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Willkommen in Ägypten

[Ägypten] [Reform und Revolution] [Die Al-Azhar-Universität]
[Suche nach dem richtigen Entwicklungsweg] [Entwicklungen] [Die Menschen]
[www-Links] [Literatur]

Offizieller Name: Arabische Republik Ägypten
Hauptstadt: Kairo
Fläche: 1.001.449 km² (davon 94,5% Wüsten)
Landesnatur: Libysche Wüste westlich des Nil, Uferoase des Nil, Arabische Wüste östlich des Nil, Sinai-Halbinsel im Osten
Klima: Subtropisches Klima
Hauptflüsse: Nil
Höchster Punkt: Jabal Katrinah 2642 m
Tiefster Punkt: Kattarasenke -133 m
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 27 Provinzen
Parlament: Nationalversammlung ("Rat des Volkes") mit 454 Mitgliedern, "Schura" (210 Mitglieder)
Nationalfeiertag: 23. Juli
Einwohner: 67.226.000 (1999); 78.887.007 (geschätzt für Juli 2006) darunter etwa 1% Minderheiten (Nubier, Beduinen, Sudanesen, Syrer, Beja und Europäer)
Bevölkerungsdichte: 67 Ew./km² (1999); Am Nil und in seinem Mündungsdelta leben 99% der Bevölkerung
Stadtbevölkerung: 46% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 35% (1999)
Analphabetenquote: 45%
Sprache: Hocharabisch (Amtssprache), Englisch und Französisch als Bildungs- und Handelssprachen
Religion: Moslems ca. 94% (Sunniten), Kopten 6%, Minderheiten von Katholiken, Protestanten, Griechisch-Orthodoxen und Juden
Währung: Ägyptisches Pfund
Importgüter: Maschinen, Fahrzeuge, Weizen, Weizenmehl, Stahl, Eisen, Holz
Exportgüter: Baumwolle und -garne, Textilien, Erdöl und Erdölprodukte, Halbfertigwaren, Reis, Ölsamen, Gemüse



Ägypten

Schon im Altertum lockte es Reisende in das Land am Nil, das laut Herodes (um 485 v.Chr. - um 425 v.Chr.) "mehr wunderbare Dinge und erstaunliche Werke enthält als alle anderen Länder". Diese Anziehungskraft ist bis heute ungebrochen - im Gegenteil: Seit Herodot hat Ägypten weiter Geschichte gemacht, wurde zu einem der ersten christianisierten Länder der Erde und zur Wiege des Mönchtums - und nach der arabischen Eroberung zu einem einzigartigen Sammelpunkt islamischer Gelehrsamkeit und prächtiger Bauten.
Götter und Pharaonen sind noch immer Ägyptens beste Werbeagenten. Keine andere frühe Hochkultur vermittelt sich so anschaulich: Gewaltige Pyramiden zeugen von der gemeinschaftlichen Leistung eines Volkes, feierliche Prozessionswege zu den Tempeln erzählen vom Götterkult und fröhlichen Festen, farbenprächtige Reliefs in den Gräbern geben Aufschluss über das Leben im Diesseits und über die Vorstellungen von den Freuden und Leiden im Jenseits. Daneben verdienen aber auch die Kirchen der Kopten, die Moscheen und das Koptische und das Islamische Museum in Kairo das Interesse des Besuchers.
Die faszinierenden Kulturdenkmäler früherer Epochen drängen das gegenwärtige Ägypten meist in den Hintergrund. Zu vielschichtig sind die wirtschaftlichen und sozialen Probleme, die durch die besondere geographische Situation noch zusätzlich verschärft werden.
Ägypten ist zwar eines der flächenmäßig größten Länder der arabischen Welt, doch bestehen 96% seines Territoriums aus Wüste. Auf den restlichen 4% drängen sich über 67 Millionen Menschen, und Jahr für Jahr kommt eine weitere Million hinzu. Der traditionelle Kultur- und Siedlungsraum - der schmale Landstreifen entlang des Nils und dessen Mündungsdelta - lässt sich nur durch langwierige und teure Projekte der Neulandgewinnung in die Wüste hinein erweitern. Gleichzeitig jedoch geht wertvoller Boden durch Straßen- und Wohnungsbau oder für die Herstellung von Lehmziegeln verloren. Das Missverhältnis zwischen Einwohnerzahl und verfügbarem Boden wird immer drastischer. Auf Schritt und Tritt wird der Besucher mit diesem Grundproblem Ägyptens konfrontiert. Wer vielseitig interessiert ist, wird sich dennoch auch dem heutigen Ägypten nicht verschließen können - dem Zauber der Nillandschaft und der schattigen Lehmdörfer, dem Gegensatz zwischen dem fruchtbaren Niltal und angrenzenden Wüstengebieten mit den eingestreuten Oasen, der faszinierenden Landschaft im Sinai, dem schnellen Rhythmus der Metropole Kairo und dem Charme verschlafener Kleinstädte, vor allem aber den freundlichen Menschen.
Die Vorgeschichte Ägyptens endete, als gegen 3000 v.Chr. König Medes das Niltal zu einem zentralistischen Staat zusammenschloss.
Einen ersten Höhepunkt erlebte das pharaonische Ägypten während des Alten Reiches (2640-2160 v.Chr.). Die gewaltigen Pyramidenbauten von Djoser, Snofru, Cheops, Chephren und Mykerinos waren Ausdruck der uneingeschränkten königlichen Macht, die unter den Nachfolgern jedoch zusehends verfiel. Mit dem Alten Reich zerbrach zugleich ein auf Ewigkeit ausgerichtetes Weltbild. Erst hundert Jahre später stabilisierte sich die politische Situation, als das Land vom oberägyptischen Theben aus erneut geeint wurde. Aber auch das Mittlere Reich (2040-1650 v.Chr.) hatte seine Kräfte erschöpft, als die Hyksos aus Vorderasien das Land für hundert Jahre besetzten.
Durch Eroberungen zu Beginn des Neuen Reiches (1551-1070 v.Chr.) dehnte Ägypten sein Herrschaftsgebiet zeitweise bis zum Euphrat aus. Internationale Handelsbeziehungen und Tributzahlungen eroberter Völker brachten sagenhafte Reichtümer ins Land. In jener Zeit wurde das Tal der Könige angelegt, wuchsen die Tempel in Theben. Auch nach den Wirren, die König Echnaton (1364-1347 v.Chr.) mit seinen politischen und religiösen Reformen ausgelöst hatte, erlebte das Land noch glanzvolle eineinhalb Jahrhunderte. Aufreibende Kriege, Wirtschaftskrisen und Korruption kennzeichnen schließlich das Ende einer eigenständigen Geschichte. Aber auch die folgenden Fremdherrscher - Libyer, Äthiopier und Perser - stellten sich alle in die ruhmreiche Tradition der Pharaonen. 332 v.Chr. eroberte Alexander der Große kampflos Ägypten und gründete Alexandria. Nach seinem Tod teilten seine Feldherren das Weltreich auf, Ptolemaios erhielt das Land am Nil. Er begründete die Dynastie der Ptolemäer, die 30 v.Chr. mit dem Tod der Königin Kleopatra endete. Geschickt hatten die Römer die chaotischen Zustände im Land und die Thronstreitigkeiten innerhalb der Herrscherfamilie für eine Invasion genutzt. Ägypten wurde Provinz des Römischen Reiches. Bei der Reichsteilung 395 n.Chr. fiel das inzwischen christianisierte Land an Byzanz.
Christliche Kreuzfahrer und ungläubige Mongolen erschütterten im 12./13. Jahrhundert die islamische Welt und bedrohten auch Ägypten. Beide Gefahren konnten abgewehrt werden. Gestärkt gingen Ägyptens Herrscher, die von Militärsklaven abstammenden Mamluken, aus dem Ansturm der Mongolen hervor. Trotz oft erbitterter innenpolitischer Machtkämpfe bestimmten sie Ägyptens Geschick bis in die Neuzeit. Selbst die Eroberung durch das militärtechnisch überlegene Osmanische Reich im Jahr 1517 änderte nur wenig an ihrem Einfluss, denn für die neuen Machthaber war das Land am Nil eine bedeutungslose Randprovinz. 1798 nahm Napoleon ein wirtschaftlich ruiniertes Land ein.

Reform und Revolution

Nach dem Ende der kurzen französischen Besetzung reorganisierte der einstige osmanische Offizier Mohammed Ali (1769-1849) das abgewirtschaftete Land. Seine vielseitigen Reformen, die ihn zum "Vater des modernen Ägyptens" machten, finanzierte er aus dem Anbau und Export von Baumwolle. Die Textil- und Rüstungsfabriken der 1830er Jahre stehen für den ersten Versuch einer Industrialisierung.
Schon bald unter seinen Nachfolgern bahnte sich jene dramatische Entwicklung an, die knapp hundert Jahre später zur Revolution führen sollte: hohe Staatsausgaben für ehrgeizige Reformprojekte, wachsende Verschuldung und als Folge extreme soziale Spannungen.
Mit dem Verkauf der Suez-Kanal-Aktien an England lieferte sich Ägypten vollends fremden Interessen aus, zu deren Schutz es 1882 für über siebzig Jahre besetzt wurde. Ägypten wurde zum weltmarktabhängigen Baumwoll-Lieferanten für die englische Textilindustrie. Aus Protest gegen die Fremdbestimmung nahmen nationalistische Strömungen zu. In den Nachkriegsjahren erreichte die politische, wirtschaftliche und soziale Krise Ägyptens ihren Höhepunkt. Der letzte Erbe der Dynastie Mohammed Alis, König Faruk (1920-1965), musste nach einem unblutigen Staatsstreich 1952 ins Exil gehen.





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Sonnenuntergang Cheops-Pyramide
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Sonnenuntergang Cheops-Pyramide. 1986.


Tempel der Hatschepsut
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Tempel der Hatschepsut. 1986.


Karnak-Tempel in Luxor
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Karnak-Tempel in Luxor. 1986.


In der Königskammer der Cheops-Pyramide
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In der Königskammer der Cheops-Pyramide. 1986.


Die Memnon-Kolosse
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Die Memnon-Kolosse. 1986.




Sonnenuntergang auf dem Nil
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Sonnenuntergang auf dem Nil. 1986.


Eine Nilreise mit der Felluke "Raujah"
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Eine Nilreise mit der Felluke "Raujah". 1986.


Sonnenaufgang auf dem Nil
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Sonnenaufgang auf dem Nil. 1986.


Mit dem Fahrrad ins Tal der Könige
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Mit dem Fahrrad ins Tal der Könige. 1986.


Der Komombo-Tempel
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Der Komombo-Tempel. 1986.


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Suche nach dem richtigen Entwicklungsweg

Ägypten ist ein Entwicklungsland, das glücklicherweise gute Potentiale besitzt: natürliche Ressourcen wie den Nil, die fruchtbaren Böden und das Erdöl, eine günstige Verkehrslage und einen großen Binnenmarkt. Trotz ganz unterschiedlicher Strategien und zeitweise beeindruckender Wachstumsraten haben jedoch weder Gamad Abd An Nassers (1918-1970) Politik des "Arabischen Sozialismus" noch Anwar As Sadats (1918-1981) westlich orientierte "Öffnungspolitik" einen dauerhaften Entwicklungsprozess in Gang setzen können: Die Landwirtschaft kann die Bevölkerung nicht ernähren, die Industrie ist auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig, das Haushaltsdefizit ist chronisch, die Staatsbürokratie aufgebläht.
Durch eine hohe Außenverschuldung sind auch die Handlungsspielräume des derzeitigen Präsidenten Hosni Mubarak eng begrenzt. Sein besonnener Kurs geht immer wieder im innen- und außenpolitischen Krisenmanagement unter. Vor allem die steigenden Lebensmittelimporte verschlingen einen immer größeren Anteil der knappen Deviseneinnahmen.
Kein Wunder, dass angesichts dieser Dauerkrise viele Ägypter das Vertrauen in die gegenwärtige Politik verloren haben. Vor allem mussten sie die Erfahrung machen, dass die importierten gesellschaftlichen Modelle - egal ob Sozialismus oder Kapitalismus - bei der Lösung der drängenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme versagt haben.

So entstanden bereits in den 1970er Jahren fundamentalistische Bewegungen, für die der Islam allein die Antwort auf die Krise der ägyptischen Gesellschaft geben kann und die sich seit Beginn der 1990er Jahre zunehmend radikalisierten. Sie versuchten mehrfach durch Attentate auf Touristen, wie im November 1997 nahe Luxor, die wirtschaftliche Krise zu verstärken.

Entwicklungen
Eines der einflussreichsten Sammelbecken islamisch-fundamentalistischer Prägung ist die 1928 in Kairo gegründete Muslimbruderschaft. Sie gilt als einzig ernstzunehmende Opposition in Ägypten. Eine umstrittene Verfassungsänderung, vorgelegt von Präsident Mohamed Hosni Mubarak im Dezember 2007, sieht u.a. ein Verbot von Parteien mit "religiösem Hintergrund" vor. Parlamentssitze sollen nur noch an Kandidaten vergeben werden, die auf der Liste einer zugelassenen Partei antreten, womit auch unabhängige Bewerbungen ausgeschlossen werden. Diese Maßnahmen richten sich insbesondere gegen die Muslimbruderschaft, deren islamistische Bewegung verboten ist und deren 88 Abgeordnete als Unabhängige 2005 ins Parlament gewählt worden sind.
Die Verfassungsreform wird von Amnesty International als "folgenschwere Untergrabung der Menschenrechte" kritisiert. Diese Reform billige außerdem der Staatsmacht weitreichende Kompetenzen in der Terrorbekämpfung zu, wie z.B. Verhaftungen von Verdächtigen, Hausdurchsuchungen und Abhörmaßnahmen ohne richterliche Genehmigung. Zahlreiche Razzien gegen Anhänger der Muslimbrüder ab Dezember 2006 führten zu Hunderten Festnahmen, darunter führende Funktionäre der Muslimbrüder, Studenten und Lehrkräfte der Al-Azhar-Universität. Anderen verhafteten Mitgliedern der Bruderschaft wurde die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung oder die Bildung einer militärischen Organisation vorgeworfen. Zahlreiche angebliche Parteikonten wurden eingefroren.

Die Muslimbruderschaft
Großbritannien ist Sitz der Föderation der islamischen Organisationen in Europa (FIOE), welche der Dachverband der verschiedenen Organisationen der Muslimbruderschaft ist. Amtierender Oberster Führer der Muslimbrüder ist seit 2004 Muhammad Mahdi Akif, der öffentlich den gewaltsamen Widerstand im Irak, die Selbstmordattentate der HAMAS und anderer palästinensischer Gruppen unterstützt und dem jüdischen Volk jegliches Existenzrecht zwischen Mittelmeer und Jordan abspricht. Zudem zeigt er sich mit Blick auf den Westen zuversichtlich, dass eine Islamisierung Europas und der USA nur eine Frage der Zeit sei. Die Muslimbruderschaft, 1928 in Ägypten gegründet, ist die größte islamistische Organisation des sunnitischen Islams und hat die schrittweise Errichtung eines weltweiten islamischen Staates auf der Basis der Scharia zum Ziel. Siehe auch: Homepage der Mutterorganisation in Kairo: The Muslim Brotherhood (Ikhwan) - Official English Website.

Extrem niedrige, seit Jahren stagnierende Löhne bei steigenden Lebenshaltungskosten schüren die Unzufriedenheit der Masse der ägyptischen Bevölkerung. Da seitens der Regierung nicht ausreichend auf die Sorgen und Nöte der Menschen eingegangen wird, treibt es sie zunehmend in die Arme der Muslimbrüder. Eine Streikwelle mit insgesamt mehr als 50 Streiks in allen wichtigen Industriezweigen legte zwischen Dezember 2006 und Mai 2007 die ohnehin schwächelnde Wirtschaft lahm.
Explosionsartig gestiegene Lebensmittelpreise - insbesondere für Mehl und Brot - im ersten Quartal 2008 führten zu ausgedehnten "Hunger"-Protesten Zehntausender Menschen.

2008: Explosionsartig gestiegene Lebensmittelpreis

neues-deutschland.de: »[...] Nach Angaben des UN-Welternährungsprogramms sind die Lebenshaltungskosten seit Jahresbeginn um 50 Prozent gestiegen. Nicht nur Bedarfsgüter, Öl und Benzin verteuerten sich, auch der Brotpreis stieg drastisch: Sämtliche Brotsorten wurden innerhalb kürzester Zeit um 70 bis 100 Prozent teurer. [...]« Siehe: Ägypter kämpfen ums tägliche Brot.
Siehe auch: muz-online.de zum Thema "Globalisierung und Neoliberalismus"

Juni 2010: Lebensmittelpreise steigen in Ägypten ins Unerschwingliche

»[...] Die Lebensmittelpreise steigen in Ägypten ins Unerschwingliche. Vor allem das Fleisch kann sich fast niemand mehr leisten. Jetzt hat die Bevölkerung genug und geht auf die Strasse. Der soziale Frieden ist bedroht. [...]«
Aus: www.20min.ch, 07. Juni 2010

2010: Russlands Exportstopp für Weizen. Weltbank warnt vor Ernährungskrise.

»[...] Auch der weltweit größte Weizenimporteur Ägypten ist von dem russischen Exportstopp betroffen. In den vergangenen zwölf Monaten bezog Ägypten nach Angaben der Behörden in Kairo fast 60 Prozent seines Weizens aus Russland. Umso besorgter verhandelt Ägypten nun mit Moskau über eine Nachlieferung von 650000 Tonnen Weizen, die Kairo für die kommenden sechs Wochen in Russland bestellt hatte. [...]«
Aus: www.sueddeutsche.de, 10.08.2010

August 2010: Proteste wegen Energie-Krise.

»Die Energie-Krise in Ägypten bringt die Bevölkerung gegen die Obrigkeit auf. [Wie die ägyptische Regierung mitteilte, wird sie an ihrer Absicht festhalten und die Ausbringungsmenge der Kraftwerke weiterhin vermindern.
Begründet wird dieser Schritt mit der anhaltenden Hitzewelle, die Ägypten Temperaturen von über 40 Grad Celsius beschert. [...] Besonders kritisiert wird seitens der Protestierenden der Export von Gas an Israel, statt diese Ressource für die eigene Energiesicherheit zu nutzen. [...]«
Aus: www.newspoint.cc, 24. August 2010

SEKEM ("sonnenhafte Lebenskraft") - Ein alternatives Projekt mit Nachhaltigkeit

»[...] Nachhaltige Entwicklung durch fairen Handel und die Verbindung von Ausbildung, Kultur und gerechten Arbeitsbedingungen - dafür steht die Entwicklungsinitiative SEKEM aus Ägypten seit über 30 Jahren. Die demeter-Farm SEKEM wurde vor rund 30 Jahren durch Dr. Ibrahim Abouleish in Ägypten gegründet. Das ökologisch orientierte landwirtschaftliche Projekt verband von Anfang an soziale und kulturelle Visionen. Auf der Farm und in Verarbeitung und Vermarktung der landwirtschaftlichen Produkte arbeiten heute 2000 Menschen. SEKEM unterhält eine eigene Schule mit Kindergarten und Heilpädagogik, eine Berufsschule, ein Gesundheitszentrum, das über 30,000 Menschen in der näheren Umgebung versorgt, und eine Akademie für angewandte Forschung in Wissenschaft und Kunst.[...]«
Aus: www.glocalist.com, 10. Mai 2010

»[...] Der wirtschaftliche Ertrag soll ... einer menschheitlichen Aufgabe und nicht Kapitalinteressen dienen. [...]«
Aus: www.sekem-freunde.de

Alternativer Nobelpreis für SEKEM
Am 8. Dezember 2003 erhielt Ibrahim Abouleish den "Alternativen Nobelpreis" für das von ihm gegründete Projekt SEKEM.
»[...] 1977 gründete der Ibrahim Abouleish Sekem, heute eine riesige Farm in der Wüste, in der ökologischer Landbau betrieben wird. Für seine Arbeit erhielt der Ägypter den Alternativen Nobelpreis. Mit dem Preisgeld will er eine Universität gründen. [...]«
Aus: www.faz.net, 8.12.2003

Siehe auch: www.rightlivelihood.org - The "Alternative Nobel Prize"
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Die Menschen

Im Gegensatz zu fast allen anderen Staaten des Nahen Ostens und Afrikas ist Ägypten nicht zusätzlich von ethnischen Problemen belastet. Die Bevölkerung besteht überwiegend aus den arabisierten Nachkommen der alten Ägypter, einem hamitisch-semitischen Mischvolk. Schon in der Vorzeit waren die Grundlagen einer Agrargesellschaft geschaffen worden, nachdem die vorwiegend nomadische Bevölkerung durch eine bäuerliche abgelöst worden war.
Ethnische Minderheiten bilden heute die dunkelhäutigen hamitischen Nubier, die Beduinen, die meist arabischer Herkunft sind, und die Sudanesen im Süden. Der ursprüngliche Siedlungsraum der etwa 100.000 Nubier ist heute vom Nasser-See bedeckt. Sie wurden bei Kawm Umbu (Kom Ombo) in Oberägypten neu angesiedelt. Nur noch wenige der etwa 250.000 Beduinen ziehen mit ihren Kamelherden durch Ägyptens Wüstengebiete. Viele sind sesshaft geworden und arbeiten in der Öl- und Bauwirtschaft oder im Tourismus.
Die arabischen Eroberer haben sich überwiegend mit den Städtern vermischt. Daher kommt die ländliche Bevölkerung, die Fellachen des Niltals, im Aussehen ihren altägyptischen Vorfahren wohl noch recht nah. Ähnlich ist es mit den Kopten, die sich als Christen nicht mit den moslemischen Arabern verbanden. Als größte religiöse Minderheit im Nahen Osten stellen sie knapp 10% der Bevölkerung.

Moslems und Christen
Im Jahr 640 wurde das christliche Ägypten von den Arabern erobert. Allmählich durchdrangen Kulturkreis, Religion und Sprache der neuen Herren das Land und legten den Grundstein des heutigen islamischen und arabisierten Staates. 969 wurde Kairo gegründet und entwickelte sich bald zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum des Landes.
Ägypten ist ein islamisches Land, in dem etwa 90% der Bevölkerung sunnitische Moslems sind. Der Islam kennt keine Trennung von Politik, Gesellschaft und Religion: Er regelt sämtliche Lebensbereiche bis ins Detail und weist dem Gläubigen dadurch den rechten Weg. Ägyptens Gesetzgebung orientiert sich an den Prinzipien der Scharia, dem islamischen Recht. Versuche religiöser Gruppierungen, die Scharia als allein gültiges Gesetz einzuführen, sind im Parlament bisher gescheitert.
Natürlich empfinden die rund sechs Millionen Kopten diese Tendenzen als beunruhigend. Über die Jahrhunderte hinweg hat es letztlich jedoch nie Zweifel an der nationalen Einheit von Moslems und Kopten gegeben. Auch sind die ägyptischen Christen gesellschaftlich voll integriert und gehören allen sozialen Schichten an. Besonders zahlreich sind sie in den freien Berufen vertreten, aber auch die Ärmsten der Armen, Kairos private Müllsammler, sind überwiegend Kopten.
Die Spannungen zwischen den beiden Religionsgruppen haben sich nach der katastrophalen Niederlage Ägyptens gegen Israel im Junikrieg 1967 und durch die anhaltende wirtschaftliche Krise erhöht. Ausdruck dieser Krise war nicht nur eine allgemeine religiöse Rückbesinnung bei Christen wie Moslems, sondern auch ein wachsender religiöser Fanatismus der islamischen Fundamentalisten.

Schweine - Schweinegrippe (28. April 2009)

Aus Angst vor der Schweinegrippe werden in Kairo rund 250.000 Schweine vorsorglich getötet (28.4.09)

Siehe auch:
Egypt MPs seek 'immediate death' for nation's pigs
Egypt considers mass pigs cull over swine flu fears:
»[...] The move is not expected to block the H1N1 virus from striking, as the illness is spread by people and not present in Egyptian swine. But acting against pigs, largely viewed as unclean in conservative Muslim Egypt, could help quell a panic.
Pigs are mainly raised by Egypt's Christian minority. [...]«
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Die Al-Azhar-Universität

Im Juli des Jahres 969 ließ ein ehemaliger Sklave mit Namen Gohar sein Heer von Tunesien bis zu den Ufern des Nil in Ägypten marschieren, wo ihm der Sage nach ein schwarzer Hund die günstigste Stelle zur Überquerung des Flusses gezeigt haben soll. Am Ostufer sollte er den Grundstein der modernen Stadt Kairo, arabisch "AI Qahirah", der neuen Hauptstadt der Fatimiden, und der großen Al-Azhar-Moschee, des Zentrums der islamischen Lehre, legen. Die Dynastie der Fatimiden ist nach Fatima benannt, der Ehefrau Alis, Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed. Ihrer Meinung nach hatten sie als Nachkommen Alis und Fatimas ein größeres Anrecht auf die führende Rolle in der islamischen Gemeinschaft als die abbasidischen Kalifen in Bagdad.

Nachdem Gohar Gizeh erreicht hatte, heute ein Vorort Kairos, entdeckte er, dass die Pest in der Stadt grassierte. In der Region waren ihr eineinhalb Millionen Menschen zum Opfer gefallen. Die Menschen baten Gohar um Gnade, und er verbot seinen Soldaten, den Bewohnern Schaden zuzufügen und die Stadt zu plündern. In einem höher gelegenen Gebiet nördlich der Stadt errichtete er sein Lager und entschied sich, an dieser Stelle, etwas nördlich der älteren Siedlung Fustat (640 durch die ersten in Ägypten eindringenden Araber gegründet), seine Hauptstadt anzulegen.

Die neue Stadt
Am 5. August 969 wurde am nordöstlichen Stadtrand des heutigen Kairo im freien Gelände ein Quadrat von 1100 m Seitenlänge abgesteckt. Die Astrologen Gohars versammelten sich, um den günstigsten Moment für den Beginn der Eröffnungszeremonie zu bestimmen. An Seilen wurden Glocken aufgehängt, die als Signal für die Arbeiter geläutet werden sollten, sobald die Astrologen eine Entscheidung getroffen hätten. Ein Rabe setzte sich jedoch auf die Seile, löste das Glockengeläut aus, und die Arbeiter gingen augenblicklich ans Werk. Obwohl der Zeitpunkt von den Astrologen als unglücklich erachtet wurde, war es nun zu spät. - Die Stadt erhielt den Namen "AI Qahirah" (arabisch "die Siegreiche"). Innerhalb ihrer Mauern legte Gohar auch den Grundstein zur Al-Azhar-Moschee (AI Azhar, arabisch "die Prächtige").
Im islamischen Fastenmonat Ramadan des Jahres 973 kam der Kalif AI Muizz aus Mahdiyah in seine neue Hauptstadt. Feierlich ritt er in den großen Hof des Palastes ein, den Gohar für ihn erbaut hatte. Von dort aus betrat er die Al-Azhar-Moschee und hielt eine Predigt.

Moschee und Universität
Die Moschee wurde bald auch als Universität genutzt, an der Studentengruppen den Vorlesungen der Gelehrten folgten, die ihre Vorträge an den großen Säulen der Moschee hielten. In der Regierungszeit von AI Aziz, des Nachfolgers von Muizz, wurden Moschee und Universität zum Zentrum der Verbreitung der schiitischen Glaubensrichtung der Fatimiden. Der Begriff Schiiten ist abgeleitet vom arabischen "schia" ("Partei", "Sekte"). Die Schiiten gehören zur "Partei" Alis, im Gegensatz zu den orthodoxen Sunniten, die der "Sunna", dem "Pfad" des Propheten Mohammed, folgen. 1171 war AI Azhar jedoch zur sunnitischen Glaubensrichtung zurückgekehrt.

Lehre und Andacht
AI Azhar ist ein weitläufiges Gebäude, das einen großen, quadratischen Innenhof umgibt. Die etwa 90.000 Studenten werden "mugawireen", "Nachbarn", genannt. Die traditionell unterrichteten Fächer waren: Flexionslehre, Syntax, Rhetorik, Verskunst, Logik, Theologie, das Auswendiglernen des Koran, das "Hadith" - "Erzählungen" des Propheten Mohammed -, die Scharia - die islamische Gesetzeswissenschaft - und Mathematik. Nach 1952 wurden weitere Studienfächer wie Algebra, Berechnung des moslemischen Kalenders und der Gebetszeiten angeboten. Der wichtigste Andachtsort ist die "qibla" an der nach Mekka gerichteten Seite. An jeder der übrigen drei Seiten befinden sich kleinere Säulenhallen, die als Studentenwohnheime, die sogenannten "riwaq", dienen. Jedes der Wohnheime ist für Studenten aus einem bestimmten Herkunftsland eingerichtet und enthält auch eine eigene Studentenbibliothek.

Als Napoleon in Ägypten eindrang, versuchte er die heiligen Männer (Scheichs) und die Vorbeter (Imame) davon zu überzeugen, dass er die Verteidigung des Islam im Sinne habe. Dennoch blieb AI Azhar auch in der Regierungszeit von Mohammed Ali, dessen Herrschaft in Ägypten bald nach Abzug der napoleonischen Armee begann, eine konservative Institution, die mit jeder Regierung, die in Ägypten an der Macht war, zusammenarbeitete, solange sie am Islam festhielt. So entschied beispielsweise auch die Ulema (die islamische Geistlichkeit) in AI Azhar, als Präsident Sadat 1979 seinen Friedensvertrag mit Israel unterzeichnete, dass diese Entscheidung annehmbar sei.

AI Azhar heute
Nach dem Staatsstreich Oberst Nassers im Jahre 1952 wurde der Bindung AI Azhars an den Islam zwar besonderer Nachdruck verliehen. Um die Loyalität der Universität gegenüber der Politik Nassers sicherzustellen, wurde AI Azhar allerdings strenger Regierungskontrolle unterstellt. Aus Protest traten einige Ulema zurück. 1961 wurde ein Gesetz zur Reorganisation der Universität verabschiedet, und vier nicht-religiöse Fakultäten kamen hinzu - Ingenieurwissenschaften, Kunst, Medizin und Landwirtschaft. Außerdem wurde ein übergeordneter Regierungsausschuss berufen, der seitdem für die Universität zuständig ist.

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader´s Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.13 f.

Ägypten: Literatur - Musik - DVD



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www-Links

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 Islam
 Die Cheops-Pyramide
Beziehungen zwischen Ägypten und Deutschland
Egypt Daily News
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Ägypten vor einer Brotrevolte. 13.03.2008
08.04.2008: Ägypter kämpfen ums tägliche Brot
Februar 2008: 10.000 Ägypter streiken
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