Humanismus - Reformation - Protestantismus -
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Humanismus - Reformation
Mit der Bildungs-Bewegung "Studia humanista" (Grammatik, Rhetorik, Poetik), die sich in Italien ab dem 14.Jahrhundert auf den Geist der Antike zurückbezog (Renaissance), kam es zu lauter Kritik an der Scholastik (Unkenntnis lateinischer Autoren bzw. Stilbildung). Auftrieb erhielt die Bewegung durch die Platon-Renaissance (ab 1400), die die freie geistige Entfaltung des Menschen forderte. Ähnliche Kritik an der kirchlichen Scholastik wurde in Deutschland zur gleichen Zeit laut (deutscher Humanismus). Johann Reuchlin (1455-1522) förderte das Studium der griechischen und hebräischen Sprache. Von Kölner Dominikanern deshalb angegriffen, unterstützte ihn der Erfurter Kreis um Mutianus Rufus in der sogenannten Reuchlin-Fehde (1515-17) mit den satirischen "Dunkelmännerbriefen" (Crotus Rubeanus, Hutten) gegen scholastische Unbildung. Philipp Melanchthon (1497-1560) wurde als "Praeceptor Germaniae" Schöpfer des humanistischen Gymnasiums und war um eine Synthese von Refomation und Humanismus bemüht. Als international berühmter Gelehrter suchte Erasmus von Rotterdam (1476-1536) nach einem Ausgleich zwischen humanistischer Gesinnung und christlicher Frömmigkeit. Sein wissenschaftliches Werk gipfelte in der griechischen Ausgabe des Neuen Testamentes von 1516. In dieser Zeit eiferte Johann Geiler von Kaisersberg (1455-1510) gegen unkirchliche Bibelverbreitung. Sebastian Brant (1457-1521) rief zu Reformen auf. Wessel Gansfort und Johann Ruchrat kämpften um 1480 gegen den Ablasshandel. Doch fehlten den Reformen Kraft und theologische Bildung. Eine umfassende Reform erfolgte erst mit Martin Luther (1483-1546).
Bereits vor Martin Luther erfuhr die deutsche Volksfrömmigkeit Veränderungen durch steigendem Wohlstand, inneren Unruhen und Lebensängsten im Volk durch die ihm unfasslichen Umbrüche bisheriger Lebens- und Wertvorstellungen. Humanistische Studien, Naturbeobachtung und neuer Forschergeist haben das traditionelle aristotelische Weltbild überwunden. Johann Gutenbergs Erfindung des Buchdruckes mit beweglichen Metall-Lettern, Druckpresse und doppelseitigem Druck auf Leinenlumpenpapier (um 1445) eröffnete ungeahnte neue Unterrichtungs-, Bildungs- und Unterrichtsmöglichkeiten. Aus dem griechischen Schrifttum (Aristach von Samos) wurde die Wiederentdeckung der Kugelgestalt der Erde aufgegriffen. Der Nürnberger Astronom und Buchdrucker Regiomontanus (Joh. Müller) berechnete in den "Ephemeriden" (Jahrbücher ab 1475) die tägliche Stellung der Gestirne. Martin Behaim entwarf 1492 den ersten Globus. Von Cusanus und pythagoreischen Lehren beeinflusst, fand der Arzt und Domherr Nikolaus Kopernikus (1473-1543) aus Thorn 1507 das mathematisch noch unbewiesene heliozentrische Sonnensystem. Begründer der Mineralogie und Metallurgie wurde Georg Agricola (1494-1555); während Theophrastus Bombastus von Hohenheim genannt Paracelsus (1493-1541) als Arzt, Botaniker und Chemiker die Medizin reformierte. Er erkannte die chemischen und physikalischen Grundlagen des Lebens, das er aus sich selber zu erklären suchte.
Die von Martin Luther begründete Reformation beendete schließlich die mittelalterliche Denkweise in Westeuropa und initiierte damit die Ära der modernen Geschichte (31.Oktober 1517 Anschlag der 95 Thesen in Wittenberg, das gleichzeitig Zentrum der Reformation war; 1519 Bruch mit Rom: Luther leugnete das päpstliche Primat, die kirchliche Tradition und die Unfehlbarkeit eines Konzils; 1520 Durchbruch der Refomation: Luther verfasste drei Programmschriften "die politische" - er forderte allgemeines Priestertum-, die dogmatische" - er übernahm von sieben Sakramenten nur die Taufe und das Abendmahl-, "die ethische" - die Gnade Gottes kann nur im Glauben erfahren werden). Diese Schriften machten einen großen Eindruck auf das Volk, wodurch die Buchproduktion sprunghaft anstieg. Flugschriften trugen die Begeisterung für den Reformator in breiteste Kreise.
In Nürnberg verkündete Andreas Osiander (1498-1551) die neue Lehre. Es folgten die Auflösung von Klöstern, Verwerfung des Zölibats, Einbeziehung des Kirchenguts (Säkularisation) durch evangelisch gewordene Landesherren.
Im Bauernkrieg entschied sich Luther für die Fürsten als weltliche Obrigkeit; den "Notbischofen" wurde auch der Aufbau eines eigenen Kirchenwesens überlassen. Kur-Sachsen wurde Muster einer lutherischen Landeskirche. 1525 wurde die Reformation in Preußen eingeführt. 1527 erfolgte die Gründung der ersten evangelischen Universität in Marburg (Königsberg 1544, Jena 1558). Der größte Teil Deutschlands war bis 1546 lutherisch bzw. calvinistisch. Lediglich im Nordwesten und Süden Deutschlands blieb die Bevölkerung überwiegend katholisch. Von Deutschland und der Schweiz aus erfasste die Reformation ganz Europa außer Spanien, Italien und den griechisch-orthodoxen Gebieten.
Je mehr die Hoftheologen ihre Glaubenslehren überprüften und erörterten, desto dogmatischer setzten sich Richtungen durch, die sowohl die lutherische Lehre zersetzten als auch die Einheit der protestantischen Reichsfürsten auflösten. An die Stelle religiöser Kraft trat theologische Rechthaberei. Besonders hart war die Gegnerschaft zwischen Lutheranern und Calvinisten. Die Pfalz wurde Bindeglied zwischen deutschem, französischem, niederländischem und böhmischem Protestantismus. Hort der lutherischen Orthodoxie war Kursachsen. Konservativ und politisch kraftlos, neigte es eher zur Einigung mit dem katholischen Kaiser als mit der protestantischen Pfalz. Das Luthertum wandelte sich ab Mitte des 16.Jahrhunderts zur Familienfrömmigkeit des Volkes, das seiner Obrigkeit gehorsam diente (lutherischer Quietismus).
Die protestantische Spaltung förderte die katholische Restauration, die in erster Linie das Werk des noch jungen Jesuitenordens war (Ignatius von Loyola 1491-1556). Zahlreiche Gebiete in Europa wurden bis 1629 (Dreißigjähriger Krieg 1618-48) rekatholisiert. Der "Westfälischen Frieden" (1648) bestätigte den Augsburger Friedensvertrag von 1555, der nur den Reichsstädten religiöse Toleranz zubilligte und dem Adel und den Städten in geistlichen Territorien Glaubensfreiheit garantierte. Die Untertanen mussten dem Bekenntnis des Landesherrn folgen. Das war der Beginn der Epoche des säkularisierten Staates mit religiöser Toleranz.
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