Willkommen in der Türkei
[Einführung] [Daten & Fakten] [Zur Geschichte] Daten und FaktenOffizieller Name: Republik TürkeiHauptstadt: Ankara Fläche: 774.815 km² Landesnatur: Im W inselreiches Küstentiefland, Im N Tieflandsaum und Pontisches Gebirge, im S Küstengebiet und Taurus, im Inneren Hochland von Anatolien Klima: Im N warm-gemäßigtes Klima, im S und W Mittelmeerklima, im Inneren kontinentales Klima Hauptflüsse: Euphrat, Kizilirmak, Sakarya, Menderes, Aras Höchster Punkt: Ararat 5.165 m Regierungsform: Republik Staatsoberhaupt: Staatspräsident Regierungschef: Ministerpräsident Verwaltung: 79 Provinzen Parlament: Große Nationalversammlung mit 550 für 5 Jahre gewählten Abgeordneten Nationalfeiertag: 29. Oktober Einwohner: 65.546.000 (1999); 69.660.559 (geschätzt Juli 2005) Bevölkerungsdichte: 85 Ew./km² (1999) Stadtbevölkerung: 75% (1999) Bevölkerung unter 15 Jahren: 30% (1999) Analphabetenquote: 15% (1999) Sprache: Türkisch, kurdische Sprachen Religion: Moslems über 98% (mehrheitlich orthodoxe Sunniten, Hanefiten), ca. 15-20 Mio. Aleviten, Christen etwa 0,15% (ca. 65.000 Armenier als größte Gruppe) Währung: Türkisches Pfund Anmerkung: Die Türkei wurde auf unserer Homepage in die Rubriken "Asien", "Europa" sowie "Nahost" bzw. "Middleeast" eingeordnet. Die geographische Trennlinie zwischen Europa und Asien ist der Bosporus bzw. das Marmara-Meer. Der Westteil der Türkei (3% des Landes), bis hin zum Marmara-Meer bzw. Bosporus (inkl. dem Westteil von Istanbul) werden geographisch Europa, der Rest des Landes (97%) Asien zugeordnet. Bezüglich der Diskussion um einen möglichen EU-Beitritt der Türkei beziehen wir keine Position. Kaum ein Land des vorderen Orients ist europäischer und trägt dennoch die meisten Insignien des islamisch-orientalischen Kulturkreises mit so viel Stolz und nationaler Würde wie die Türkei. Anatolien, Wiege ältester Kulturen und Zivilisationen, Kernraum großer Reiche von den Hethitern bis hin zu den Osmanen, ist fast immer in irgendeiner Form auch Durchgangsland gewesen, - meist zwischen Ost und West - sei es politisch, wirtschaftlich oder kulturell. Das Land war damit über Jahrtausende Mittler zwischen Einflüssen unterschiedlichster Herkunft und Prägung - und ein Land der Auseinandersetzungen. |
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Entscheidend waren vor allem zwei markante Zäsuren: Der Wechsel vom christlichen Byzanz zum moslemischen Osmanenreich nach 1071 und der fast kompromisslose Bruch mit den meisten islamischen Traditionen in der modernen Türkischen Republik durch Mustafa (Kemal Atatürk) nach 1923. |
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Die endgültige Ablösung des Byzantinischen Reiches durch die Osmanen, insbesondere unter Sultan Mehmed II. Fatih ("der Eroberer"), der am 29. Mai 1453 Konstantinopel erobert hat, war kein abrupter Machtwechsel. Sie vollzog sich trotz aller kriegerischer Auseinandersetzungen eher als schrittweise und oft ungehinderte Unterwanderung. |
Kemal Atatürk und der Kemalismus
Es war Mustafa Kemal Pascha (seit 1934 Atatürk), der 1921/22 die Griechen aus Anatolien vertrieb, die türkischen Reserven überzeugend gegen die Alliierten mobilisierte und 1922 das Sultanat beseitigte. | Zum Vergrößern auf die Bilder klicken Mehr Fotos in unserem Fotoalbum | ||||||
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Gegen den erbitterten Widerstand traditionalistischer Kräfte setzte Atatürk eine strikte Trennung von Staat und Religion durch. Den Frauen wurde das Tragen des Schleiers in der Öffentlichkeit verboten, den Männern der traditionelle Fez. Statt des arabischen Alphabets wurde die lateinische Schrift eingeführt. Die Verfassung und das Rechtssystem wurden nach europäischen Normen ausgerichtet. Zugleich wurden separatistische Bestrebungen - vor allem der Kurden - brutal unterdrückt. Dem Militär wurde eine vorrangige Stellung bei der Wahrung des politischen Systems eingeräumt. Die türkischen Militärs verstehen sich als Vollstrecker des Kemalschen Vermächtnisses und dulden daher auch keine islamistische Einflussnahme auf die Politik. |
Ethnisch-religiöse MinderheitenSeit altersher wird die heutige Türkei von einem Völkergemisch bewohnt, und die Bevölkerung weist auch heute eine bunt gewürfelte ethnisch-religiöse Zusammensetzung auf. Dennoch wird die Existenz von Minderheiten ungerne eingestanden, weil man damit die Einheit der Nation in Frage gestellt sieht. |
Nichtmuslime können ihre Religion zwar individuell, kollektiv aber nur erschwert ausüben - vor allem die Errichtung von Gotteshäusern ist bis heute mit Hindernissen verbunden. Entwicklungen
Der Rückhalt für eine Westorientierung der Politik geht zurück, und jene Stimmen werden lauter, die in der westlichen Kultur eine Gefahr sehen. |
Recep Tayyip Erdoğan wurde 2003 mit der von ihm gegründeten Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) neuer Ministerpräsident der Türkei. Erdoğan trat als Jugendlicher der islamistischen Gemeinschaft Milli Görüş bei (belegte Zusammenarbeit mit der Muslimbruderschaft) und wurde wegen Volksverhetzung im Jahr 1998 zu 10 Monaten Haft und lebenslangem Politikverbot verurteilt. Erdoğan, der sich noch 1994 gegen einen EU-Beitritt aussprach, behauptete nach seiner Haftentlassung 1999 zwar, dass er sich vom Islamismus lossagen, der Demokratie zuwenden und die EU-Mitgliedschaft anstreben wolle. Inwieweit seine Aussagen nicht nur Täuschung sind, wird Erdoğan selbst am besten wissen. Seine Haltung zum Kopftuchverbot, seine klare Aussage, dass es nur den Islam gibt und die Unterscheidung moderater Islam, Islamismus zurückweist (2004), geben eher Anlass zur Skepsis. Bei einem Besuch in Deutschland sprach Erdoğan am 10. Februar 2008 in der Kölnarena vor etwa 16.000 Menschen überwiegend türkischer Abstammung und warnte sie vor allzu viel Anpassung an die deutsche Gesellschaft. Die türkische Kultur und Sprache solle gepflegt werden. Immer wieder werden Menschenrechtsverletzungen gemeldet, die von Justiz, Sicherheitskräften, Militär etc. begangen werden. Ungerechte Gerichtsverfahren und Urteile sowie Folter, Diskriminierung, gewaltsames Vorgehen im Zusammenhang mit Minderheiten, Frauenrechten und dem Recht auf freie Meinungsäußerung (das "Schüren von Angst und Panik" in den Medien kann aufgrund des neuen Antiterrorgesetzes strafrechtlich verfolgt werden) u.a., werden von internationalen Organisationen deutlich kritisiert (siehe auch ai-Jahresbericht 2007). |
Die ohnehin unbefriedigende Lage der Menschenrechte scheint sich entgegen anderer offizieller Darstellungen nicht zu bessern. So werden oft die Büros des größten türkischen Menschenrechtsvereins "Insan Haklari Dernegi" IHD verwüstet, geschlossen oder sind Zielscheibe von Bombenanschlägen. IHD-Vertreter werden bedroht, festgenommen, verfolgt, gefoltert, verschleppt und getötet. Die IDB, erste islamische Finanzinstitution der mordernen Art und Zweig der OIC (Organisation der Islamischen Konferenz), öffnete ihr erstes Haus im Oktober 1975 in Dschidda (Saudi-Arabien). Sie arbeitet gemäß den Vorschriften der Scharia, und ist heute eine der wichtigsten Institutionen, wenn es um Projektfinanzierungen, Kredite und Investitionen im islamischen Kontext geht. Auch wenn man vornehmlich mit anderen islamischen Banken zusammen arbeitet, bestehen durchaus Geschäftsbeziehungen zu internationalen Kreditinstitutionen, für die schariatsrechtliche Bestimmungen keinerlei Bedeutung haben. Über sogenannte Waqf-Fonds (waqf arab. für religiöse Stiftung) der Bank werden weltweit Projekte in den Bereichen wirtschaftliche Entwicklung, Bildung und Gesundheit finanziert. Im Jahre 2003 wurde ein weiterer Waqf-Fonds gegründet, der v.a. Katastrophenhilfen finanzieren soll. Gleichzeitig unterhält die IDB zahlreiche Sonderfonds, zwei wurden nach dem Ausbruch der zweiten Intifada eingerichtet. Allein Saudi-Arabien zahlte in diese Fonds 170 Millionen US-Dollar ein. Offiziell heißt es, das Geld solle vor allem den Familien von Märtyrern ein angemessenen Auskommen sichern (Johannes Grundmann: Türkei - ein weiteres EU-Mitglied ? |
Schließlich gebe es in der Türkei radikalislamische Bewegungen, die aus dem Land einen Gottesstaat machen wollten... |
Wahlen 2009
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