Ihr Erfolg ist die größte Überraschung bei der Parlamentswahl. Anhänger der Partei waren im Wahlkampf immer wieder mit Ankündigungen aufgefallen, Alkohol und Bikinis in den Badeorten am Roten Meer verbieten zu wollen. [...] Die traditionsreiche liberale Wafd-Partei belegt mit neun Prozent der Stimmen laut Wahlkommission den dritten Platz und sicherte sich 36 Sitze, gefolgt von der neuen liberalen "Ägyptischen Allianz" von Multimillionär Naguib Sawiris mit 33 Sitzen. Die Revolutionsjugend, die am 25. Januar 2011 die Massenproteste gegen Mubarak initiiert hatte und damit seinen Sturz herbeigeführt hatte, spielt dagegen im neuen Parlament mit nur sieben Mandaten kaum ein Rolle.[...]«
Zitat: www.tagesschau.de, Wahl in Ägypten.
Islamisten holen mehr als zwei Drittel der Sitze, 21.01.2012
1. Februar 2012: Tote und Verletzte in Port Said nach Fußballspiel
Um nun auch die letzten Zweifler von der Richtigkeit einer islamistischen Regierung zu überzeugen, gab die von den Muslimbrüdern gegründete "Partei der Freiheit und Gerechtigkeit" Anhängern des alten Mubarak-Systems die Schuld für die Krawalle. Wie es heißt, seien die Krawalle geplant gewesen.
Doch selbst wenn dies so nicht war, wird wohl deutlich - hier wie auch anderswo -, dass aufgestauter Frust sich eben Ventile sucht, um sich Luft zu machen. Und der Frust der Ägypter scheint sehr groß zu sein !