Willkommen in Frankreich

[Das Land] [Der Staat] [Illusion Pressefreiheit] [Kernkraftwerke und Atompolitik]
[Die Menschen] [Streiks und Proteste] [Korsika]
[www-Links] [Literatur]



Offizieller Name: Französische Republik
Hauptstadt: Paris
Fläche: 543.965 km² (ohne Überseegebiete)
Außengebiete: Französisch-Guayana, Französisch-Polynesien, Guadeloupe, Martinique, Mayotte, Neukaledonien, Réunion, Saint-Pierre und Miquelon, Wallis und Futuna, Französische Süd- und Antarktisgebiete
Landesnatur: Im N Pariser Becken, im NW an die Bretagne, im NO an die Ardennen und Vogesen grenzend. Im S Zentralmassiv, nach W anschließend das Garonnebecken, im S von den Pyrenäen begrenzt; westlich von Alpen und Jura der Rhône-Saõne-Graben
Klima: Ozeanisch, im S Mittelmeerklima
Höchster Punkt: Mont Blanc 4807 m
Hauptflüsse: Loire, Garonne, Rhône, Seine
Regierungsform: Präsidiale Republik
Staatsoberhaupt: Staatspräsident
Regierungschef: Ministerpräsident
Verwaltung: 22 Regionen, 96 Départements (6 Überseedépartements, 5 Überseeterritorien)
Parlament: Nationalversammlung (577 für 5 Jahre gewählte Mitglieder), Senat (321 für 9 Jahre gewählte Mitglieder; ein Drittel der Sitze werden alle 3 Jahre erneuert)
Nationalfeiertag: 14. Juli
Einwohner: 58.886.000 (1999) ; 65.312.249 (geschätzt Juli 2011)
Bevölkerungsdichte: 107 Ew./km² (1999)
Stadtbevölkerung: 76% (1999)
Bevölkerung unter 15 Jahren: 18% (1999)
Analphabetenquote: 1% (1999)
Sprache: Französisch
Religion: Katholiken





Montmartre

Frankreich nimmt innerhalb Europas in vielerlei Hinsicht eine Sonderstellung ein. Im Laufe seiner jahrhundertelangen Geschichte haben die Franzosen ein starkes nationales Bewusstsein entwickelt, in dem Tradition und Moderne auf einzigartige Weise verknüpft sind. Frankreich war in seiner Entwicklung anderen Ländern oft ein Stück voraus. Schon früh einte es sich zu einem zentral gelenkten Staat. Die Lebensweise in der absolutistischen Monarchie Ludwig XIV. galt seinerzeit als Vorbild für die europäischen Herrscherhäuser, die Ideen der Französischen Revolution setzten Maßstäbe für alle modernen Demokratien der Welt.

PARIS -  anschauen mit Google Street View

Das Leben in Frankreich ist weit über seine Landesgrenzen hinaus sprichwörtlich bekannt. Dabei schwingt besonders die Bewunderung für die französische Lebensart mit. Natürlich spielen in diesem Zusammenhang Essen und Trinken eine wichtige Rolle. Die Raffinesse der französischen Küche genießt weltweit Anerkennung.

Nicht anders steht es mit den Weinen, deren Renommee und Vormachtstellung seit langer Zeit ebenso unumstritten ist wie die des französischen Käses.
Das "Savoir vivre", das "Zu Leben verstehen", bedeutet jedoch mehr als nur Essen und Trinken. Es bedeutet gleichzeitig, die Dinge gelegentlich etwas leichter zu nehmen und die kleinen gesellschaftlichen Kontakte, im Café, beim Boules-Spiel oder auch beim täglichen Einkauf, zu pflegen.
Es bedeutet aber auch, seinen persönlichen Freiraum optimal zu nutzen und sich nicht in seinem ausgeprägten Individualismus einschränken zu lassen.Verbreitet ist die Vorstellung, dass Paris gleich Frankreich sei, und Bauwerke wie Sacré-Coeur scheinen dies zu unterstreichen.

Notre Dame


 pics.muz-online.de - Das Online-Fotoalbum - mit Fotos von Paris 

Doch wer dieses Klischee verwendet, kennt weder die erstaunliche Kulturvielfalt des Landes noch seine abwechslungsreichen Landschaftsbilder oder folgt blindlings dem Selbstverständnis einiger Pariser, die die unbestrittene wirtschaftliche, politische und kulturelle Vormachtstellung der Hauptstadt zum alleinigen Gradmesser ihres Urteils erheben.

Viele Pariser verschwinden jedoch in den Sommermonaten fluchtartig aus der Großstadt, um sich von der Hektik und dem Stress des Alltags zu erholen. Viele bekennen sich dabei zu ihren traditionellen Herkunftsgebieten, denn der größte Teil der Bevölkerung ist schon im Laufe der vergangenen Jahrhunderte in die Hauptstadt übergewechselt, da das überwiegend ländlich geprägte Frankreich nur bedingt seinen Bevölkerungsüberschuss ernähren konnte. Auch heute noch zieht die Metropole an den Ufern der Seine die Menschen wie ein Magnet an.
Hierin drückt sich ein Strukturmerkmal aus: Frankreich weist ein starkes wirtschaftliches Gefälle zwischen Zentrum und Peripherie auf, auch wenn in den letzten Jahrzehnten große Anstrengungen zur Regionalentwicklung geleistet worden sind.

up

Mit rund 543.965 km² Fläche ist Frankreich der größte Territorialstaat Westeuropas. Hinzu kommen die überseeischen Départements Guadeloupe, Französisch-Guyana, Martinique, Réunion, Saint-Pierre-et-Miquelon und Mayotte (Mahoré) sowie die Überseeterritorien Neukaledonien, Französisch-Polynesien, Wallis und Futuna.

Frankreichs natürliche Grenzen zeigen ein uneinheitliches Bild. Offen ist das Land gegen den Atlantik, mit einer Ausgleichsküste im Bereich des Golfes von Biscaya, einer vielgegliederten und scheinbar unzugänglichen Felsküste in der Bretagne und einer wiederum geradlinig verlaufenden Küste entlang des Ärmelkanals, wo die weißen Kreidefelsen steil zum Meer hin abfallen. Nur an wenigen Stellen erlaubte diese Küste die Gründung bedeutender Hafenstädte, meistens jedoch nur dort, wo große Flussmündungen, wie die von Garonne, Loire und Seine, den Zugang zum Landesinneren ermöglichten.
Vom Mittelmeer her war der Zugang ebenfalls nur bedingt möglich. Die Alpen und ausgedehnte Sumpfareale erschwerten die Durchgängigkeit, die somit im wesentlichen auf den Rhônetalgraben beschränkt blieb.
Italien, die Schweiz und die Iberische Halbinsel sind durch die Alpen bzw. die Pyrenäen gegen Frankreich abgegrenzt. Dadurch wurde die Kommunikation zwischen den Nachbarländern stets erschwert, jedoch nie ganz verhindert. Nach Mitteleuropa öffnet sich das Land durch die Burgundische Pforte, der Verbindung zwischen der Rhônefurche und dem Oberrheingraben, und über das nordfranzösische Flachland, das sich über die Benelux-Staaten bis in die Norddeutsche Tiefebene fortsetzt.
Frankreich ist gekennzeichnet durch das Nebeneinander großer Becken- und Gebirgslandschaften. Das Herzstück ist das Pariser Becken, das im geologischen Sinne eine große Mulde aus Sedimentgesteinen bildet. Die Ränder dieser Sedimentpakete bilden markante Stufen, die besonders deutlich im nordostfranzösischen Schichtstufenland ausgebildet sind. Im Westen wird diese Abfolge durch den Ärmelkanal unterbrochen. Einen ähnlichen geologischen Aufbau weist das Aquitanische Becken im Südwesten Frankreichs auf.
Von den Gebirgslandschaften ist vor allem das Zentralmassiv herauszustellen. Dieser alte Gebirgsrumpf nimmt fast den ganzen Südosten des Landes ein. Die in einem langen Erosionsprozess eingerumpfte Oberfläche dieses Gebirges wurde in einer jüngeren erdgeschichtlichen Phase von Vulkanen durchsetzt, die das Relief erneut belebt haben. Im gleichen Zeitraum wurde auch der gesamte Gebirgsblock angehoben, während sich an der Ostflanke die Rhônefurche absenkte und somit eine markante Zäsur im Übergang zu den Alpen bewirkte.

Ein altes, eingerumpftes Gebirgsmassiv ist auch die Bretagne (Armorikanisches Massiv), die geologisch über die Schwelle von Poitou mit dem Zentralmassiv in Verbindung steht. Ebenfalls eine Fortsetzung des Zentralmassivs sind die Ardennen, Teil eines großen Faltungsbogens, der sich im Rheinischen Schiefergebirge wiederfindet. Die Vogesen wurden beim Einbruch des Oberrheingrabens herausgehoben.

Klima und Vegetation
Die Großformen des Reliefs sind für die klimatische Kennzeichnung Frankreichs ausschlaggebend. Die Öffnung zum Atlantik bedeutet, dass die feuchten atlantischen Luftmassen nahezu ungehindert eindringen können. Sie sind für ein extrem maritimes Klima in der Bretagne verantwortlich, also für vergleichsweise häufige, wenngleich nicht besonders starke Regenfälle, für geringe Temperaturextreme im Tages- und Jahresverlauf und für häufig auftretende Winde. Der Südwesten wird dagegen wesentlich weniger von den atlantischen Tiefdruckgebieten erreicht, so dass sich hier klimatisch der Übergang zum mediterranen Klima vollzieht. Das Pariser Becken weist kontinentalere Klimazüge auf. Die Niederschläge betragen in diesem Gebiet nur rund 600 mm pro Jahr, im Sommer kann es sehr heiß und trocken werden. Die Gebirgslandschaften zeichnen sich durch hohe Niederschläge und reichlich Schneefall im Winter aus.

Frankreich gehört zu den waldarmen Ländern Europas. Die natürlichen Wälder sind, besonders in den Beckenlandschaften, schon früh dem kultivierenden Menschen zum Opfer gefallen. Extrem atlantisch geprägt ist die natürliche Vegetation in der Bretagne, wo vor allem im inneren Bergland die atlantischen Heiden mit Stechginster und Heidevegetation vorkommen. Die Vegetation Nordfrankreichs gleicht dem Pflanzenreich der gemäßigten Breiten Mitteleuropas. Südfrankreich gehört bereits zum Bereich der mediterranen Vegetation. Die ursprünglichen, immergrünen Hartlaubwälder sind jedoch seit langem zerstört und haben der Gebüsch- und Strauchvegetation, Macchie und Garrigue, zu der unter anderem Zistrose, Erdbeerstrauch, Lorbeer, Lavendel und Thymian gehören, Platz gemacht. Zum charakteristischen Erscheinungsbild gehören ferner Ölbäume, Korkeichen und Zypressen.

eifelturm

Der Staat

Frankreich feierte im Jahre 1989 den 200. Jahrestag der Revolution von 1789. Die Forderung nach "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" ist seither aus keiner demokratischen Verfassung wegzudenken.
Nicht weniger als 16 Verfassungen haben einander in Frankreich seit der Revolution abgelöst und dabei die unterschiedlichsten Regierungsformen hervorgebracht. Bei allem Wandel lassen sich dabei einige Konstanten erkennen, die so in kaum einem anderen europäischen Staat ausgeprägt sind. Frankreich wird gerne als der älteste Nationalstaat Europas bezeichnet, in dem die Begriffe Staat und Nation untrennbar miteinander verknüpft sind.

Dies bedeutet vor allem, dass der französische Nationalstaat, trotz aller inneren Zerrissenheit, Spannungen, Konflikte oder Wechsel der Regierungssysteme, tief in der Gesellschaft verwurzelt ist.
Die Idee der Unantastbarkeit des Nationalstaates ist gleichzeitig einer der Gründe für die Tradition des Zentralismus. "Frankreich ist einheitlich und unteilbar", so lautet die Formulierung in der Verfassung. Zentralstaat bedeutet seit Jahrhunderten Misstrauen gegenüber regionalen "Zwischengewalten" als mögliche Gefahren für die Beziehung zwischen Staat und Bürger. Erst die Regionalisierungspolitik der letzten Jahre lässt hier gewisse Wandlungen, wenngleich keinen grundsätzlichen Durchbruch, erkennen. Im gleichen Zuge ist eine grundsätzliche Distanz des Volkes gegenüber den Regierungen charakteristisch.

Radio Nostalgie (Thollon)
Illusion Pressefreiheit

Im Geburtsland der Pressefreiheit beklagen Frankreichs Journalisten die Unfreiheit der Presse. Die neue Internetzeitung Mediapart will einen vom Mainstream unabhängigen Journalismus betreiben. Zu sehr hätten in den letzten Jahren Interessen in die Welt des Journalismus eingegriffen, die nach Meinung des Gründers von Mediapart, Plenel, dort nichts zu suchen hätten. Plenel, der früher Chefredakteur von Le Monde war, hat ebenso Interesse, Mediapart auf Deutsch herauszubringen. Hierzu suche er noch Partner (Stand:Mai 2008).
www.mediapart.fr

Mediapart - eine Erfolgsgeschichte
»[...] Mit der Enthüllung von brisanten Details in der Affäre um L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt hat sich der Internet-Titel über Nacht international Anerkennung und Respekt verschafft. [...]«1
»[...] Mit über 50.000 Abonnenten ist die Internetzeitung Mediapart seit Sommer 2011 aus den roten Zahlen. Neun Euro kostet das Monatsabonnement, dafür gibt es solide und unabhängige Informationen, Hintergrundberichte und Reportagen. Ohne Werbung. 26 festangestellte Journalisten arbeiten in einem ehemaligen Fabrikgebäude im 11. Arrondissement. Nachdem Mediapart die Abhörprotokolle der Tonbandmitschnitte im Hause Bettencourt veröffentlicht und damit die Lawine ins Rollen gebracht hatte, reichte der Innenminister Klage ein – die er während der Sommerpause 2011 allerdings diskret wieder zurückzog. [...]«2

Zitat1: www.nzz.ch, Internet-Zeitung landet grossen Scoop, 7. Juli 2010
Zitat2: aus dem DLF-Feature-Manuskript (pdf) Die entfesselte Ente, 22.11.2011

»[...] Die entfesselte Ente oder:
Die Verteidigung der Pressefreiheit in Frankreich
[...]
"Zufällig" recherchierten alle betroffenen Journalisten zum Bestechungsskandal um die L'Oréal-Erbin Bettencourt. Der "Krimi in Sarkozys Schatten" markiert einen Tiefpunkt.
Auf Rang 44 stuften Reporter ohne Grenzen Frankreich im Jahresbericht 2010 ein - hinter Namibia und Papua-Neuguinea. Der amtierende Präsident mag keine kritischen Journalisten; wichtige Posten in den Medien besetzte er mit guten Freunden.
Das passt ins Bild, was die satirische Wochenzeitung Le Canard Enchaîné im November 2010 enthüllte: Seit Langem werde der Geheimdienst gezielt auf störende Journalisten angesetzt.
Überhaupt ist der Canard Enchaîné eine der letzten Bastionen kritischen Denkens. [...]«
Zitat: www.dradio.de, Das Feature, DLF 22.11.2011 · 19:15 Uhr

Buchtipp: »[...] Sarko m'a tuer, "Sarko hat mich umgebracht", heißt das im September 2011 erschienene Buch von Gérad Davet und Fabrice Lhomme. Siebenundzwanzig unterschiedliche Personen, darunter hohe Richter, Journalisten und Politiker, waren bereit über ihre Erfahrungen mit dem "System Sarkozy" zu sprechen. Das Buch gibt Aufschluss über die Methoden. [...]«
Ebenso zu empfehlen ist das Buch Die neuen Wachhunde ("Les nouveau chiens de garde", Serge Halimi, 1998/2005)
»[...] Es ist eine Abrechnung mit den Platzhirschen und Hofschranzen des Journalismus, die sich um den Präsidenten scharen. [...]«

»[...] Nach Schätzungen von Medienexperten arbeiten 20 bis 30 Prozent aller Journalisten in Frankreich mittlerweile unter prekären Bedingungen, das heißt schlecht bezahlt und ohne soziale Absicherung. [...]« Um finanziell über die Runden zu kommen, müssen viele von ihnen mehrgleisig arbeiten.

»[...] Die meisten großen Zeitungen und Journale sind in der Hand solcher ökonomisch mächtigen Konzerne. Der Figaro zum Beispiel, die große konservative Tageszeitung, gehört Serge Dassault. Dassault Aviation, Produzent des Militärflugzeugs Rafale, das im Libyenkrieg eingesetzt worden ist. [...]
Serge Dassault erteilt höchstpersönlich Weisung an die Redaktionen, keine Informationen zu veröffentlichen, die seinen Geschäftsinteressen schaden. [...]«

Zitate aus dem Feature-Manuskript (pdf): www.dradio.de, Die entfesselte Ente

Anhören (mp3):

Die Wurzeln des französischen Zentralstaates liegen bereits im Mittelalter. Vor allem im Zeitalter des Absolutismus erfuhr er eine Konsolidierung. Die heutige innere Verwaltungsstruktur geht im wesentlichen auf die Französische Revolution zurück.

Kernkraftwerke und Atompolitik

»[...] Frankreich betreibt 58 Reaktoren in 19 Atomkraftwerken, die ältesten seit über 50 Jahren. [...] Frankreich gilt (...) in Europa (...) als Atomstaat Nummer eins und kommt im Weltvergleich gleich nach den USA, gemessen an der produzierten Atomenergie pro Kopf der Einwohner. [...] Heute deckt die französische Atomenergie fast 80 Prozent des Strombedarfs im eigenen Land ab und exportiert den Überschuss unter anderem nach Italien, Großbritannien und Deutschland. Französischer Atomstrom gilt als Exportschlager und trägt zum internationalen wirtschaftlichen Ansehen der "Grande Nation" bei. [...]«
Auch nach der schrecklichen Havarie des Kernkraftwerks Fukushima an der Nordostküste Japans ab dem 12. März 2011 wird Frankreich an seiner Atompolitik nichts ändern.

Wir von muz-online.de sagen ein klares NEIN zu einer Technologie, die NICHT beherrschbar ist. Wir lehnen Strom aus Kernkraftwerken ab, da wir auch meinen, dass die Einlagerung von hochradioaktivem Atommüll in Bergwerke etc. absolut nicht zu verantworten ist. Wir fordern die Abschaltung der Kernkraftwerke weltweit und die konsequente Durchsetzung einer "grünen" Energiepolitik.

Zitat aus: www.suite101.de, Kernkraftwerke und Atompolitik in Frankreich, 15.03.2011. Artikel von Andrea Reidt.

La Hague - Der permanente Unfall...

Wichtigstes Element ist die aktuelle Untergliederuung des Territoriums in 96 Départements, zuzüglich fünf Départements in den überseeischen Besitzungen. Den Départements steht jeweils ein von der Regierung ernannter Präfekt vor. Als gewähltes Gremium steht ihm der Départementsrat zur Seite. Seit 1960 gibt es als Zwischeninstanz 22 Programmregionen, die durch einen Regionalpräfekten und einen Regionalrat verwaltet werden.

Staatsform
Von der Staatsform ist Frankreich eine demokratische parlamentarisch-präsidiale Republik mit einem Zweikammerparlament (Nationalversammlung und Senat). Die derzeitige Verfassung ist seit 1958 in Kraft. Gemäß der Verfassungsänderung von 1962 wird der Präsident der Republik auf 7 Jahre gewählt. Er ist Vorsitzender des Ministerrats und Oberbefehlshaber der Streitkräfte und wird direkt vom Volk gewählt. Ihm obliegt auch die Ernennung des Premierministers, wobei die parlamentarischen Mehrheiten zu beachten sind.
Nach der Gründung der V. Republik (1958) durch Charles de Gaulle (1890-1970) regierten konservative Präsidenten 23 Jahre lang. Erst 1981 wurde mit Francois Mitterand (1916-1996) ein Sozialist Staatspräsident. Sein Nachfolger wurde 1995 der Gaullist Jaques Chirac (* 1932). Und auch im Frühjahr 2002 wurde Chirac im 2. Wahldurchgang mit großer Mehrheit vor dem Herausforderer der Nationalen Front (FN) Le Pen gewählt, der im ersten Wahldurchgang noch vor dem Sozialisten Jospin lag. Der Erfolg von Le Pen hatte eine Reihe von Großdemonstrationen, die gegen Le Pen gerichtet waren, ausgelöst.

Fünf Jahre später war dann auch die Zeit Chiracs beendet. Im Mai 2007 wird er von dem 52jährigen Nicolas Sarkozy abgelöst. In der Stichwahl am 6. Mai erlangte er 53 Prozent der Wählerstimmen - das beste Ergebnis für einen bürgerlichen Kandidaten seit knapp 40 Jahren.
Der konservative Sarkozy, seit 2002 Innenminister, setzt sich für Werte wie Nation und Autorität ein. Wie er meint, hätten die "68er Frankreich einen moralischen Relativismus auferlegt, der nicht mehr zwischen Gut und Böse unterscheide". Er verspricht bis 2012 Vollbeschäftigung.
Jean-Marie Le Pen erhielt im ersten Wahldurchgang (22. April) bei einer Wahlbeteiligung von knapp 85% (so hoch wie noch nie seit Einführung der Direktwahl des französischen Staatspräsidenten im Jahr 1965) gerade noch 10,5% der Stimmen und damit sein schlechteste Ergebnis seit 1974.

Die Parteienlandschaft gliedert sich in die PS ("Parti Socialiste"), die RPR (Gaullisten), die UDF (Zusammenschluss mehrerer konservativer Parteien), die PCF (Kommunisten) sowie die rechtsradikale FN (Nationale Front). Daneben gibt es kleinere Parteien aller politischen Lager.

Bildungswesen
Das Bildungssystem unterliegt einer extrem zentralen Steuerung. Seit 1959 besteht eine allgemeine Schulpflicht bis zum 16. Lebensjahr. Kennzeichen ist eine stark differenzierte Ausbildungsstruktur nach der fünfjährigen Grundschule. Neben den üblichen Hochschulen, die nach dem Abitur besucht werden können, gibt es die Eliteschulen, die "Grandes Ecoles". Fast alle Spitzenmanager der Wirtschaft sowie das Führungspersonal von Verwaltung und Politik werden hier ausgebildet.

August 2010: Ausweisung von Roma

Nicolas Sarkozy ist selbst ein Roma. Seine Mutter ist eine aus Tssaloniki stammende Jüdin und sein Vater ein ungarischer Roman. Sarkozy lautet auf Ungarisch Sarközi. Der größte Roma-Vertreter der Welt, Rudolf Sarközi, bestätigt das.

Die Menschen

So einheitlich sich die französische Nation nach außen hin darstellt, so unheitlich ist sie in ihrer bevölkerungsgeographischen Struktur. Zwischen dem Mediterranfranzosen im Süden, dem Auvergnat des Zentralmassivs, dem Normannen, Savoyarden oder Aquitaner liegen buchstäblich Welten hinsichtlich Lebensart, Selbstverständnis, Wirtschaftsgeist oder gesellschaftlicher Verhaltensweisen. Hinzu kommen die ethnischen Minderheiten, die Bretonen, die Basken, Katalanen, die Provencalen, die Korsen, die Elsässer und die Flamen, die immer wieder auf ihre kulturelle und gesellschaftliche Eigenständigkeit hinweisen.

Dass es in Anbetracht dieser Vielfalt nie zu einer Zersplitterung des Landes gekommen ist, liegt im Wesentlichen an dem zentralistisch ausgerichteten Staatswesen. So wurde den regionalen Autonomiebestrebungen seit frühester Zeit ein Riegel vorgeschoben, denn in Frankreich bedeutete Zentralismus nicht nur zentrale Verwaltung der kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten, sondern auch zentrale Kontrolle.
Das ethnische Spektrum der Bevölkerung hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich erweitert, verursacht durch die Zuwanderungen ausländischer Arbeitnehmer und den Prozess der Entkolonialisierung. Spanier und Portugiesen stellen seit vielen Jahren in Frankreich bedeutende Minderheiten dar, hinzu kommen im Südosten des Landes die Italiener. In den 1950er Jahren stieg zudem der Anteil von Ostasiaten deutlich an.

Briancon

Zahlenmäßig werden diese Gruppen jedoch von den Nordafrikanern übertroffen, die nach der Unabhängigkeit ihrer Heimatländer zu Millionen nach Frankreich eingewandert sind. Genaue Zahlen gibt es nicht, da diese Zuwanderung häufig auf "Schleichwegen" erfolgt ist. Vor allem in den Großstädten sind ganze Stadtviertel zu regelrechten orientalischen Bazaren umfunktioniert worden. Die "Maghrebisierung" hat in den letzten Jahren verstärkt zu gesellschaftlichen Konflikten geführt, die auch in der politischen Reaktion der Bevölkerung ihren Niederschlag gefunden haben.

Sprachliche Vielfalt
Die ethnische und kulturelle Vielfalt des französischen Volkes erklärt sich aus jahrtausendelangen Überlagerungen, die sich in diesem Land vollzogen haben. Eine Vereinheitlichung der Bevölkerung ist weder den Römern oder Franken in vergangenen Zeiten noch dem heutigen Zentralstaat geglückt. So spiegelt sich das ethnische Mosaik auch in einer sprachlichen Vielfalt wider. Französisch, das durchweg von allen Franzosen beherrscht wird, gehört zu den romanischen Sprachen. Es teilt sich in zwei Mundartgruppen (Sprachgebiete der Langue d'oui und der Lanque d'oc), die Trennlinie verläuft etwas unterhalb der Loire. Im Osten des Landes trifft man auf eine Dialektvariante, das Frankoprovencalisch. Ebenfalls zu den romanischen Sprachen zählt das Katalanische, das beiderseits der französisch-spanischen Grenze in den Ostpyrenäen gesprochen wird.

Die deutsche Sprache hat sich in Form eines alemannischen Dialekts in weiten Teilen des Elsass erhalten. Das Flämische reicht vom Norden ebenfalls in das französische Territorium hinein. In einigen französischen Alpenregionen und auf Korsika bestehen bedeutende italienische Sprachminderheiten.
Besonderheiten stellen vor allem das Bretonische und Baskische dar. Bretonisch wird bis heute im Westteil der Bretagne gesprochen. Es zählt zu den keltischen Sprachen, zu denen auch das Walisische (Gälisch), das Irische, das Schottische oder das Galicische gehören.
Das Baskische, richtiger das Eskuara oder Euskara, ist die älteste Sprache, die auf dem europäischen Kontinent erhalten ist. Rund 100.000 - 200.000 französische und etwa 900.000 spanische Basken beherrschen diese Sprache, die als einzige Sprache Westeuropas nicht zur indoeuropäischen Sprachfamilie zählt.

Bevölkerungsstrukturen
Die Bevölkerungsentwicklung Frankreichs zeigt im Verlauf der letzten Jahrhunderte auffällige Abweichungen von der anderer vergleichbarer europäischer Staaten. Besonders im 19. Jahrhundert, als die Bevölkerungszahl kräftig zunahm, zeichnete sich Frankreich durch die niedrigsten Geburtenziffern in Europa aus. Erst im 20. Jahrhundert, begünstigt durch eine kinderfreundliche Familienpolitik vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg, hat sich dieser Trend umgekehrt. Zwischen 1950 und 2000 hat die Bevölkerungszahl des Landes um 17 Millionen Menschen zugenommen.
Im Vergleich zu den Nachbarstaaten ist die Bevölkerungsdichte in Frankreich relativ gering. Allerdings ist die Bevölkerung innerhalb des Landes sehr ungleichmäßig verteilt. Größter Konzentrationspunkt ist die Île de France mit dem Zentrum Paris, wo knapp 20% der Gesamtbevölkerung leben. Demgegenüber ist das übrige Land vergleichsweise dünn besiedelt.

Völkermord-Gesetz

Paris, 23.01.2012: »[...] Der Pariser Senat hat ungeachtet aller Drohungen der Türkei ein neues Völkermordgesetz verabschiedet. Das Gesetz stellt die Leugnung von gesetzlich anerkannten Völkermorden unter Strafe – darunter den Tod zahlloser Armenier während des Ersten Weltkriegs im Osmanischen Reich.[...]« Der türkische Ministerpräsident Erdoğan reagierte erbost auf das Gesetz und drohte Frankreich mit Sanktionen.
Zitat: www.zeit.de, Frankreichs Senat billigt Völkermord-Gesetz, 23.01.2012
Siehe auch:  Türkei

Bevölkerungsbewegungen
Diese ungleiche Bevölkerungsverteilung ist zum Teil das Ergebnis eines starken Wanderungsprozesses im Verlauf der letzten Jahrhunderte. Neben dem Schwerpunkt Paris waren die Industriegebiete im Norden und Osten des Landes Anziehungspunkte für die Bevölkerung aus den ländlichen Gebieten und den Gebirgen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg erfolgt eine zunehmende Konzentration entlang der südfranzösischen Küste, die sich mehr und mehr zum "Altersitz der Franzosen" entwickelt, aber auch für viele ausländische Arbeitnehmer aus den mediterranen Anrainerstaaten zur neuen Heimat geworden ist.

14. September 2010: Burka-Verbot bestätigt

»[...] Frankreichs Senat stimmt Burka-Verbot zu. [...] Das Gesetz verbietet in Frankreich generell die Vermummung in der Öffentlichkeit und nicht nur von muslimischen Frauen getragene Schleier wie die Burka oder den Nikab. Wer gegen das Verbot verstößt, soll künftig 150 Euro Strafe zahlen müssen. Alternativ oder zusätzlich kann die Teilnahme an staatsbürgerlichem Unterricht angeordnet werden. Männern, die ihre Frauen zum Tragen von Schleiern zwingen, droht ein Jahr Haft und eine Geldstrafe von 30.000 Euro. Sind die Betroffenen minderjährig, ist zudem eine Verdoppelung der Strafe möglich. Das Gesetz soll nach einer Übergangsphase im Frühjahr in Kraft treten.
Nach Ansicht von Präsident Nicolas Sarkozy und der konservativen Regierung sind Vollschleier wie Burka und Nikab Symbole der Unterdrückung und verstoßen gegen Grundsätze wie die Gleichberechtigung von Frau und Mann. [...] Dem Innenministerium zufolge tragen in Frankreich höchstens 2000 Frauen einen Schleier wie Burka oder Nikab. Frankreich hat mit mehr als fünf Millionen Menschen die größte muslimische Gemeinde in Europa.«
Zitat: www.zeit.de, 14.09.2010

Siehe auch:
muz-online.de,  Islam
The Freedom Alliance - Le blog de la Résistance sur Internet. Weblog der Gruppierung "La Résistance Républicaine", Islamgegener, die sich in ihrem Kampf gegen muslilmische Traditionen und Scharia in der Tradition der Résistance sehen.
Fremdenfeindlichkeit in Frankreich
»[...] Die Einladung zu einer anti-islamischen Schweinefleisch-Party sorgt in Frankreich für Empörung. [...]«
Zitat: www.spiegel.de, 05.08.2010

Zunehmende Unzufriedenheit der Menschen äußert sich in machtvollen Protestaktionen

Auch zwei Jahre nach der Wahl von Nicolas Sarkozy zum Präsidenten des Landes, werden die zuvor lautstark angekündigten Reformvorhaben insbesondere im sozialen Bereich nur unzureichend umgesetzt. Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise, die Frankreich ab 2008 an den Rand einer Rezession bringt, verschärft die soziale Schieflage im Land. Ein besonders großes Problem stellt die hohe Jugendarbeitslosigkeit dar. Hoffnungslose Perspektivlosigkeit der jungen Leute, die vorgefundene Realität, sich aussichtslos am Rand der Gesellschaft zu befinden, führen immer wieder dazu, dass sich die ohnehin bestehenden sozialen Spannungen in den ghettoähnlichen Vierteln, die vor allem von Menschen mit ausländischen Wurzeln bewohnt werden, in gewalttätigen Protestaktionen entladen, die wiederum von der Polizei brutal bekämpft werden.

Zur Eindämmung der Bankenkrise und der sich abzeichnenden Rezession, hat die französische Regierung stärker als andere europäische Regierungen auf staatsinterventionistische Konzepte gesetzt, zu deren schnellen Umsetzung ein eigenes Ministerium installiert wurde. Wenngleich die Förderung der Unternehmen von Sozialmaßnahmen flankiert wurden, die eine Stärkung der Konsumkraft erwirken sollten, machte sich in Streiks und Demonstrationen eine zunehmende Unruhe bemerkbar, die sich auch gegen die Fortsetzung des Reformprogramms u.a. auf dem Bildungssektor richteten.

Soziale Situation - erste Rezession seit 15 Jahren

»[...] Angesichts sich wieder verschärfender Jugendproteste (...) kündigte Präsident Sarkozy am 24.4.2009 Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit mit einem Kostenvolumen von 1,3 Mrd. € an. Mit den Geldern sollen Unternehmen honoriert werden, die bis Juni 2010 Lehrlinge und junge Arbeitnehmer einstellen. Die Regierung versprach sich von dieser Initiative, innerhalb eines Jahres die Zahl der Lehrlinge um 35.000 auf 320.000 und die der Verträge zum Berufseinstieg um 30.000 auf 170.000 erhöhen zu können. Im April 2009 lag die Arbeitslosenquote der 15- bis 24-Jährigen in Frankreich bei 22% und übertraf damit den EU-Durchschnitt um 3,2%.
Soziale Proteste: Zahlreiche Reformvorhaben der Regierung verschärften im Herbst 2008 die sozialen Spannungen. Betroffen von Sparmaßnahmen und Modernisierungsplänen waren insbesondere die Bereiche der Arbeitsmarkt-, Bildungs-, Gesundheits- und Justizpolitik. Die Absicht von Bildungsminister Xavier Darcos, die Lehrpläne für die letzten drei Schuljahre an Gymnasien neu zu gestalten, um die hohen Abbrecherquoten an den Universitäten zu verringern, und zugleich massiv Lehrerstellen abzubauen (2008: 11200,2009:13500), rief Schüler sowie Eltern- und Lehrerverbände auf den Plan. Eine zweiwöchige Protestkampagne an den Schulen mündete am 18.12. in eine landesweite Demonstrationswelle, an der sich rd. 150.000 Jugendliche beteiligten; in mehreren Städten kam es dabei zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei. Um eine Eskalation wie in Griechenland zu vermeiden, hatte die Regierung schon zwei Tage zuvor angekündigt, die geplante Oberstufenreform zu überarbeiten und auf 2010 zu verschieben. Auch Hochschulministerin Valérie Pécresse zog angesichts einer breiten Streikbewegung an den Hochschulen seit Anfang Februar 2009 ein Regierungsdekret zur Reform der Hochschullehre zunächst zurück, brachte es aber, trotz anhaltenden Ausstandes an den Hochschulen - die letzte, in Toulouse, räumte die Polizei am 2. 6. -, nach Modifikationen am 22.4. zur Verabschiedung im Kabinett ein.
Am 29.1. 2009 und - ungeachtet des "Sozialgipfels" vom 18. 2. (...) - am 19.3. sowie 13.6. folgten jeweils bis zu 2-3 Mio. Menschen mit Arbeitsniederlegungen (v. a. im öffentlichen Sektor) und Demonstrationen einem landesweiten Streik- und Aktionsaufruf der acht großen Gewerkschaften zum "Kampf für Beschäftigung und Kaufkraft".
Empört über das Verhalten von Bankmanagern in der Finanzkrise und Unternehmern in Betriebskonflikten griffen Beschäftige im Frühjahr 2009 zu radikaleren Kampfformen. In einer Reihe von Unternehmen wurden Spitzenmanager und Firmenchefs bis zu 48 Stunden im Betrieb festgehalten, um geplante Werksschließungen und Entlassungen zu verhindern oder angemessene Sozialpläne auszuhandeln. Zu Freiheitsberaubungen dieser Art ("Bossnapping"), die nach Meinungsumfragen von einem großen Teil der Bevölkerung gebilligt wurden, kam es zwischen März und Mai vor allem in Filialen ausländischer Unternehmen, u.a. von Sony, 3M, Scapa, FM Logistic, Caterpillar, Toyota und dem Autozulieferer Molex. Aber auch beim französischen Autozulieferer Faurecia führte der zeitweise Arrest von Managern zu neuen Verhandlungen über die Entlassungspläne.
Soziale Maßnahmen: Um den durch die Rezession bedingten schnellen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu bremsen und sozial abzufedern, kündigte Präsident Sarkozy für 2009 an, die Zahl der Contrats aidés, der staatlich subventionierten Arbeitsverhältnisse, um 100.000 auf 330.000 zu erhöhen. Darüber hinaus sollen mehr im Gefolge von Sozialplänen Entlassene Übergangsverträge erhalten, die vom Arbeitgeber, dem Staat und den Sozialkassen finanziert werden. Sie erhalten dann für die Dauer von bis zu zwölf Monaten, in denen sie Fortbildungsmaßnahmen durchlaufen, 80% ihres bisherigen Gehalts. Auf die anschwellende Protestbewegung reagierte Sarkozy mit einem Katalog von "Maßnahmen der sozialen Gerechtigkeit", den er Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden am 18.2.2009 auf einem Sozialgipfel im Elysee-Palast vorstellte: Im Gesamtumfang von 2,65 Mrd. € sagte er Geringverdienern Steuererleichterungen zu, Einmalzuschüsse für Familien mit Kindern (150 €), Arbeitslose ohne oder mit niedrigem Bezugsanspruch (500 €) und Empfänger von Sozialhilfe (200 €) sowie eine Rentenerhöhung für Kleinstrentner (6,9%). Die Gewerkschaften reagierten enttäuscht und kündigten die Fortsetzung ihrer Protestaktionen gegen Sarkozys Krisenpolitik an (Generalstreik am 19.3.). Am 10.4. stellte die Regierung weitere 1,5 Mrd. € für einen neuen, von den Gewerkschaften geforderten Sozialfonds bereit, zu dem auch die Tarifparteien "in entsprechendem Ausmaß ihren Teil" beitragen sollten. Die Mittel des Fonds sollen vorrangig für Maßnahmen gegen Entlassungen und zur Förderung der Ausbildung verwendet werden. [...]«
Aus: Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, S. 209 ff.
In Frankreich stieg die Arbeitslosigkeit im vierten Quartal 2009 mit rasantem Tempo auf über 10 Prozent. Erst Ende August 2010 konnte ein leichter Rückgang der Arbeitslosigkeit um 0,1% festgestellt werden, was in Paris als "Wendepunkt" bewertet wird.

Problem Jugendarbeitslosigkeit
»[...] In der Krise ist die Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich auf über 25 Prozent angestiegen. Pessimismus regiert, Frankreichs Jugend sieht ihre Zukunft so schwarz wie kaum eine andere. [...] Außerdem sind die gemeldeten und inoffiziellen Jugendarbeitslosen sozial und regional sehr ungleich verteilt. Mit 40 bis 50 Prozent ist das Problem fehlender Arbeitsplätze in bestimmten Außenquartieren der "Banlieue" in explosiver Weise konzentriert, wo fast ausschließlich Immigrantenfamilien wie in sozialen Ghettos ausgegrenzt leben.[...]«
Zitat: www.taz.de, 13.08.2010

Protestaktionen im Jahr 2010

Ab dem 16. Februar 2010 wurden die 6 Total-Raffinerien und einige Benzin-Depots von den Arbeitern bestreikt. Der Streik begann, nachdem Total angekündigt hat, die Raffinerie in Dünkirchen zu schließen.
»[...] Die ganze Branche leidet unter eine Überkapazität, weil der Bedarf durch die Wirtschaftskrise zurückgegangen ist. Während des Booms wurden zu viele Kapazitäten aufgebaut, die jetzt nicht ausgelastet sind, was Werkschliessungen zur Folge hat.[...]«
Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: Hat Frankreich bald kein Benzin mehr?

Nach Ankündigung der Regierung Sarkozy, das Renteneinstiegsalter von 60 auf 62 Jahre anzuheben, gingen am 24. Juni rund 2 Millionen Menschen auf die Straße, um gegen die Pläne der Regierung zu protestieren. Der Ärger der Menschen richtet sich immer stärker gegen Sarkozy und die von ihm geführte Regierung, deren Politik nur noch bei etwas über 20 Prozent der Franzosen Zustimmung findet. Wie auch in anderen betroffenen Ländern, sollen die Folgen der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise die Schwächsten in der Gesellschaft tragen, während diejenigen, die für die Krise verantwortlich sind, weiter begünstigt werden.

»[...]Am Donnerstag (23. September 2010; Anm. www.muz-online.de) gingen laut Gewerkschaftsangaben bis zu 3 Millionen Menschen in 232 Städten in ganz Frankreich auf die Strasse, um gegen Sarkozys Rentenkürzung zu protestieren. Das Rentenalter wird von 60 auf 62 erhöht und das Alter um die volle Rente ohne Abzüge (décote) zu erhalten, soll von 65 auf 67 Jahre erhöht werden. Die Massendemonstration war bereits die zweite in diesem Monat. Damit sollen 4 Milliarden Euro pro Jahr eingespart werden, oder besser gesagt, den Rentnern gestohlen werden. [...] Laut Umfragen unterstützen 68 Prozent der Franzosen die Protestbewegung. [...]«
Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: Die Ablenkungsmanöver von Sarkozy

Es geht bei den Protesten um weit mehr als die Anhebung des Renteneinstiegsalters
»[...] Die Aufgebrachtheit im ganzen Land kann man nur mit einem tiefen Misstrauen und Abneigung gegen das ganze politische System erklären. Es machen ja alle Bevölkerungsschichten von jung bis alt und alle Berufsgruppen mit. Die Zustimmung zu den Massenprotesten in der Bevölkerung liegt nach Umfragen immer noch über 70 Prozent. Was hier passiert ist eine generelle Auflehnung gegen den französischen Staat.
Mittlerweile geht dem Land das Benzin aus und 2'500 Tankstellen sind leer. Zu den vielen verschiedenen Berufsgruppen die den Streik an den kritischen Punkten wie der Treibstoffversorgung durchführen, haben sich jetzt auch die Fahrer der Geldtransporter angeschlossen. Das bedeutet, die Geldautomaten werden nicht mehr gefüllt und laufen auch leer. Das Bargeld wird knapp werden.
Es geht hier darum zu zeigen, wer hier die Macht hat, denn ohne Kooperation der Bevölkerung läuft gar nichts. Die Politiker in Frankreich und allen westlichen Staaten haben viel zu lange selbstherrlich als Besserwisser über die Köpfe der Bevölkerung hinwegentschieden, sie hören schon lange nicht mehr zu. [...]«
Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: Es geht um viel mehr als Rentenkürzung, 20. Oktober 2010

Die Protestaktionen, die mit Beginn der Schulferien am 1. November (Feiertag "Allerheiligen") ein abruptes Ende fanden, kosteten dem französischen Staat laut offiziellen Angaben rund 500 Millionen € am Tag.
Siehe auch: www.heise.de, Rückkehr zur Normalität. Die Rentenreform hat das Parlament passiert. 29.10.2010
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Korsika

Die Beziehungen der Mittelmeerinsel Korsika zu ihrem Mutterland gelten seit Beginn ihrer Zusammengehörigkeit als "schwierig", und das ist sicher nur eine unzureichende Andeutung eines Konflikts, der seither besteht. Ein echtes Zusammengehörigkeitsgefühl ist nie entstanden, auch wenn einer der großen Franzosen, Napoleon I. (1769-1821), eben in jenem Jahr in Korsika geboren wurde, als die Insel Frankreich angegliedert worden ist.

Die geographische Lage hat Korsika seit frühester Zeit zum Kreuzungspunkt von Völkern und Kulturen werden lassen. Die Häufung von Grabanlagen und Menhiren, den ersten monumentalen Steinskulpturen des Abendlandes, weist auf eine hochentwickelte steinzeitliche Megalithkultur hin. Lange vor den Griechen und Römern haben die Etrusker, Ligurer und andere Völker ihre Spuren hinterlassen. Die Phönizier bauten Mitte des ersten vorchristlichen Jahrtausends Handelsstützpunkte aus. Die römische Eroberung setzte 260 v. Chr. ein. Trotz eines über hundert Jahre andauernden Kampfes gelang ihnen aber nie die endgültige Unterwerfung dieses Inselvolkes.
Nach dem Untergang des Römischen Reiches blieb die Insel Spielball der Machtinteressen vieler Völker. Vandalen, Byzantiner und Sarazenen wechselten einander in der Herrschaft ab, bis im 9. Jahrhundert Korsika von den Mauren erobert wurde. Während ihrer mehr als zweihundertjährigen Herrschaft rissen die kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Korsen nicht ab.
Als Korsika 1077 durch einen päpstlichen Beschluss dem Bistum von Pisa unterstellt wurde, rief das den Neid der Genueser hervor, die zu Beginn des 14. Jahrhunderts die Oberhoheit auf Korsika durchsetzen konnten. Im Widerstandskampf gegen die Fremdherrschaft verloren viele berühmte Korsen ihr Leben. Ein Aufstand unter Pasquale Paoli (1725-1807) beendete 1755 die genuesische Hegemonie. Die Zeit der korsischen Unabhängigkeit dauerte nur wenige Jahre und endete mit dem Verkauf der genuesischen Rechte an Frankreich. Nachdem die Korsen auch 1769 die Schlacht bei Ponte-Nuovo verloren hatten, war der Anschluss der Insel an Frankreich endgültig besiegelt: sie wurde als Département eingegliedert.

Land und Wirtschaft
Die viertgrößte Insel des Mittelmeers liegt über 160 km von der französischen Küste entfernt. Der westliche Teil der Insel, aus alten kristallinen Gesteinsschichten aufgebaut, ist ein wildes, fast unzugängliches Gebirgsland, das im Monte Cinto 2710 m über Meereshöhe erreicht und zum Meer hin steil abfällt. Die Besiedlung beschränkt sich im wesentlichen auf einige Küstenhöfe, die sich im Mündungsbereich der Gebirgsbäche gebildet haben. Schmale und langgestreckte Buchten bieten gute Voraussetzungen für die Anlage von Naturhäfen. Landläufig wird der Westteil der Insel als "au-delà" (jenseits) bezeichnet. Dem steht östlich der Wasserscheide der Teil "en-decà" (diesseits) gegenüber. Er ist an einigen Stellen zwar ebenfalls gebirgig, doch sind die Küstenebenen wesentlich breiter ausgebildet und ermöglichen eine dichtere Besiedlung.
Die wirtschaftlichen und strukturellen Probleme Korsikas liegen zum Teil in der wechselvollen Geschichte der Insel begründet. Die Einheimischen mussten sich immer wieder in die Gebirgsregionen zurückziehen, wo sie von einer extensiven Viehwirtschaft lebten. Erst in den letzten Jahrzehnten ist die Bewässerungslandwirtschaft in Ostkorsika intensiviert worden. Die Ansiedlung von ehemaligen Kolonialfranzosen aus Nordafrika hat in diesem Zusammenhang jedoch zu erheblichen Konflikten mit der einheimischen Bevölkerung geführt.
Zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor hat sich der Tourismus entwickelt. Besonders die Ostküste verfügt über kilometerlange Sandstrände, an denen in den letzten Jahren eine Reihe von Feriendörfern und touristischen Zentren entstanden sind. Daneben bilden die bizarre Schönheit der Insel sowie die kulturellen Zeugnisse der Vergangenheit eine gute Voraussetzung für den Fremdenverkehr. Aus Angst vor Überfremdung regt sich jedoch unter Teilen der Inselbewohner häufig Widerstand gegen den Tourismus.

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Literatur

Alle Länder dieser Erde. Band 1, Sonderausgabe in 2 Bänden, Reader's Digest (Hg), Bertelsmann, Gütersloh/München, 2001, S.409 f..



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www-Links

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Martinique
Französisch-Guyana
Französisch-Polynesien
Besuch im Département Drôme
 Auf dem Weg in eine Neue Weltordnung
Kulturabteilung der Französischen Botschaft in Berlin
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Le Monde diplomatique - Deutsche Ausgabe
Studieren in Frankreich
Ratgeber Frankreich
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Frankreich-Forum: aktuelle Informationen über Politik, Wirtschaft und Kultur
France-diplomatie [Das Außenministerium] -- Die DFAE kontrolliert aber schützt auch die in Frankreich lebenden Ausländer/innen
Soziale Sicherheit in der EU
Die ausländische Bevölkerung
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Ludwig XIV.
Schlösser in Frankreich
Geschichte - Königin Marie Antoinette
Korsika - Insel der Schönheit
Napoleon Bonaparte - Leben und Taten
Französische Kolonien
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